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Vorwurf der UntreueVivantes stellt Strafanzeige gegen Ex-Chef Bovelet

Vivantes wirft Ex-Chef Joachim Bovelet Untreue im Zusammenhang mit dem Bau eines Seniorenpflegeheims vor, das die Vivantes-Tochter "Forum für Senioren" vergangenes Jahr in Betrieb genommen hat. Es geht um 900.000 Euro, berichtet die "Berliner Morgenpost".

Der Berliner Klinikkonzern hat neben Bovelet auch gegen den früheren Geschäftsführer der Vivantes-Tochter, Dieter Wopen, Strafanzeige erstattet. Der Hinweis kam von Wirtschaftsprüfern, die sich in den vergangenen Monaten viele interne Vorgänge angesehen haben und Ungereimtheiten festgestellt haben.

Vivantes musste draufzahlen
Demzufolge hatte der Forum-Geschäftsführer Wopen mit dem Segen Bovelets das neue Senioren-Pflegeheim mit 180 Betten von einer Vermögensverwaltungsgesellschaft namens Senectus GmbH errichten lassen. Senectus verpachtet das Gebäude für 20 Jahre an die Vivantes-Tochter. Obwohl Senectus ein schlüsselfertiges Pflegeheim versprochen hatte, gab die Firma einen Teil der Aufgaben an Forum für Senioren als späteren Betreiber ab, berichtet die "Morgenpost". Die Möbel und andere Einrichtungsgegenstände sollte die Vivantes-Tochter selbst beschaffen. Dafür sollte sie eine als Betriebskostenzuschuss deklarierte Summe von 900.000 Euro erhalten. Am 2. Juli 2012 gab Wopen die Bestellung für die Einrichtung ab, nach Überzeugung der heutigen Vivantes-Führung mit dem Segen von Bovelet, der als Konzerngeschäftsführer die Aufsicht über die Tochterfirma hatte.

Vorwurf: Möbel waren zu teuer
Bei diesem Möbelkauf gab es nach Ansicht der Prüfer "Auffälligkeiten", die zur Strafanzeige führten. Die heutige Geschäftsführung von Vivantes ist der Ansicht, die auf diesem Wege beschafften Einrichtungsgegenstände seien deutlich teurer erworben worden, als wenn der Krankenhauskonzern sie selbst auf regulärem Wege beschafft hätte. So hätten etwa die Betten 1250 Euro pro Stück gekostet, es hätte aber auch Betten für rund 800 Euro gegeben. Die Rede ist von einem Schaden in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro. Die Bestellung von Möbeln für fast eine Million Euro hätte offiziell über die Konzernabteilung Facility Management und Bau erfolgen müssen. Im fraglichen Fall sei der Auftrag sogar nicht einmal ausgeschrieben worden, so die Zeitung.

Bovelet ging nicht im Frieden
Joachim Bovelet war Juni 2013 überraschend als Vivantes-Chef ausgeschieden. Sein Vertrag lief noch bis 2017. Zuvor hatte es Ärger gegeben, weil der Manager zwar auf eigenen Wunsch gehen wollte, aber dennoch eine Abfindung haben wollte. Mittlerweile hat er einen neuen Job: Gemeinsam mit dem Beratungs­unternehmen Management und Consulting Dr. Köbler steht er als Hauptgeschäfts­führer interimsmäßig an der Spitze der Regiomed-Kliniken. Wopen ist mittlerweile Vorstandschef der Marseille-Kliniken.

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