Wie viele der infizierten Patienten im Alter von 25 bis 80 Jahren inzwischen gestorben sind, konnte der Sprecher nicht sagen. "Zur Eindämmung des Infektionsrisikos werden betroffene Patienten umgehend strikt isoliert", hieß es. Außerdem seien alle Räumlichkeiten einer ausgiebigen Desinfektion unterzogen worden. Dennoch wurde im Kieler Klinikum vorsichtshalber ein Teil der Intensivstationen bis auf weiteres geschlossen. Wegen der eingeschränkten Intensivkapazität könnten große Operationen möglichwerweise verschoben werden. Als Überträger der Infektionen werde ein Patient vermutet, der am 11. Dezember 2014 aus dem Mittelmeerraum ins UKSH verlegt worden war. Auch er ist inzwischen gestorben.
Keim ist gegen vier Antibiotikagruppen resistent
Bei dem Erreger handelt es sich um das Bakterium Acinetobacter baumannii, das zu den sogenannten MRGN (multiresistenten gramnegativen Erregern) gehört. Der Keim ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland noch recht selten, tritt aber in vielen anderen Ländern relativ häufig auf, besonders auf Intensivstationen. Das RKI warnte bereits im August 2013 in einem epidemiologischen Bulletin (32/2013) vor dem Erreger, der in zunehmenden Maße Resistenzen bilde. Er kann Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen und Sepsis auslösen und verbreitet sich sowohl durch Schmier- und Kontaktinfektionen wie auch durch die Luft. Der in Kiel auftretende Erreger ist laut UKSH gleich gegen vier Antibiotikagruppen resistent. "Wir haben in dieser Form noch nie damit zu tun gehabt", sagte der Klinik-Sprecher.
RKI warnte bereits 2013 vor Erreger
Zur Gefährlichkeit des Keims gibt es unterschiedliche Aussagen. Während das UKSH davon spricht, das von Acinetobacter baumannii "nur relativ selten zu schweren Infektionen führe", hielt das RKI ihn schon 2013 in dem Bulletin für einen Erreger mit einem "beunruhigenden Entwicklungspotenzial", weil dieser in rasantem Tempo Resistenzen gegen Antibiotika entwickele. Das Institut verwies dazu auf die amerikanische Gesellschaft für Infektionskrankheiten (IDSA), die den Erreger unter den Top 6 der multiresisten Keime führt, für den die therapeutischen Möglichkeiten knapp würden, so das RKI. Zudem habe dieser Erreger ein deutlich höheres Übertragungspotenzial als etwa MRSA-Keime und könne zudem wochenlang auf unbelebten Materialien überleben.
Massive Kritik von Patientenorganisation
Massive Kritik übte die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund. "Das Uni-Klinikum Kiel scheint beim Management von multiresistenten Keimen und infizierten Patienten überfordert zu sein", sagte Vorstand Eugen Brysch. "Wie kann ein Patient aufgenommen werden, ohne ihn vorher einem Screening zu unterziehen?" Auch hätten die ersten Maßnahmen gegen den Keim offenkundig nicht ausgereicht. "Wir haben Tote zu beklagen - und wissen nichts über die Anzahl."




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