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LVR-Klinik KölnInnenarchitektin Sylvia Leydecker über Healing Environment

Die neue psychiatrische Privatstation der LVR-Klinik in Köln wurde so konzipiert und gestaltet, dass sich die Patienten dort wohl und geborgen fühlen. Die verantwortliche Innenarchitektin erläutert die Details der neuen Räumlichkeiten.

LVR-Klinik Köln Lounge
Karin Hessmann/100% Interior

Die hochwertige Küche mit offenen Lounges passen sich dem wechselnden Bedarf an.

LVR-Klinik Köln Patientenzimmer
Karin Hessmann/100% Interior

Das Zweitbettszimmer ist so gestaltet, dass es Patientinnen und Patienten die größtmögliche Privatsphäre bietet.

Anfang dieses Jahres ging die neue psychiatrische Privatstation der LVR-Klinik, ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität zu Köln, erfolgreich in Betrieb. Seitdem erwartet die Patientinnen und Patienten in den Wahlleistungsräumen eine besonders gestaltete Atmosphäre. Die Zimmer haben eine therapieunterstützende Aufenthaltsqualität, weil sich die Patientinnen und Patienten dort deutlich wohler fühlen. Dies wirkt sich insgesamt positiv auf ihre emotionale Befindlichkeit aus. Nicht zuletzt unterstützen die Wahlleistungsräume aus Patientensicht auch den Willen, sich überhaupt dem Aufenthalt in einer Klinik zu unterziehen, bevor es gar nicht mehr anders geht. Insofern sind die neuen Patientenzimmer vielleicht sogar lebensrettend.

Die strikten Leitlinien der Psychiatrie, wie Suizidprävention, sind dabei unauffällig – anstatt abschreckend – berücksichtigt und integriert. Beides, Aufenthaltsqualität und Funktionalität, kommt sowohl höchstem Anspruch an die Medizin, aber auch der unverzichtbaren Erlösoptimierung entgegen. So profitieren Heilung und Hilfe Suchende von der Patient Experience, Mitarbeiter schätzen einen attraktiven Arbeitsplatz, Angehörige sind viel eher beruhigt und last but not least profitiert der LVR (Landschaftsverband Rheinland) als Betreiber.

Der hohe Anspruch an die Medizin schließt Wirtschaftlichkeit nicht aus.

Die Gestaltung baut auf einem Bestand auf, der von luftigen Räumen und viel Tageslicht geprägt ist. Deshalb ist die gelebte Zufriedenheit und Nachhaltigkeit, die sich am Healing Environment orientiert, omnipräsent. Bedarfsorientiert und flexibel passen sich jetzt Offenheit, Präsenz und Rückzug als emotionale Fixpunkte an, entwickeln sich stimmig weiter und fangen emotionale Bedürfnisse zwanglos auf. Vom Foyer über Lounges hin zum Patientenzimmer sind sämtliche Funktionsbereiche Teil des im Team durchdachten Gesamtkonzepts, in dem es sich gut arbeiten und genesen lässt.

Deutlich mehr als nur Optik oder Image, fördert die positive Wechselwirkung zwischen Mensch und Raum die Gesundheit aller. Im Bereich der Funktionalität wurden keine Kompromisse gemacht, weshalb zum Beispiel die Suizidprävention und Hygiene, abseits der beklemmenden Klinikatmosphäre, unauffällig präsent sind. Die Stimmung wirkt stressfrei, ausgewogen, angenehm beruhigend und gleichermaßen inspirierend. Helle Materialien, natürliche Farben, harmonisch und akzentuiert, sanfte Texturen, Formensprache und Proportion, Eleganz und klare Modernität prägen die Gestaltung.

Offenheit und Rückzug

Der sich ständig wechselnde Gemütszustand der Patienten verändert täglich deren Bedürfnisse. Innerhalb ungezwungener Orte im Raumgefüge herrschen Inspiration statt Monotonie, Ruhe statt optischem Overload, sie haben die Wahl zwischen Extrovertiertheit oder Rückzug. Variable Typologien, wie Ein- und Zwei-Bett-Zimmer oder Flex- und rollstuhlgerechte Zimmer, bieten ein Maximum an Privatsphäre. Sogar bei einer Zweierbelegung bleibt das emotional wichtige eigene Territorium „geschützt“. Zwischenraum und charmantes Inbetween bilden als vorgelagerte separate Entrées die Möglichkeit, gefühlt am Leben „draußen“ teilzuhaben, ohne dafür den individuellen persönlichen Schutz und die Geborgenheit zu opfern. Der Übergang von innen nach draußen wird fließend erleichtert, ohne Zwänge zu schaffen. Zudem werden dort auch Arztbesuche bei den Patienten selbst ermöglicht – ein therapeutischer Ansatz, den der LVR bereits früher verfolgte.

Rollstuhlgerechte komfortable Patientenzimmer stehen körperlich behinderten Menschen zur Verfügung. Beschilderung in Brailleschrift unterstützt blinde Patienten bei der Orientierung, Lichtsignale weisen Gehörlosen den Weg. Ein Pflegebad ergänzt die komfortablen Patientenbäder, indem es durch die subtile Kombination seiner Materialien, sowie eine frei konfigurierbare moderne Licht- und Klangsteuerung unterschiedliche Szenarien zulässt. Das Bad strahlt einen multisensuell beruhigenden, wohltuenden Wellnesscharakter aus.

Lounges für alle

Für den Aufenthalt gibt es neben den Patientenzimmern bequeme Lounges mit Kaffeebar, ein Foyer und zwei Wohnzimmer. Sanftes Resedagrün aus der Natur und warmes Sonnenblumengelb bilden den positiv stimmenden Farbakzent neben zurückhaltend gedeckten Farbnuancen. Nachhaltiger Kautschukboden, farblich unaufdringlich differenziert, bildet das stabile Passepartout. Ausgewählte Wandbeläge, fein texturiert, sorgen neben akustisch wirksamen Oberflächen für das Wohlgefühl. Die Bilder sanft wogender Gräser wirken stressreduzierend und runden die umgebende Landschaftsarchitektur harmonisch ab.

Offene und geschützte Lounges zum Speisen passen sich dem wechselndem Bedarf an und bereichern den Aufenthalt mit einer hochwertigen, auch zur Therapie geeigneten Küche. Das gesamte Gestaltungskonzept folgt einer klaren Linie, aber lässt bewusst Freiheit in der Nutzung zu, ohne die Gestaltung per se aufzugeben. Sie erlaubt damit freiheitliche Eigeninitiative, statt ausschließlich starren Prinzipien zu folgen und begleitet damit durch den Tag.

Suizidprävention und Hygiene sind abseits der beklemmenden Klinikatmosphäre unauffällig präsent.

Attraktive Personalbereiche integrieren sich mit ihrer frischen Farbgebung in das Corporate Design des LVR und tragen so zur gemeinsamen Identität und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei. Funktionsbereiche lassen positive Einblicke zu, welche die Haltung des LVR auch hinter den Kulissen formulieren. Die Räume wirken auf erschöpfte Patienten nicht streng, sondern wie eine wohltuende Umarmung. Sie fangen sie emotional auf und unterstützen ihre Heilung und ihr emotionales Wohlbefinden.

Die Symbiose aus vielerlei Facetten bis hin zu den strengen medizinischen Vorgaben prägen den Reichtum an Atmosphäre, die der medizinischen Einrichtung mehr als gerecht wird. Der hohe Anspruch an die Medizin schließt Wirtschaftlichkeit nicht aus, sondern fördert sie nun durch ihr innenarchitektonisches Soulmate, das mit einer deutlichen Attraktivitätssteigerung einhergeht.

Als angenehmer Ort zur Heilung der Seele atmet das neu entstandene Healing Environment der LVR-Räume das Gefühl von Schutz, Geborgenheit, Vertrauen und Zuversicht aus. Es schafft vor allen Dingen die nötige Sicherheit und stabile Basis für beste Medizin, durch ihre in jeglicher Hinsicht ausbalancierte Innenarchitektur.

Einen Einblick in das Patientenzimmer der Zukunft gewährt das virtuelle VR-Soulspace-Konzept. Es kombiniert neue Materialien, Konstruktion und Digitalisierung. Als visionäres Konzept und Inspiration für die Zukunft gedacht, gibt es als Zukunftskonzept mit integriertem Sound und Film wertvolle Impulse. Es baut auf der Erfahrung auf, die die Innenarchitektin bereits 2009 bis 2011 mit ihrem Entwurf der Sonderfläche Futurecare auf der Computermesse CeBit machen durfte.

Infos unter www.100interior.de/project/smart-soulspace-patientenzimmer

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