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Politiker bedauern EntscheidungKritik an Abtreibungsverbot der Klinik Dannenberg

Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) sowie Politiker aus der Region kritisieren die Entscheidung der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg, keine Schwangerschaftsabbrüche mehr vornehmen zu wollen.

Babyfüße
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Die Klinikleitung hingegen steht hinter ihrem Chefarzt. "Ich trage die Entscheidung mit", sagte Klinikchef Markus Fröhling bereits am Montag. Der neue Chefarzt der Gynäkologie, Thomas Börner, hatte bei seinem Amtsantritt im Dezember 2016 den neuen Kurs verkündet. Er sei bekennender Christ und lehne Schwangerschaftsabbrüche ab. Im vergangenen Jahr hatte es in der Dannenberger Klinik 31 Schwangerschaftsabbrüche gegeben.

"Ich habe nach der Maxime des Nicht-Tötungsgebotes auch schon nach meinem Abitur Zivildienst gemacht statt zur Bundeswehr zu gehen. In meinem 26-jährigen gynäkologischen Dasein habe ich immer nach dieser Maxime behandelt", sagte Börner im Gespräch mit dem NDR. Der Landrat des Kreises Lüchow-Dannenberg, Jürgen Schulz (parteilos), zeigte sich irritiert darüber, dass die persönliche Gewissensentscheidung des Chefarztes nun als Verhaltensvorschrift für das gesamte Klinikum gelten soll. Betroffene Frauen müssten nun auf andere Landkreise ausweichen und beispielsweise in eine Klinik in Uelzen, Lüneburg, Salzwedel in Sachsen-Anhalt oder Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern gehen.

Es könne nicht angehen, dass ein "ganz wesentliches Recht, für das Jahrzehnte lang gestritten wurde", aus religiösen Gründen beschnitten werde, heißt von Seiten der FDP-Landtagsfraktion. Eine parlamentarische Anfrage an das Gesundheitsministerium dazu sei bereits in Arbeit. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU betonte, es müsse sichergestellt sein, dass die Schwangerschaftsabbrüche von anderer Stelle übernommen würden. Darüber hinaus solle aber grundsätzlich diskutiert werden, wie sich die Zahl der Abtreibungen reduzieren lasse, zum Beispiel durch Beratung. "Rechtlich nicht zu beanstanden, aber bedauerlich", nannte Thomas Schremmer von der Grünen-Landtagsfraktion die Entscheidung der Dannenberger Klinik.

Gesundheitsministerin Rundt betonte, es sei ihr wichtig, dass Frauen den belastenden Eingriff in angemessener Entfernung zu ihrem Wohnort durchführen lassen könnten. Rundt drohte mit Geldentzug: "Bei der Förderung von Investitionen der Krankenhäuser obliegt es nach einer Änderung des Bundesrechts den Ländern, Qualitätskriterien zugrunde zu legen", sagte sie. "Eines dieser zahlreichen Kriterien kann gegebenenfalls auch die Sicherstellung von Schwangerschaftsabbrüchen im jeweiligen Einzugsbereich der Krankenhäuser sein."

"Laut Gesetz kann kein Arzt zu einem Schwangerschaftsabbruch verpflichtet werden", sagte hingegen Klinikchef Fröhling. Eine Begründung verlange das Gesetz nicht. "Wenn die Gesundheit der Frau in Gefahr ist, handelt es sich um eine medizinische Indikation, die natürlich auch bei uns behandelt werden würde", betonte Fröhling.

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