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Sicherheitsdienste in Kliniken"Patienten und Angehörige werden schneller gewalttätig"

Aufgrund möglicher Terrorgefahr und "allgemeiner Verrohung" stellen immer mehr Kliniken Sicher­heits­per­sonal ein, um ihre Angestellten und Patienten zu schützen. Doch das Thema Sicher­heits­dienst im Krankenhaus ist heikel.

Wen man auch fragt – sprechen will kaum jemand darüber. "Nach Rücksprache mit der Geschäfts­führung möchten wir keine Stellung­nahme abgeben”, heißt es etwa aus dem Krankenhaus Sigma­ringen. Dabei hat die Klinik seit November 2015 eine private Sicher­heits­firma zum Schutz des Personals beauf­tragt. Der "Südku­rier” berichtete unter der Schlag­zeile "Sicher­heits­dienst schützt Kranken­schwes­tern”. Vermehrt sei es zu "Übergriffen gegen das Nacht­per­sonal” gekommen, ein Grund seien "Sprach­bar­rieren und Kultur­un­ter­schiede zu Flücht­lingen”. Pflege­di­enst­lei­terin Silva Stärk wurde in dem Blatt mit den Worten zitiert: "Ein Problem ist, dass sich Männer anderer Kulturen nicht gerne etwas von Frauen sagen lassen”.

Angst vor dem Shitstorm
Dass fünf Monate später niemand aus der Klinik mehr öffentlich über das Thema reden will, sei verständlich, sagt Frank Ohi, Vorstand der sächsi­schen Elbland­k­li­niken, denn jeder, der sich zu dem Thema äußere, müsse mit einem "Shits­torm” rechnen. Ohi tut es dennoch, denn an den Elbland­k­li­niken in Meißen, Riesa und Radebeul wird es bald einen eigenen Sicher­heits­dienst geben. Bislang habe man nur einen privaten Wachdienst am Standort Meißen einge­setzt, künftig soll ein in das hauseigene Tochter­un­ter­nehmen "Elbland Service und Logistik” integrierter Sicher­heits­dienst für die Überwa­chung der drei Standorte zuständig sein. So wie das an größeren Kliniken längst üblich ist. Laut Stellen­aus­sch­reibung geht es den Sachsen um Zugangs- und Perso­nen­kon­trollen, Außenüber­wa­chung, Kontroll­gänge und Baustel­len­si­cherung.

Aggressionen in der Notaufnahme
"Wir haben viele weibliche Mitar­beiter, die über ein hohes Aggres­si­ons­po­tenzial der Patienten klagen, vor allem in der Notauf­nahme”, sagt Ohi. Das Thema Sicherheit sei zwar immer schon relevant für Kranken­häuser gewesen, aber aktuell gewinne es an Gewicht. Patienten, Angehörige und Begleit­per­sonen würden heute viel schneller gewalt­tätig. Von Belei­di­gungen und Bedro­hungen, sexuellen Angriffen, Anspucken und Kratzen bis zum Werfen von Gläsern, Infusi­ons­fla­schen und Möbeln sei "alles dabei”.

Massen­keile vor dem Kliniktor
In Bremen gab es kürzlich eine Massen­schlä­gerei vor der Notauf­nahme des Klinikums Links der Weser, ausgelöst durch zwei kurdisch-libane­sische Famili­en­clans. Passiert ist dabei weder Ärzten noch Pflege­per­sonal oder Patienten etwas. Das Klinikum gehört zum Unter­nehmen Gesundheit Nord, das bereits seit Jahren einen Sicher­heits­dienst instal­liert hat. Pflege­per­sonal habe sofort die Eingänge verriegelt, um zu verhindern, dass sich die Massen­kei­lerei vom Parkplatz in die Klinik verlagere.

Nach den Worten des Klinik­sp­re­chers Rolf Schlüter seien solche Vorfälle "nichts Beson­deres”. Aus einer Uniklinik, die nicht genannt werden will, ist derweil Beunru­hi­gendes zu hören. Kliniken, so der Chef des dortigen Sicher­heits­di­enstes, ständen wie Flughäfen, Bahnhöfe und Einkaufs­zentren im Faden­kreuz von Terro­risten. Die meisten Kranken­häuser würden die Gefahr aber noch nicht richtig einschätzen.

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