Die Gewerkschaft Verdi pocht trotz der Einigung von Betriebsrat und Geschäftsführung über die Sicherung von Arbeitsplätzen bei den Ameos-Salzlandkliniken auf eigene Verhandlungen. Die Vereinbarung von Betriebsrat und Klinik zur Beschäftigungssicherung sei rechtswidrig, weil die gesetzliche Sozialauswahlregelung im Kündigungsschutz ausgehebelt werde, erklärte Verdi. "Die Angst ist riesengroß bei vielen Beschäftigten", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Jens Berek nach der ersten Sitzung der für Ameos gebildeten Tarifkommission. Viele Mitarbeiter hätten sich an Verdi gewandt. Manche wollten angesichts der Unsicherheit die von der Geschäftsführung angebotenen neuen Verträge unterschreiben, andere sich dagegen widersetzen. "Ich hatte viele verzweifelte Anrufer", sagte Berek.
Betriebsrat: Verdi hat nicht schnell genug gehandelt
Verdi kündigte zugleich an, in der kommenden Woche vor dem Arbeitsgericht gegen die Geschäftsführung vorzugehen. Es sei rechtlich nicht zulässig, dass das Unternehmen nur einem Teil der Mitarbeiter eine Beschäftigungsgarantie aussprechen wolle. "Dieser Kündigungsschutz ist nichts wert", sagte Berek. Von der Geschäftsführung und dem Betriebsrat war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Betriebsrat und Klinikleitung hatten sich auf eine Rückkehr zur 35-Stunden-Woche geeinigt, um Entlassungen unter den 1.600 Mitarbeitern der Kliniken zu vermeiden. Dadurch würden Lohn und Arbeitszeiten um jeweils 12,5 Prozent sinken. Im Gegenzug wollte die Geschäftsführung auf betriebsbedingte Kündigungen bei denjenigen Mitarbeitern verzichten, die einer entsprechenden Änderung ihres Arbeitsvertrages zustimmen. Wieviele Beschäftigte das Angebot angenommen haben, soll kommende Woche bekanntgegeben werden. Die Klinik hatte das Vorgehen als Möglichkeit verteidigt, sonst notwendige 360 Entlassungen unter den Beschäftigten zu vermeiden. Auch der Betriebsrat stützte den Kompromiss und warf Verdi vor, angesichts der Verluste der Klinik nicht schnell genug reagiert zu haben. Die Salzlandkliniken waren vom Landkreis an den Schweizer Ameos-Konzern verkauft worden. Die Kliniken waren unter anderem wegen sinkender Patientenzahlen in Finanznot geraten. Bereits der Plan zur Sanierung sah die Wiedereinführung der 35-Stunden-Woche vor, die bereits bis 2010 galt.


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