Das komplette OP-Arsenal, dazu Betten, Fernseher, Kaffeemaschine, Schwesternrufanlagen, Wäsche, alles lässt sich theoretisch leasen. Genauso breit ist die Palette der verhandelbaren Verträge. Niedrige, hohe oder gestaffelte Raten, kurze, lange oder variable Laufzeit, Technik jederzeit austauschbar oder nicht, Übernahme der Technik am Vertragsende ja oder nein, das mit oder ohne Restwert: alles ist möglich.
Operate Leasing
Grundsätzlich unterscheiden die Fachleute zwischen dem Finance Leasing und dem Operate Leasing. Das reine Finanzierungsleasing ist das, was man gemeinhin unterm Leasen versteht, nämlich die langfristige Nutzung mit einer Grundmietzeit von 40 bis 90 Prozent der üblichen Gebrauchsdauer, zum Beispiel der des geleasten MRT. "Operatives Leasing wählen dagegen Kunden, die extrem kurze Laufzeiten wünschen und das Gerät nach der Nutzung auf jeden Fall zurückgeben und gegen neueste Technologie eintauschen wollen", sagt Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen. Viel wichtiger als die Finanzierung ist ihnen die Chance, sich ein Hintertürchen offenzuhalten und Innovationen jederzeit mitzunehmen. Für Kliniken kann Operate Leasing deswegen besonders interessant sein.
Das Restwertrisiko trägt die Leasingfirma. Ebenso das Vermarktungsrisiko. "Die vollständige Amortisation erzielt der Leasinggeber erst dadurch, dass er das Objekt mehrfach verleast und schließlich verkauft, um auf seine Kosten zu kommen", erklärt Fittler. Vorsicht also, wenn das gute Stück nach Vertragslaufzeit weiter im Behandlungszimmer stehen soll: Das geht nur mit Finance Leasing. Nur hier kann sich der Kunde eine Kaufoption einräumen lassen. Ein Kauf macht Sinn bei Betten und anderen Objekten, die in der Regel länger genutzt werden, als es die Abschreibungs- und damit die Leasinglaufzeiten vorsehen.
Sterilgüter
Kleingeräte will auf den ersten Blick niemand leasen. Die Kosten sind im Einzelnen zu gering und der Aufwand, für jede Instrumentengruppe Verträge auszuhandeln, zu groß. Interessant wird Leasing allerdings dann, wenn sich viele kleine Einzelteile zusammenfassen lassen. "Bei Sterilgütern erreicht man schnell eine Summe im Millionenbereich", sagt Jan Wolter von Spectaris. Und weil als Faustformel gilt: Leasen lohnt sich ab dem Kleinwagenwert von 25.000 Euro, ist hier einiges zu holen. Der Branchenexperte rechnet beispielhaft vor: "Eine Universitätsklinik durchschnittlicher Größe hält wiederverwendbare OP-Instrumente im Wert von um die vier Millionen Euro im Sterilgutkreislauf. Einberechnet ist der gesamte Instrumentenpark der offenen Chirurgie mit Kosten von 50 bis 150 Euro pro Stück." Chirurgische Instrumente sind zwar Investitionsgüter, die normalerweise über die Pauschalförderung beschafft werden. "Die Realität sieht allerdings so aus, dass der Bedarf bei Weitem die Fördermittel übersteigt", gibt Wolter zu bedenken.
Pay-Per-Use
Nun kommt nicht jede OP-Zange, jeder OP-Clip ständig zum Einsatz. An der Stelle lässt sich der Vorteil der flexiblen Finanzierung weiterdrehen: Bei der "Pay-Per-Use"-Lösung wird pro Nutzung bezahlt. Für das Haus fallen die Kosten erst dann an, wenn die Güter wirklich genutzt werden. "Der Kunde erhält damit 100 Prozent Funktionalität bei Null Prozent Investition", so Medizintechnik-Fachmann Wolter. Zusätzlich kümmert sich der Leasingpartner um die Wartung. "Bei Instrumenten-Sets wird nach, sagen wir, 30 Einsätzen ein Set über einen Logistikservice abgeholt. Innerhalb von 48 Stunden liegt es überarbeitet wieder im OP-Saal – oder wurde im Fall eines Defekts durch ein neuwertiges Paket ersetzt." Pay-per-Use nutzen Kliniken bislang fast nur bei Großgeräten. Abgerechnet wird zum Beispiel pro Röntgenbild oder CT-Scan-Sekunde. Der Vorteil bleibt derselbe: Die Finanzierung ist direkt an die Erlöse gekoppelt und fällt geringer aus, wenn mal nicht so viele Patienten zu behandeln sind.
Bauen/ PPP mit Leasing
Wer nicht nur im Kleinen oder Großen, sondern ganz groß leasen will, nutzt es zum Bauen. Bisher dominiert Sale-and-Lease-Back bei den alternativen Immobilienfinanzierungen: Ein Krankenhaus verkauft ein Grundstück oder Gebäude, um wieder flüssig zu werden, und mietet es zurück. Auch Public-Private-Partnership (PPP), eine Kooperation von kommunalem Träger und Privatinvestor, kommt in Mode. Beide Varianten haben aber so ihre Tücken, sei es steuerlich wie im ersten oder wegen versteckter Kostenexplosion im zweiten Fall.
Einen völlig neuen Weg gehen die Main-Taunus-Kliniken. Sie entwickelten eine Mischung aus Leasing und PPP. Damit stemmen sie einen 50 Millionen Euro schweren Neubau in Hofheim. Ihr PPP-Leasingmodell ist einzigartig unter Deutschlands Krankenhäusern – und ein ganz schön kompliziertes Konstrukt: 30 Millionen Euro bezuschusst das Land Hessen. Für die restlichen 20 Millionen nahmen die kommunalen Kliniken Darlehen auf. Fördermittel und Kreditkonditionen geben sie an ein Konsortium aus dem Krankenhausdienstleister Vamed und der Baufirma Alpine weiter. "So kriegen wir sowohl die Fördermittel des Landes als auch die günstigen Konditionen für Kommunalkredite", sagt Helmuth Hahn-Klimroth, der bis Mai der Geschäftsführer der Kliniken war.
Der Clou: Gezahlt wird nach Baufortschritt. "So halten wir von Anfang an den Daumen drauf", betont der Klinikchef. Über 30 Aktenordner füllten allein die Vorschreibungen für die europaweite Ausschreibung. Zu dieser strengen Entwurfsplanung kommen Dinge, die erst in der Bauphase auffallen. Spezielle Tür- und Fenstergriffe in der Psychiatrie, ein frischeres Farbkonzept, solche und andere Details mussten die Finanzpartner später noch aufgreifen.
Inzwischen steht der Rohbau. 18 Jahre lang wird der Bauherr Vamed-Alpine der Eigentümer des "schicken neuen Krankenhauses am Rande der Altstadt" bleiben, so Hahn-Klimroth. Die Klinikgesellschaft least das fertige Gebäude für eine Million Euro pro Jahr. Im Jahr 2034 läuft das Leasingmodell aus. Danach wechselt der aus Pavillons bestehende Neubau für einen Restwert von acht Millionen Euro in Klinikbesitz. Darin steckt der zweite Clou: Anders als beim normalen PPP wird die Immobilie nicht zum Verkehrswert übernommen, der manche böse Überraschung bringen kann, sondern zum vorab fixierten Buchwert.
Helmuth Hahn-Klimroth würde das jederzeit wieder so machen: "Alleine hätten wir weder das Geld aufbringen, noch das Gebäude in einem Rutsch bauen können. Der konventionelle Weg wäre auf jeden Fall teurer gekommen."


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