Als Folge des Organspende-Skandals hatte die Bundesärztekammer (BÄK) Anfang November eine Kontaktstelle eingerichtet, die fragwürdige Verträge prüfen soll. Die BÄK erklärte, sie wolle dadurch berufsrechtlich kritische Vorgaben in Arbeitsverträgen von Ärzten identifizieren. Anfang dieser Woche reagierte Alfred Dänzer, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, und kritisierte die Ärztekammer in einem offenen Brief an BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery. Nun meldet sich Michael Weber zu Wort. Der Vizepräsident des Verbands der Leitenden Krankenhausärzte in Deutschland (VLK) und Chefarzt der Amperkliniken zeigt für die harsche Reaktion der DKG wenig Verständnis:
"An sich schien alles auf einen Kompromiss zuzulaufen. Nicht über Zielvereinbarungen grundsätzlich wurde gestritten, sondern nur noch über die Art der qualitativen Ziele. Die DKG sah sich veranlasst, einen Warnhinweis an ihre Mitglieder herauszugeben, der zur Vorsicht bei Zielvereinbarungen zu Leistungsfrequenzen aufruft. Das war ja ganz im Sinne von BÄK und VLK, die einen Verzicht auf die Verknüpfung von Boni mit Mengenvorgaben fordern, die weder mit Systemeffizienz noch mit einer Verbesserung in der Patientenversorgung in Einklang zu bringen sind, aber mit Gefahren verbunden sind, wie die Vorfälle von Göttingen zeigen.
Jetzt stößt sich die DKG an der von BÄK und VLK eingerichteten Kontakstelle, die kritische Passagen in Verträgen mit Zielvereinbarungen identifizieren will. Wenn aber alle die aktuellen Vorgaben der DKG beherzigen, kann es die demnächst gar nicht mehr geben. Erste große private Träger verzichten inzwischen bereits auf eine Verknüpfung mit Leistungsmengen. Die DKG spricht aber von der Einrichtung eines Prangers und der Diskreditierung zahlreicher Krankenhausärzte, die solche Vereinbarungen unterschrieben haben. Da fällt die Beurteilung im Deutschen Ärzteblatt vom 2.9.2012 sehr viel freundlicher aus. Sie spricht von verantwortungsbewussten Ärzten, die sich nicht für ein paar tausend Euro korrumpieren lassen.
Von den Göttinger Vorfällen wurden alle überrascht. Verträge leitender Ärzte sind ja höchst vertraulich und über ihre Inhalte wird häufig eine besondere Verschwiegenheit vereinbart, so dass außer den Beteiligten und ein paar Anwälten keiner die Vereinbarungen kennt. Transparenz ist deshalb wichtig, um Probleme rechtzeitig erkennen zu können. Die DKG sollte statt auf Distanz auf Kooperation mit BÄK und VLK setzten und die neuen Musterverträge gemeinsam erarbeiten, wie dass schon lange gefordert wird. Dann steht keiner am Pranger."


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