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Jahresabschluss 2020Klinikum Stuttgart steigert Defizit auf 43 Millionen

Das Klinikum Stuttgart schließt 2020 mit einem höheren Defizit als im Vorjahr ab. Der Fehlbetrag ist von 11,1 Millionen auf 43,4 Millionen Euro gestiegen. Auch die Ausgaben sind gestiegen, die Patientenzahlen jedoch gesunken.

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Symbolfoto

Das Defizit des Klinikums Stuttgart hat sich nach fünf Jahren der kontinuierlichen Verbesserung im Jahr 2020 Corona-bedingt wieder verschlechtert. Der Fehlbetrag betrug 43,4 Millionen Euro -  im Vorjahr waren es noch 11,1 Millionen. Dieses gestiegene Defizit ist sowohl auf die politisch vorgegebene Leistungsreduzierung als auch auf deutlich gestiegene Aufwendungen während der Pandemie zurückzuführen.

Obwohl es noch viele Unsicherheiten bei der Finanzierung gab, hat das Klinikum Stuttgart sehr schnell bereits im Februar 2020 reagiert, eine Corona-Ambulanz errichtet, eigene Testkapazitäten für mehrere hunderttausend PCR-Analysen aufgebaut und die Intensiv-, Beatmungs- und ECMO-Kapazitäten deutlich ausgebaut. Dafür waren bauliche und technische Investitionen im Rahmen der strengen Hygienekonzepte nötig – beispielsweise eine getunnelte Verbindung zwischen neuen Intensivbereichen in Bad Cannstatt, Monitor- und Beatmungstechnik, ein neues Lager für medizinische Gase, eine Aufstockung der Kontingente von Sauerstoff-Flaschen, innovative mobile PCR-Schnelltestgeräte und der sehr frühe Einsatz massenhafter Antigenschnelltests, mit denen auch kooperierenden Alten- und Pflegeheimen geholfen wurde.

Der kaufmännische Vorstand des Klinikums Stuttgart, Dr. Alexander Hewer, ergänzt: „Insbesondere der Schutz der Mitarbeitenden und damit die Beschaffung Persönlicher Schutzausrüstung war höchst prioritär. So stieg beispielsweise der Verbrauch von FFP Masken in einem schwierigen Marktumfeld von 21 000 im Jahr 2019 um das 20fache auf rund 450 000 im Jahr 2020.“

Im Klinikum Stuttgart wurden seit Ausbruch der Pandemie 1350 Patienten mit Covid-19 versorgt, 340 davon auf der Intensivstation. Damit gehört das Klinikum zu den in Deutschland am stärksten von der Pandemie belasteten Häusern. Insbesondere im Frühjahr 2020 wurde der reguläre Klinikbetrieb aufgrund politischer Vorgaben massiv reduziert. Die Kapazitäten wurden ganz überwiegend für Corona-Patienten und Notfälle bereitgestellt.

Im Klinikum sank die Zahl der Patienten um 10 Prozent von fast 700 000 im Jahr 2019 auf etwa 625 000 im Jahr 2020. Zudem sind die Ausgaben stark gestiegen, beispielsweise für Sicherheitspersonal an den Eingängen. Maximalversorger mit einer sehr aktiven Rolle in der Pandemie haben tendenziell höhere Verluste erlitten, als kleinere Krankenhäuser. Auch wenn die Politik in der Pandemie schnell reagiert hat, konnten die finanziellen Belastungen für die meisten Maximalversorger nicht ausreichend abgefedert werden. Erstattungen für freigehaltene Betten und neu geschaffene Intensivkapazitäten konnten die Verluste nur teilweise kompensieren.

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