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Nach Enttarnung des "Skandalarztes"Marburger Bund fordert Frühwarnsystem

Als Reaktion auf den in Heilbronn aufgeflogenen Skandalarzt aus den Niederlanden fordert die Ärzte-Organisation Marburger Bund die Einrichtung eines zentralen Registers - um Patienten zu schützen, aber auch den Ruf des Ärztestandes.

Es müsse verhindert werden, dass Patienten von berufsunwürdigen Ärzten geschädigt würden, sagte der Vorsitzende der Organisation der angestellten Ärzte, Rudolf Henke, am Mittwoch in Berlin. Es dürfe nicht sein, dass die Krankenhäuser erst über eine Google-Recherche von der Vorgeschichte eines Arztes erführen. „Die Landesministerien und Approbationsbehörden müssen in der Lage sein, zuverlässig Auskunft über problematische Fälle zu geben”, sagte Henke. „Deshalb brauchen wir eine Zusammenführung von Daten an einer zentralen Stelle.”

Defizite beim EU-weiten Informationsaustausch
Der Informationsaustausch zwischen den EU-Staaten und den deutschen Behörden sei unterentwickelt. Er unterstütze Überlegungen der Europäischen Kommission zur Schaffung eines Warnmechanismus, wie er in einem Vorschlag zur Änderung der Berufsanerkennungsrichtlinie vorgesehen sei, sagte Henke. Der Arzt, dem in den Niederlande dutzende Fehldiagnosen mit massiven gesundheitlichen Folgeschäden für die Patienten vorgeworfen werden und der dort als Arzt nicht mehr tätig sein darf, wanderte nach Deutschland aus und setzte hier seine Laufbahn unbehelligt fort.

Nachdem der Mediziner durch Berichte und Nachfragen niederländischer und deutscher Medien enttarnt worden war, wurde er am vergangenen Freitag vom betroffenen Klinikum Heilbronn sofort aus dem Dienst entfernt. Inzwischen stellte sich heraus, dass er zuvor aber auch noch an weiteren deutschen Kliniken unentdeckt gearbeitet hatte. Am Dienstag meldeten sich auch Kliniken im niedersächsischen Nienburg und im rheinland-pfälzischen Worms, bei denen der Neurologe gearbeitet hatte. Auch in Nordrhein-Westfalen war der Mediziner tätig. In Baden-Württemberg soll er auch an einem Krankenhaus in Bad Friedrichshall praktiziert haben, das wie seine letzte Arbeitsstätte zum kommunalen SLK-Klinikverbund Heilbronn gehört.

Zeugnisse formell in Ordnung
In Deutschland Fuß gefasst hatte der Arzt im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung Arnsberg. Dort war er unter anderem an einer Klinik in Bad Laasphe (Kreis Siegen-Wittgenstein) tätig. Sprecher Christoph Söbbeler erklärte am Dienstag, es hätten Universitäts- und Führungszeugnisse sowie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der niederländischen Behörden vorgelegen, an denen nichts auszusetzen gewesen sei. Die Bezirksregierung unterstütze die Staatsanwaltschaft, die inzwischen Vorermittlungen gegen den Mann eingeleitet hat.

2010 sei der Arzt für einige Monate in den Mittelweser Kliniken in Nienburg tätig gewesen, sagte Geschäftsführer Ronald Gudath. Der Mediziner habe als Honorararzt gearbeitet und sei monatsweise als Vertretung über eine Arztagentur gebucht worden. Als Assistenzarzt sei er aber nie ohne Aufsicht gewesen. Im Zusammenhang mit dem Einsatz des Neurologen seien keine Schadensfälle bekanntgeworden. Als das Klinikum im Juli 2010 über angebliche Unregelmäßigkeiten im früheren Berufsleben des Mediziners informiert wurde, sei das Arbeitsverhältnis beendet worden.

Erst Nienburg, dann Worms
Im Anschluss, ab August 2010, soll der Mediziner dann der Mann mehrere Monate am Klinikum Worms praktiziert haben. Der Neurologe habe nur unter Aufsicht gearbeitet und als Assistenzarzt keine selbstständigen Entscheidungen getroffen, sagte Geschäftsführer Friedrich Haas. Deshalb sei eine Schädigung von Patienten nahezu ausgeschlossen. Alle relevanten Patientenakten würden aber geprüft. Der Mediziner sei wegen akuten Personalmangels über eine Agentur als Honorararzt eingestellt worden. Ein gültiger Facharztabschluss und eine Approbation hätten vorgelegen. Dem Mann sei 2011 gekündigt worden, als das Ärzteteam wieder komplett war.

Die Bezirksregierung im nordrhein-westfälischen Arnsberg, die dem Mann eine bundesweit gültige Approbation ausgestellt hatte, bekräftigte, dass die Unterlagen geprüft und als einwandfrei befunden worden seien. Ein Grund für den Einsatz des Arztes war nach Meinung des Vorstands der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Ärztemangel in Deutschland. Träger stellten inzwischen ziemlich wahllos Bewerber ein, sagte er. Brysch sieht die Politik in der Verantwortung. "Die Bundesbildungsministerin und auch die Länder müssen sich absprechen, wie man dem Ärztemangel in Deutschland entgegentreten kann."

Niederländer nennen ihn "Dr. Frankenstein"
In den Niederlanden hatte der Neurologe schwere Fehler gemacht haben - mit massiven gesundheitlichen Folgeschäden für die Patienten. Deshalb ist der 67-Jährige in den dortigen Medien als "Dr. Frankenstein" bekannt und in einen der größten medizinischen Strafprozess der jüngsten niederländischen Geschichte verwickelt. Vorgeworfen werden ihm dutzende Fehldiagnosen wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson sowie Untreue. Mindestens 13 Patienten sollen wegen falscher Befunde unnötig am Gehirn operiert worden sein. Ein Patient soll sich nach einer fälschlichen Alzheimerdiagnose umgebracht haben.

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