kma sprach darüber mit Matthias Klar, dem Geschäftsführer des Instituts für Berufspraxis in Hagenow.
Interview mit Matthias Klar
Seit Jahren kämpfen Sie, zusammen mit der deutschen Gesellschaft für Sterilgutversorgung, für die staatliche Anerkennung des Berufs der Sterilgutaufbereiter. Dennoch gilt der Beruf des technischen Sterilisationsassistenten nach wie vor nur als Tätigkeit. Woran liegt das?
Das liegt erstens an der bisher ungeklärten Frage, ob es sich dabei um einen Gesundheitsberuf oder eher einen technischen Beruf handelt. Wäre es ein Gesundheitsberuf, würde er im Rahmen des föderalen Aufbaus Deutschlands einer Regelung innerhalb der jeweiligen Bundesländer bedürfen. Damit hätte man schon mal keinen gleichlautenden Ausbildungsberuf im Gesundheitswesen. Da die Arbeit aber auch sehr viel mit Technik zu tun hat, sollte der Beruf nach Ansicht vieler Experten eher im handwerklichen Bereich angesiedelt sein. Dann wären die Handwerkskammern für die Entwicklung und Begleitung dieses Berufsbildes verantwortlich. Die allerdings wollen den Beruf im Gesundheitswesen angesiedelt sehen, weil dort die Fachkompetenz für diese technischen Instrumente liegt. Auf der anderen Seite gibt es auch eine starke Lobby, die die ein Berufsbild verhindert, denn dann könnte man natürlich nicht mehr mit diesen Niedriglöhnen agieren, die dafür derzeit bezahlt werden. Die Gewerkschaften sind daher sehr daran interessiert, diesen Ausbildungsberuf im dualen System auf den Weg zu bringen, um die Forderung nach einer angemessenen Bezahlung zu untermauern.
Die Operationsmethoden werden immer komplizierter. Steigen damit auch die Anforderungen für Sterilisation?
Mit den minimalinvasiven Eingriffen im OP werden die Medizinprodukte komplexer. Sie müssen mehr Zeit aufbringen, um sie auseinander zu nehmen, zu reinigen, wieder zusammen zu bauen, eine Funktionsprüfung zu machen und sie dann zu sterilisieren. Dieser Prozess ist noch verbesserungswürdig, da sind wir heute noch ein Stück entfernt vom Optimum. Vor allem, weil die Mitarbeiter dort bisher oft aus dem Segment der Reinigungskräfte rekrutiert wurden. Nach dem Motto: ob man Fußböden oder Instrumente reinigt, ist egal. Aber für den Umgang mit hochwertigen Medizinprodukten braucht man besonnene Mitarbeiter, die in der Lage sind, auch differenziert zu denken. Mittlerweile gibt es auch viele KFZ-Mechaniker und Menschen aus anderen technischen Berufen, die sich auf Sterilgutstellen in den Klinken bewerben. Die sind aber nur schwer in der Lage, die medizinischen Anforderungen zu erfüllen. Genau da haben wir eine Lücke. Die können wir nur füllen, wenn wir den Menschen nicht nur den Umgang mit den filigranen Medizinprodukten sondern auch deren Anwendungstechniken beibringen.
Wie oft finden denn Qualitätskontrollen in den Sterilgutabteilungen statt?
Wenn die Sterilgutaufbereitung eines Krankenhauses nach der Din-Norm EN ISO 13485 zertifiziert ist, wird sie jährlich durch die Zertifizierer überwacht. Das sind dann Institutionen wie z.B. der TÜV oder die DEKRA. Auch die Gesundheitsämter haben eine Überwachungspflicht. Durch die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes im letzen Jahr wurde ihnen viel mehr Verantwortung übergeben. Viele Kliniken merken, dass die Gesundheitsämter da viel aktiver geworden sind. Wer auch dafür verantwortlich ist, sind die Regierungspräsidien oder die Gewerbeaufsichten, je nachdem in welchem Bundesland wir uns bewegen. Sie überprüfen die Überwachung der Medizinprodukte aus dem Blickpunkt des Personalschutzes.
Wer bildet die Sterilgutfachkräfte aus?
Es gibt über 60 Ausbildungsstellen in Deutschland, die diese Kurse anbieten. Darunter sind Dienstleister wie wir, oder auch Berufsbildungszentren, die sich mit dem Thema seit Jahren beschäftigen. Allerdings haben auch Krankenhäuser und Krankenpflegeschulen den Markt in den letzten Jahren für sich entdeckt. Man bekommt eine Anerkennung von der deutschen Gesellschaft für Sterilgutversorgung und muss nachweisen, dass der fachliche Leiter der Ausbildung aus der Praxis kommt und die Fachkunde der Stufe III hat, dass sich ein ärztlicher Leiter dafür verantwortlich zeichnet und dass neben diesen Beiden ein pädagogischer Leiter bestellt ist.
Woraus besteht denn die Grundausbildung?
Die Grundausbildung zum technischen Sterilisationsassistenten bestand bisher aus 80 theoretischen Stunden und einem Praxisnachweistag. Ab dem nächsten Jahr werden es 120 Stunden für die theoretische Ausbildung, und zusätzlich ein 150-stündiges Praktikum sein. Damit sind die Menschen in der Grundhausbildung schon mal wesentlich besser qualifiziert. Die Lerninhalte dieser zusätzlichen 40 Stunden sollten dazu genutzt werden, um das Wissen über die Anwendungen der Produkte zu vertiefen, speziell was den Umgang mit minimalinvasiven Geräten angeht. Ob das nach der letzten Empfehlung des Robert Koch Instituts, die Anfang Oktober heraus kam, auch gelingt, ist abzuwarten.
Gibt es überhaupt genügend Auszubildende, die den Beruf auch ergreifen wollen?
Es gibt nach wie vor einen großen Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. Außerdem haben wir eine erhebliche Fluktuation. Die Mitarbeiter müssen bisweilen zu zweit eine Spätschicht abdecken, wenn dann abends viel operiert wird, gehen sie oft erst Stunden später als geplant nach Hause – die Gründe dafür sind die Laufzeiten der Maschinen, die es nicht schneller schaffen.
In diesem Zusammenhang muss man auch sagen, dass innerhalb der Kliniken nach wie vor keine einheitliche Struktur ihrer Instrumente haben, die sie für ihre Operationen brauchen. Man findet als Besipiel auf den Grundsieben, in denen die Instrumente für eine Operation gelagert werden, gerne zwischen 70 und 80 Instrumente, obwohl ein Chirurg bei einer Operation nur 20 bis 30 davon wirklich einsetzt. Trotzdem werden alle anschließend gereinigt, desinfiziert und bei 134 Grad sterilisiert. Darunter leidet nicht nur deren Qualität, das verursacht auch unnötige Kosten. Wenn wir den Betreiber mit diesen Kosten konfrontieren könnten, würde wahrscheinlich auch ein Umdenken bezüglich der Qualifikation ihrer Mitarbeiter stattfinden.
Würde sich die Situation entschärfen, wenn die Entlohnung der Sterilgutaufbereiter besser wäre?
Generell ja, aber nicht mit dem derzeitigen Qualifikationsstand. Bisher bekommen die Auszubildenden die Lizenz zum Töten von Bakterien und Viren schon nach zwei, ab nächstem Jahr nach drei Wochen. Ich weiß allerdings, dass die kommunalen Krankenhausverbände Niedersachsens, Nordrhein-Westfalens und Hessens damit anfangen, für die Sterilgutfachkräften eine bessere Ausbildung nach dem Vorbild der Operationstechnischen Assistenten zu entwickeln. Das wären dann deutlich mehr Stunden in der Theorie mit entsprechenden Praktika in einem Zeitraum von zwei Jahren. Die Chancen stehen gut, dass sich diese duale Ausbildung binnen der nächsten zwei bis drei Jahren etablieren kann.


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