Die Zahlen sind bekannt und sie werden gern zitiert: Derzeit fehlen in Deutschland 10.000 Altenpflegekräfte, im Jahr 2030 könnten es bereits eine halbe Million sein. Klar ist, dass die Pflegebranche grandiose Jobchancen bietet. Genauso klar ist aber auch, dass nicht Jeder für eine Karriere in der Pflegebranche geeignet ist. Die Beratungsangebote der Fachschulen für Altenpflege sollen interessierten Bewerbern bei der Entscheidungsfindung helfen. "Die Pflegebranche stellt große physische und psychische Anforderungen an die Mitarbeiter. Auch die Belastung durch die Schichtarbeit kann sehr hoch sein — deshalb ist eine Beratung im Vorfeld wichtig", sagt Christina Engel, verantwortliche Redakteurin bei der Stiftung Warentest.
Eine gute Beratung, so haben es die Mitarbeiter der Stiftung vor dem Start der Untersuchung festgelegt, bietet detaillierte Auskünfte über die Ausbildung und die Arbeitssituation in der Branche. Sie informiert über Beginn, Dauer, Inhalte und Prüfungen und weist auf die Voraussetzungen wie psychische und körperliche Belastbarkeit hin. Tipps zur Förderung und zu Aufstiegsmöglichkeiten runden das Beratungsangebot ab. Die Stiftung Warentest schulte zunächst eine Gruppe Menschen, die der Zielgruppe "Quereinsteiger" entsprach: Männer und Frauen im Alter von 20 bis 50 Jahren, einige von ihnen waren Migranten. Diese Tester wurden auf 16 verschiedene Altenpflegeschulen in Nordrhein-Westfalen angesetzt.
Viele Schulen in NRW lehnten Beratungsgespräche ab
"Über das Ergebnis aber auch über den Ablauf des Tests waren wir bestürzt. Wir wollten die Qualität der Beratung beurteilen — und das war kaum möglich, da nur wenige Beratungsgespräche zustande kamen", berichtet Christina Engel. "Unsere Tester riefen während der Phase bei uns an und berichteten in vielen Fällen, dass sie keine Beratungstermine bekamen. Stattdessen wurden einigen eine Beratung im Nachgang ihrer Bewerbung angeboten, anderen wurde empfohlen, zunächst ein Praktikum in der Altenpflege zu absolvieren." Bis zu sieben Testpersonen meldeten sich bei den Schulen und baten um eine Beratung. An zwei der 16 Schulen wurde kein einziger Termin vergeben. Weitere neun Schulen lehnten so häufig ab, dass jeweils nur maximal drei der Tester beraten wurden. Insgesamt elf Schulen erhielten deshalb die Note "mangelhaft".
Berater gehen kaum auf individuelle Situationen ein
Auch die Qualität der Beratung, die der eigentliche Kern der Untersuchung sein sollte, war in vielen Fällen eher bescheiden. Die meisten Anbieter informierten die Testpersonen zwar ausgiebig über die Ausbildung, doch zu einer Beratung im eigentlichen Sinn kam es nur selten. Die Lebensläufe der Testpersonen, ihre Wünsche und Vorstellungen wurden bei vielen Gesprächen nicht berücksichtigt. Am Ende bekamen nur drei Fachschulen in Sachen Bereitschaft, Qualität und Service die Note "gut". Die Testsieger waren der DRK Kreisverband Dortmund, die TÜV Rheinland Akademie in Dortmund sowie die Katholische Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe Dortmund. "Eine gute Beratung kann mit falschen Vorstellungen vom Beruf aufräumen und Ausbildungsabbrüchen vorbeugen", sagt Christina Engel. Mit ihren defizitären Beratungsangeboten schaden sich die Fachschulen somit letztlich selbst.


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