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GesundheitswirtschaftDer Mensch ist ein Wirtschaftswesen

Die Chancen der Gesundheitswirtschaft sind inzwischen beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) angekommen.

Bei der letzten Tagung in Berlin wurde eine spezielle Initiativgruppe gebildet, obwohl die Beteiligten zwischen den Begriffen "Gesundheitswesen” und "Gesundheitswirtschaft” unschlüssig blieben. Gesundheit galt bei den Industriemanagern bisher mehr als Kostenfaktor. Der Begriff "Gesundheitswirtschaft”, seit etwa zehn Jahren auf dem Markt, war lange verpönt. In vielen Ohren klang er zu merkantilistisch. Als Horst Seehofer noch Bundesgesundheitsminister war, wirkte das Wort auf ihn sozial unverträglich. Heute, als Landesfürst, erkennt er dahinter eine riesige Marktchance für sein Bayernland. Auch die Matadore des Hauptstadtkongresses lagen bezüglich des Begriffs lange miteinander im Clinch, bis alle erkannten, welche Zugkraft die "Gesundheitswirtschaft” für das Gesundheitswesen in sich birgt. Es bleibt abzuwarten, ab wann nicht mehr der Gesundheitsminister, sondern der Wirtschaftsminister den Berliner Kongress eröffnet. Die Furcht, dass Gesundheit zum Geschäft wird, war stets heuchlerisch. Der Mensch ist von Natur aus ein Wirtschaftswesen. Selbst bei der Mehrzahl der Ärzte war Geld verdienen vielfach ebenso wichtig wie Fürsorgepflicht. Es stellt sich jedoch die Frage, warum es speziell im Gesundheitswesen so viele Interessensvertretungen wie in keinem anderen gesellschaftlichen Bereich gibt. Bei oberflächlicher Betrachtung bleiben Begriffsdefinitionen unbedeutend, bei näherer Betrachtung enthalten sie Wertsysteme. Der Begriff "Gesundheitswesen” tendiert in Richtung Fürsorge, Entmündigung. Der Begriff "Gesundheitswirtschaft” in Richtung ökonomischer Nutzen im Sinne von mündiger Partnerschaft. Die Verpönung des Begriffs "Wirtschaft” hängt jedoch stark mit der zunehmenden ethischen Verrohung der gegenwärtigen Führungselite zusammen.

Das Magazin "kma” hat sich im zähen internen Disput die Unterzeile "Das Gesundheitswirtschaftsmagazin” gegeben. Die Erkenntnis, dass Gesundheit nur im Teamwork erhalten werden kann, setzte sich durch. Was ist der Mediziner ohne seine Pflegekraft, ohne Medizintechnik und pharmazeutische Innovationen, was ist die entsprechende Wirtschaft ohne Absatzanreize? Gesundheitswirtschaft ist im Endeffekt ein Teamspiel zum Wohle des mündig gewordenen Patienten.

Die Scham vor der Ökonomie ist letztlich unredlich und heuchlerisch: Das Gesundheitswesen ist seit je her ein Wirtschaftsraum, durch den jährlich viele Milliarden Euro fließen. Was fehlt, sind vor allem Transparenz und Qualitätskontrolle. Viele Akteure haben sich in dieser Welt gut eingerichtet und kein Interesse an der "Ökonomie”. Der disharmonische und oft unbelehrbare Chor der Lobbyisten im Gesundheitswesen ist dafür ein sichtbares Zeugnis.

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