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KrankenhauswäschereiAuslaufmodell oder Wettbewerbsvorteil?

In Zeiten knapper Kassen konzentrieren sich Krankenhäuser auf ihr Kerngeschäft. Die eigene Wäscherei fällt vielen als erstes ins Auge, wenn es um die Frage des Outsourcings geht. Kliniken sollten allerdings genau kalkulieren und nicht nur auf die Personalkosten schauen, bevor sie auslagern.

Ohne saubere Wäsche läuft im Krankenhaus nichts. In der Zentralwäscherei der Uniklinik Freiburg in der Hartmannstraße 1 geht es deshalb zu wie in einer Fabrik. Das mehrstöckige Gebäude wird beherrscht vom monotonen Summen riesiger Waschmaschinen in Kleinwagengröße, deren Waschtrommeln die 35 Mitarbeiter jeden Tag mit ganzen 15 Tonnen Schmutzwäsche füttern. Die gewaschenen und tropfnassen Stoffe kommen in gigantische Trockneranlagen, landen auf einem Förderband und werden dann in Metalltonnen sortiert. Schließlich mangeln und bügeln die fleißigen Wäscherinnen sie, weshalb das Gebäude den beruhigenden Geruch frisch gebügelter Wäsche verströmt.

In Zeiten knapper Kassen sind solche Klinikwäschereien selten geworden. Laut einer Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) fällt die eigene Wäscherei den deutschen Krankenhäusern als erstes ins Auge, wenn es um die Frage des Outsourcings geht – rund 80 Prozent aller Krankenhäuser haben ihre Wäscherei bereits ausgelagert und lassen ihre Textilien von externen Wäschereien oder Textilserviceunternehmen reinigen.

Hauptargument Preis
„Für öffentliche Häuser lohnt es sich nicht, eine eigene Wäscherei zu unterhalten“, sagt Manfred Hennig, der Geschäftsführer von Klinik Service Eppendorf (KSE), der Dienstleistungsgesellschaft der Hamburger Uniklinik UKE. „Wenn sie die selbst betreiben, sind sie ganz schnell bei dem Tarifvertrag des Krankenhauses – das sind 20 Prozent mehr Personalkosten, die sie für die Arbeiter in der Wäscherei zahlen müssen.“ Das UKE hat die eigene Wäscherei in den 80er Jahren aufgegeben und lässt täglich rund elf Tonnen Wäsche von einem externen Partner reinigen. Die Vorteile liegen für Henning vor allem im Preis. Man habe mit externen Dienstleistern keine Scherereien bei abhanden gekommenen Wäschestücken und könne über den Lieferschein jederzeit alles genau kontrollieren. „Sie haben eine viel schlankere Steuerung. Das beginnt bei Urlaubs- und Ausfallzeiten und hört auf bei der Führung und der Organisation. Ich weiß, was ein Stück Wäsche kostet, habe eine Verbrauchssteuerung und kann alles kontrollieren“, argumentiert Hennig.

80 Prozent ausgelagert
So denken heute viele Krankenhäuser. Die Mehrzahl überlässt deshalb ihre Schmutzwäsche Textilserviceunternehmen, die neben dem Waschen und Bügeln auch die Reparatur der Textilien und den Transport übernehmen und sogar mit Herstellern zusammenarbeiten. Es möge zwar Kliniken mit eigener Wäscherei geben, so Hennig, allerdings wüssten diese Häuser oft nicht, wie viel sie für die Reinigung eines Wäschestücks tatsächlich zahlen. Zu den Wäschekosten kämen schließlich auch die Abschreibungskosten des Maschinenparks, die Personalkosten und die Gebäudekosten hinzu.

Mehrzahl der Unikliniken wäscht selbst
Dem widerspricht Henning Meyer, der als Geschäftsleiter für Dienstleistungen der Uniklinik Freiburg auch für die Zentralwäscherei zuständig ist. „Wenn Sie ein bestehendes Gebäude, relativ neue Maschinen und das Personal dafür haben, macht es rein unternehmerisch Sinn, die eigene Wäscherei weiter zu betreiben.“ Er muss es wissen, schließlich ist seine Wäscherei Anfang des Jahres abgebrannt, die Uniklinik stand vor der Entscheidung, sie entweder zu sanieren oder auf private Dienstleister zu setzen. „Nur 30 Prozent der deutschen Unikliniken haben ihre Wäscherei ausgelagert, der Rest betreibt sie noch selbst“, verrät Meyer. Auch externe Wäschereien müssten einen Maschinenpark betreiben und ihre Gebäudekosten stemmen. Da in einem Krankenhaus immer Wäsche abhanden komme, würden sie diesen Schwundfaktor in ihren Preis mit einrechnen. Außerdem gibt Meyer zu bedenken, dass auch die Transportkosten in dem Preis enthalten sind. Die einzige Möglichkeit, an der Preisschraube zu drehen, seien ihre Personalkosten, weshalb sie auch viel niedriger wären als die seiner Mitarbeiter. Ihr Mindestlohn liegt derzeit bei 8,50 Euro brutto die Stunde, in den neuen Bundesländern sogar nur 8,00 Euro. „Wenn eine externe Wäscherei uns etwas berechnet, muss sie das auch mit Mehrwertsteuer belasten. Wenn ich dagegen intern wasche, spare ich sie. Daher müsste der Externe schon mal 20 Prozent besser sein im Preis“, rechnet Meyer vor. Für den Gewinn, den die Unternehmen machen wollen, berechnet er ebenfalls zehn Prozent Preisaufschlag. „Insgesamt müsste der Preis also 30 Prozent billiger sein, um mit unserer Wäscherei mithalten zu können. Da bezahle ich lieber meinem Personal zehn Prozent mehr Geld und habe unterm Strich immer noch zehn bis 20 Prozent gespart.“ Kliniken sind daher gut beraten, genauer hinzuschauen, bevor sie ihre Wäsche in fremde Hände geben. Die niedrigen Personalkosten vieler Firmen sollten Krankenhäuser laut Meyer schon allein aufgrund ihrer Vorbildfunktion nicht in Anspruch nehmen. Allerdings gibt auch er zu, dass die Länder heute Krankenhauswäschereien nicht mehr finanziell unterstützen, weshalb vor allem kleine Kliniken ihr Geld lieber in die Patientenversorgung investieren.

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