Die meisten jungen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland sind grundsätzlich mit den Möglichkeiten und Angeboten ihrer Facharzt-Weiterbildung zufrieden, beklagen aber, hohe Arbeitsbelastung und Bürokratie im Berufsalltag. So lassen sich die wesentlichen Ergebnisse der ersten Befragungsrunde des Projektes Evaluation der Weiterbildung zusammenfassen. Bei dem Projekt von Bundesärztekammer und Landesärztekammern haben fast 30.000 Ärzte im Rahmen einer Online-Umfrage Auskunft über die Situation der Weiterbildung in Deutschland gegeben. Mit der wissenschaftlichen Auswertung der erhobenen Daten war die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ) beauftragt worden, die seit rund 15 Jahren eine entsprechende Umfrage der Schweizer Ärztekammer begleitet. Die Bewertung der einzelnen Fragen wurde überwiegend nach dem Schulnotenkonzept von 1 (trifft voll zu) bis 6 (trifft überhaupt nicht zu) vorgenommen.
Die Globalbeurteilung der Weiterbildungssituation fällt mit 2,54 im Mittel gut aus. Mit Gut (2,13) bewerten die Assistenzärzte auch die Betriebskultur. Grundsätzlich zufrieden sind sie offensichtlich auch mit der Vermittlung von Fachkompetenz (2,52), mit der Entscheidungskultur (2,21), mit der Führungskultur (2,45) und mit der Lernkultur (2,39) an den Weiterbildungsstätten. Dabei weichen die Einschätzungen beim Vergleich der unterschiedlichen Fachrichtungsgruppen im stationären Bereich kaum voneinander ab. Ein Großteil aller Weiterbildungsassistenten (83,5 Prozent) gibt zudem an, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen regelmäßig zu besuchen.
Die Ergebnisse der ersten Befragungsrunde zeigen aber auch, dass der ökonomische Druck den Arbeitsalltag der jungen Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zunehmend bestimmt. Tatsächlich fielen häufig Mehrarbeiten und Überstunden an (91,5 Prozent), die in 13,9 Prozent gar nicht dokumentiert und in 16,3 Prozent weder durch Freizeit noch durch Bezahlung ausgeglichen würden.
Zudem ergab die Umfrage, dass bei Antritt der Weiterbildung lediglich der Hälfte aller Weiterzubildenden ein strukturierter Weiterbildungsplan vom Weiterbildungsbefugten zur Kenntnis gegeben wird. Auch geben fast 40 Prozent der Weiterzubildenden an, dass keine Weiterbildungsziele vereinbart wurden. Die Ärzte beklagen darüber hinaus zu geringe Betreuung während der Weiterbildung sowie wenige Möglichkeiten für wissenschaftliches Arbeiten.




Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen