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Behandlung arabisch sprechender PatientenSyrischer Arzt entwickelt Handbuch

Eyad Rajab, Arzt an der Alexianer Klinik Bosse Wittenberg, hat ein zweisprachiges Handbuch für die Krankenhausbehandlung arabisch sprechender Patienten entwickelt.

Der Syrer ist Assistenzarzt der Klinik für Neurologie. Mit dem deutsch-arabischen Manual sollen sich Klinikmitarbeiter und neurologische Patienten ohne Übersetzer verständigen können. "Inhaltlich begleitet das Handbuch den gesamten Aufenthaltsprozess eines Patienten in der Klinik für Neurologie. Es erfasst die zehn häufigsten neurologischen Notfälle bei jüngeren Patienten und klärt über dringende Untersuchungen auf", heißt es in einer Unternehmensmitteilung.

Literatur für Aufnahme, Ärzte und Pflege
"Das Handbuch enthält die wichtigsten neurologischen Differentialdiagnosen, die einer sofortigen Therapie bedürfen. Dazu gehören akuter Schmerz, insbesondere Kopfschmerz, Schlaganfall, akute Bewusstseinsstörung und Schwindel", erläutert Philipp Feige, Chefarzt der Klinik für Neurologie der Klinik Bosse Wittenberg. "Damit wir erkrankten Flüchtlingen aus Syrien und anderen arabischen Ländern rasch helfen können, versorgen wir alle relevanten Klinikbereiche mit dem Handbuch, von der Aufnahme über die Pflege bis hin zu den Ärzten."

Das Manual ist in Hocharabisch verfasst. Es ist verständlich für Menschen aus arabischsprachigen Ländern sowie aus Teilen Afghanistans und Irans. Bisher nutzen nur die Mitarbeiter der Klinik für Neurologie das Handbuch. Eine inhaltliche Erweiterung für die Behandlung arabisch sprechender Patienten in der Klinik für Psychiatrie der Alexianer Klinik Bosse Wittenberg ist geplant. "Bei Interesse sind wir gerne bereit, das Handbuch anderen Krankenhäusern zur Verfügung zu stellen. Vorrangig eignet es sich für die neurologische Differentialdiagnostik", erklärt Feige.

Arzt Rajab floh 2014 aus Aleppo
Die Idee zum Handbuch hatte der Assistenzarzt Eyad Rajab, der selbst im Sommer 2014 aus dem syrischen Aleppo nach Deutschland gekommen war. Er suchte und fand eine Lösung für das Verständigungsproblem zwischen Klinikmitarbeitern und erkrankten Flüchtlinge. "In Notfällen, wie beim Schlaganfall, müssen die Untersuchungen noch am selben Tag erfolgen. Dann ist es schwierig, wenn kein arabisch sprechender Arzt im Dienst ist", erklärt Rajab die Dringlichkeit. "Schon die Information darüber, wann die Symptome begonnen haben, beeinflusst die Therapie erheblich."

Fünf arabisch sprechende Ärzte arbeiten derzeit an der Alexianer Klinik Bosse Wittenberg. Sie dolmetschen regelmäßig. Doch durch den Schichtbetrieb ist nicht zu jeder Zeit einer von ihnen in der Klinik anwesend. Zwischen sechs und zehn arabisch sprechende Flüchtlinge nimmt die Klinik monatlich als Patienten auf. Viele von ihnen sprechen weder deutsch noch englisch.

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