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Drohende ZahlungsunfähigkeitParacelsus Klinik Reichenbach eröffnet Insolvenzverfahren

Die Paracelsus Klinik Reichenbach hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Grund hierfür sei vor allem der Wegfall von Liquiditätshilfen.

Insolvenz
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Symbolfoto

Die Paracelsus Klinik Reichenbach ist ein regionales Akut-Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung und verfügt über rund 180 Betten, verteilt auf sechs Fach- und zwei Belegabteilungen mit rund 300 Mitarbeitenden. Jährlich werden 7300 Patienten stationär und 12 000 Menschen ambulant behandelt, doch nun wurde ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Dies betreffe ausschließlich die lokal tätige Paracelsus Klinik Reichenbach GmbH, wobei Rechtsanwalt Christopher Seagon, Wellensiek Rechtsanwälte, zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde.

Neben den Folgen der Corona-Pandemie ächze die Klinik Reichenbach massiv unter dem Wegfall gewährten Liquiditätshilfen, so Klinikmanager Lars Wunder. Bereits 2018 und 2019 habe die Klinik vorübergehend unter starkem Druck gestanden, konnte zwischenzeitlich jedoch gestärkt werden.

Belastete Liquidität

Anfang des Jahres sei eine Ergebnisverbesserung gelungen, welche aufgrund der Pandemie und anderen Umständen jedoch nicht aufrechterhalten werden konnte. Zum Jahresende 2021 hatte die Klinik erneut mit erheblichen Verlusten abgeschlossen. Auch das konsequente Kostenmanagement der letzten Monate konnte die schwache Leistungsentwicklung wider Erwarten nicht im notwendigen Umfang ausgleichen.

Weiterhin sei die Liquidität der Klinik durch behördliche Auflagen, die nach einem kaum überstandenen Krisenjahr weitere Investitionen zur Abwendung einer Betriebsstillegung in einem Umfang von ca. zwei Millionen Euro zwingend erforderlich machen, erheblich belastet. Eine wirkliche Verbesserung der Rahmenbedingungen sei zudem nicht absehbar. Vielmehr sei mit weiteren Verschärfungen und Restriktionen zu rechnen, so das Unternehmen.

Keine Kostendeckung gegeben

Auch wenn die Paracelsus Klinik Reichenbach GmbH derzeit noch für zumindest die nächsten 12 Monate durchfinanziert sei und damit eine positive insolvenzrechtliche Fortführungsprognose bestehe, lasse das derzeitige Finanzierungssystem einen Betrieb der Klinik in den nächsten 24 Monaten zu wenigstens kostendeckenden Bedingungen nicht zu. Die zunächst überwiegend wahrscheinliche Prognose, wonach der Klinik die Rückkehr in die Gewinnzone im Jahre 2025 gelungen wäre, konnte zuletzt nicht mehr bestätigt werden.

Versorgung ist gesichert

Alle bisherigen Versuche, alternative regionale Verbundlösungen zu gestalten, hätten sich als nicht erfolgversprechend erwiesen. Selbst die geforderte Rekommunalisierung – zu der sich Paracelsus bereitgefunden hätte – stellte sich bis zuletzt nicht als belastbare Alternative dar. Geschäftsleiter Jan Müller zeigt sich jedoch überzeugt davon, dass die medizinische Versorgung in der Gesundheitsregion Vogtland mit den übrigen Einrichtungen weiter uneingeschränkt gewährleistet werden kann. So werde man die ambulanten Angebote in den Medizinischen Versorgungszentren aufrechterhalten.

Auch nach Antragstellung werde der Geschäftsbetrieb der Paracelsus Klinik Reichenbach zunächst vollumfänglich fortgeführt. Lohn- und Gehaltszahlungen seien bis zur Beitragsbemessungsgrenze und der Eröffnung des Insolvenzverfahrens grundsätzlich über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Die Medizinischen Versorgungszentren in der Region Sachsen seien hierbei nicht betroffen.

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