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Wege aus der FinanzierungsmisereSo will Brunsbüttel ohne Sicherstellungszuschlag aus dem Defizit

Die neuen Kriterien des G-BA für den Sicherstellungszuschlag haben für Ernüchterung bei vielen ländlichen Kliniken mit Defizit gesorgt. Denn höchstens 70 Häuser werden in den Genuss der Finanzspritze kommen. Wie man auch ohne Zuschlagsberechtigung an Kassengeld kommt, zeigt das Krankenhaus in Brunsbüttel.


Das Krankenhaus Brunsbüttel war das erste Haus auf dem Festland, das einen Sicherstellungszuschlag erhalten hat. 2011 flossen rund 1.280.000 Euro. Doch die Krankenkassen haben gegen die Bewilligung des Zuschlags durch die Landesregierung Schleswig-Holsteins geklagt und gewonnen – die Klinik musste den Zuschlag zurückzahlen. Doch das Krankenhaus steckte in einer misslichen Lage. Es soll die Versorgung der 31.000 Einwohner von Brunsbüttel sowie von rund 13.000 Industriearbeitern sicherstellen, war aber aufgrund seiner Randlage nicht in der Lage, das Defizit auszugleichen. Daraufhin haben das Klinikum, die Kassenvertreter und die Kassenärztliche Vereinigung 2012 einen Deal ausgehandelt: Das Klinikum bekommt eine Strukturumbauhilfe in Höhe des Sicherstellungszuschlags von den Krankenkassen, zwischen 2012 und 2018 insgesamt 9,7 Millionen Euro. Ab 2018 ist der Standort Brunsbüttel dann ein sogenanntes integriertes Versorgungszentrum, in dem ambulanter und stationärer Sektor „zusammengewachsen“ sind. Für einen Teilneubau hat das Land Schleswig-Holstein zudem 9,4 Millionen Euro zugeschossen.

So soll der Turnaround klappen

2015 betrug das Defizit des Krankenhauses Brunsbüttel noch 1,2 Millionen Euro bei einem Umsatz von 19 Millionen Euro. Das Westküstenklinikum, zu dem das Krankenhaus Brunsbüttel gehört, erzielte derweil einen Überschuss von 2,1 Millionen Euro. Ab 2018 soll das 124-Bettenhaus am Nord-Ostsee-Kanal den Turnaround schaffen. Und so soll es im Einzelnen funktionieren:


Verzahnte ambulante Strukturen

Neben Chirurgie, Innere Medizin, Geriatrie mit angeschlossener Tagesklinik, Gynäkologie, Intensivmedizin und einer Tagesklinik für Psychiatrie, befinden sich integrierte Arztpraxen für Pädiatrie, Urologie, Orthopädie und Neurologie und Psychotherapie sowie ergotherapeutische, logopädische und physiotherapeutische Praxen im Gebäude. In dem Zentrum sind noch bis zu fünf weitere Kassensitze vorgesehen, die entweder durch niedergelassene Ärzte oder das Klinikum besetzt werden. Das Krankenhaus Brunsbüttel besitzt derzeit 7,5 KV-Sitze.


Vorhaltekosten reduzieren

Die hohen Vorhaltekosten für die 24 Stunden-Bereitstellung einer Intensivstation – bei vergleichsweise geringer Inanspruchnahme – werden durch die Inbetriebnahme einer Zentralen Aufnahmestation (ZAS) / Intermediate Care Station (IMC) reduziert. Die Möglichkeit adäquat auf Notfälle zu reagieren, bleibt dabei 24 Stunden pro Tag gewahrt. Neben der nicht invasiven Beatmung auf der IMC, bleibt die invasive Beatmungsmöglichkeit bestehen.  


Mehr Rufbereitschaft

Für eine schnelle Zuordnung der Patienten in die miteinander verzahnten Versorgungsbereiche errichtet das Krankenhaus eine große Zentrale Aufnahmestation mit einer integrierten IMC. In der Übergangsphase sieht das Modell in Brunsbüttel hierfür eine neue Vergütungsform, die „Kurzliegerpauschale“, vor. Weitere Vorhaltekosten werden durch Teilneubauten und Umbauten der bestehenden Gebäudestruktur realisiert. So ergeben sich geringere stationäre Betten- und OP-Kapazitäten. Neben einer Geriatrie mit 25 Planbetten, einer Station für Innere Medizin und Palliativmedizin mit 42 Planbetten wird zukünftig eine weitere Station mit 42 Planbetten für die operativen Fächer Chirurgie, Orthopädie und Urologie vorgehalten.


Mehr ambulante Leistungen

Das bereits vorhandene Angebot an ambulanten Leistungen, hierzu zählt das ambulante Operieren, Leistungen nach Paragraph 116 b SGB V und die integrierte Versorgungsform für Dialyse-Patienten ebenso wie bereits kooperativ implementierte eigenständige Praxen, wird weiter ausgebaut. Hierfür kommen insbesondere MVZ-Praxen, weitere eigenständige Praxen und die Installation einer Portalpraxis zum Tragen.


Enge Zusammenarbeit in der Notfallmedizin

Die Notfallmedizin bekommt eine besondere Bedeutung. Die enge Verzahnung mit den Rettungsdiensten bleibt unvermindert bestehen. Die Organisation der personellen Bestückung von Notarztfahrzeugen übernehmen in Zukunft die Rettungsdienste selber. Dabei soll ein enges Zusammenspiel entstehen. So wirken ZAS, IMC, Chirurgische Ambulanz, Portalpraxis, MVZ-Praxen und Anästhesiepraxis räumlich, organisatorisch, personell und apparativ eng zusammen. So sei gewährleistet, dass rund um die Uhr eine interdisziplinäre Notaufnahmebereitschaft vorhanden ist. Neben einem Schockraum verfügt der Klinikstandort weiterhin über Ultraschalldiagnostik und endoskopische Sofortdiagnostik. Intensivmedizinisch geschultes Pflegepersonal wird weiterhin am Standort zur Verfügung stehen. Jeweils ein fachärztlicher Rufbereitschaftsdienst für die Innere Medizin und die Chirurgie, sowie ein Vordergrunddienst in der Inneren Medizin stützen das Notfallkonzept.

In der kma Januar-Ausgabe berichten wir über die Kriterien des G-BA für Sicherstellungszuschläge und ihre Folgen.

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