kma-Interview mit Markus Horneber
Agaplesion kauft normalerweise keine Unternehmen, sondern beteiligt sie. Wie lief der Deal mit Pro Diako ab?
Für unsere Verhältnisse relativ klassisch. Wir haben 60 Prozent der Gesellschaftsanteile an den Betriebsgesellschaften der Pro Diako übernommen, 40 Prozent der Gesellschaftsanteile verbleiben bei den alten Gesellschaftern. Sie erhalten im Gegenzug Aktien der Agaplesion AG.
Pro Diako hat 5.500 Mitarbeiter, einen Jahresumsatz von über 270 Millionen Euro, aber auch mehrere defizitäre Einrichtungen. Aus welchen Gründen hat sich Agaplesion für die Übernahme entschieden?
Ein stabiler Zusammenschluss wie der von Agaplesion und Pro Diako stärkt die Trägerpluralität im Markt. Das ist unser Ziel: Neben den privaten Konzernen muss es auch starke kirchliche Träger geben. Für mittelgroße Krankenhäuser mit bis zu 500 Betten sind solche Zusammenschlüsse überlebenswichtig. Aber auch strategisch ist Pro Diako für uns von Bedeutung: Bisher war Agaplesion in Niedersachsen nicht vertreten, das hat sich durch den Zusammenschluss geändert.
Welche Schritte werden Sie als Nächstes einleiten?
Es gibt bei uns verbindliche Richtlinien, wie die Buchhaltung läuft oder der Jahresabschluss umgesetzt werden muss — diese Standards werden wir schnellstmöglich bei den neuen Einrichtungen umsetzen, um die Integration zu gewährleisten. Daneben werden wir aber auch die Strategie der einzelnen Häuser überprüfen. Aber auch wir wollen vom Know-how unseres neuen Partners profitieren.
Was passiert mit dem Neubau des Schaumburger Klinikums — zwei kommunale und ein Pro-Diako-Haus sollen zu einem Schwerpunktversorger werden? Wird es dieses Gesamtklinikum Schaumburger Land geben?
Ja, wir werden mit Hochdruck den Plan umsetzen. Der Bau mit dann 437 Betten kostet 130 Millionen Euro. Agaplesion wird 35 Millionen Euro mit Eigenmitteln investieren. 2015 soll der Neubau fertig sein.
Agaplesion ist bekannt für eine geringe Personalquote. Schließen Sie betriebsbedingte Entlassungen im Zuge des Zusammenschlusses aus?
Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
Nach Umsatz steigt Agaplesion mit der Fusion zu den Top 5 auf, hinter den vier privaten Klinikkonzernen. Sind weitere Fusionen geplant?
Wir sind nicht vom Aufsichtsrat zum Wachstum angetrieben und betreiben das Geschäft deshalb weniger aggressiv als unsere privaten Konkurrenten. Aber natürlich gibt es Anfragen, es laufen Gespräche. Wir beteiligen uns auch an Bieterverfahren. Allerdings sind wir dieses Jahr auch bereits dreimal wieder ausgestiegen, weil es — aus verschiedenen Gründen — nicht gepasst hat.
Ist für Agaplesion die Übernahme nicht evangelischer oder kommunaler Kliniken denkbar?
Grundsätzlich ja. Je weiter wir jedoch vom christlichen Kern wegkommen, umso wichtiger ist der kulturelle Aspekt. In kommunalen Kliniken ist das Handeln durch den politischen Einfluss geprägt. Außerdem wollen Kommunen meistens einen Kaufpreis. Wir schließen das nicht aus, es passt aber eher nicht zu unserem Beteiligungsmodell.
Über das Unternehmen
Agaplesion hat 2011 einen Umsatz von 519,6 Millionen Euro erzielt und verfügt über Minderheitsbeteiligungen an mehreren Krankenhäusern mit einem Umsatzvolumen von 218,2 Millionen Euro. Die kürzlich übernommene Pro Diako erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 271,7 Millionen Euro. Zusammen ergeben diese Summen eine Milliarde Euro. Zum neuen Konzern gehören 100 Einrichtungen, darunter 31 Krankenhäuser. Agaplesion ist so mit Abstand der größte christliche Krankenhauskonzern Deutschlands.


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