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ARD-BerichterstattungHerzzentrum Leipzig nimmt Stellung zu Personalpolitik

Das ARD-Nachrichtenmagazin FAKT (Ausstrahlung 23.03.2021) hinterfragt die Personalpolitik am Helios Herzzentrum Leipzig. Vorab nimmt das Klinikum nun Stellung.

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Symbolfoto

In einer Pressemitteilung, die das Helios Herzzentrum Leipzig am vergangenen Montag veröffentlichte, nimmt die Klinik Stellung zu Vorwürfen bezüglich seiner Personalpolitik. So sei das Krankenhaus im Rahmen einer Recherche des ARD-Nachrichtenmagazins FAKT mit einer Anfrage und Anschuldigungen hinsichtlich der Arbeitsbelastung des ärztlichen Personals konfrontiert worden. Mit der Veröffentlichung der Antworten und der gestellten Fragen will das Klinikum nun für Transparenz sorgen.

Anfertigung von Dienstplänen

FAKT-Redaktion: Uns wurde mitgeteilt, in vielen Bereichen Ihres Hauses sei es mit dem vorhandenen Personalpool nicht möglich tarif- beziehungsweise arbeitszeitgesetzkonforme Soll-Dienstpläne zu erstellen. Wie häufig kam das in den Jahren 2020 und 2021 vor?

Helios: Die Fachabteilungen selbst haben die Planungshoheit. Innerhalb dieser wurden in zwei Fachabteilungen im genannten Zeitraum je fünfmal die Sollplanung wegen Ruhezeitverletzung abgelehnt. In allen Fällen wurde eine Einigung zwischen den betroffenen Mitarbeitern, der Geschäftsführung und dem Betriebsrat gefunden, um Mitarbeiterwünsche, betriebliche Notwendigkeiten und tariflichen bzw. gesetzmäßigen Regelungen in Einklang zu bringen.

Für die Zukunft werden wir die Planung enger seitens der Personalabteilung begleiten, damit es besser abgestimmt wird.

Überschreitung der Arbeitszeit

FAKT-Redaktion: Uns wurde mitgeteilt, durch die anfallende Mehrarbeit arbeite man durchschnittlich (inklusive Forschung, Lehre und ärztlicher Dienst) rund 130 Prozent. Wieviele Ärzte sind Ihrer Information nach davon betroffen?

Helios: Eine Auswertung aller Arbeitszeitkonten des ärztlichen Dienstes ergab für 2020 und das Frühjahr 2021 keine überdurchschnittliche Belastung. Die Aussage von 130 Prozent trifft auf lediglich zwei Mitarbeiter von 290 im ärztlichen Dienst zu. Erklären lässt sich die Überschreitung mit der Teilnahme am Bereitschaftsdienst, deren tarifliche Regelungen eine monatliche bzw. spätestens im dritten Monat nach Entstehung eine Auszahlung vorsieht, wenn in diesem Zeitraum kein entsprechender Freizeitausgleich erfolgt ist.

Überstunden und Arbeitszeitreduktion

FAKT-Redaktion: Überstunden, die jenseits von Mehrarbeit anfielen, würden aufgeschrieben und dokumentiert, aber von der Geschäftsführung weitgehend ignoriert. Ist dies korrekt?

Helios: Das ist nicht korrekt. Richtig ist, dass die Geschäftsführung Überstunden nur genehmigt, wenn diese nachvollziehbar und im Vorfeld durch die jeweilige Führungskraft genehmigt sind. Dies ist tariflich auch so vorgeschrieben. Überstunden müssen nachvollziehbar erklärt und begründet werden. Nur durch eine vorherige Genehmigung durch den Vorgesetzten kann arbeitskonforme Arbeitszeit gewährleistet werden.

Kritische Lage auf Intensivstation 

FAKT-Redaktion: Wie häufig mussten Intensivbetten aufgrund von ärztlichem Personalmangel im Jahr 2020 und 2021 gesperrt werden?

Helios: Pandemiebedingt gab es Zeiten, in denen wir in der kardiovaskulären Versorgung weniger Intensivbetten betreiben konnten als gewöhnlich, da für die Versorgung und Behandlung von Covid-19-Patiente und Patientinnen neue Versorgungsstrukturen geschaffen und mehr Personal vorgehalten werden musste. Ein Personalmangel im ärztlichen Dienst war dabei nicht der begrenzende Faktor.

Personalabbau

FAKT-Redaktion: Aus Berichten und Dokumenten geht hervor, dass rund 15 ärztliche Vollzeitstellen, der am Herzzentrum tätigen Ärzte im ärztlichen Dienst, abgebaut werden sollen. Ist dies korrekt? Wenn nein, wieviel Prozent der ärztlichen Vollzeitstellen sollen abgebaut werden?

Helios: Wir planen keine betriebsbedingten Kündigungen. Der Stellenplan des ärztlichen Dienstes 2021 ist aufgrund des Patientenrückgangs um circa 9,5 Vollzeitstellen von circa 260 Vollzeitstellen reduziert. Die Stellenreduktion im ärztlichen Dienst in Höhe von 3,2 Prozent wird dadurch umgesetzt, dass in Bereichen Stellen durch geringfügige Stellenreduktionen von Mitarbeitern nicht nachbesetzt werden.

FAKT-Redaktion: Aus welchen Gründen sollen die Kürzungen vorgenommen werden?

Helios: Der Stellenplan wird jedes Jahr auf Basis der erwarteten Patientenzahlen ermittelt. Er ist zudem in gewissem Umfang ein lebendes „Dokument“ wenn sich die Patientenzahlen anders entwickeln. In den letzten Monaten hatten wir aufgrund der Pandemieeffekte, je nach Monat, 30-40 Prozent weniger Patienten zu betreuen. Wir erwarten, dass das alte Leistungsniveau aufgrund der Pandemieeffekte dieses Jahr nicht mehr erreicht werden kann und entsprechend 14 Prozent weniger Patienten unsere Behandlung ersuchen. Die Vermeidung des Arztbesuchs zur Verringerung von Ansteckungsmöglichkeiten führt dazu, dass die notwendige Diagnose nicht erfolgt oder der Patient die stationäre Behandlung auf „nach der Pandemie“ verschieben will oder weil wir von der Koordinierungsstelle wieder in größerem Maße Corona-Intensivpatienten zugewiesen bekommen.

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