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kma-Ausgabe OktoberEine Branche wacht auf

Chefarzt-Boni haben die Krankenhäuser seit dem Göttinger Transplantationsskandal in Verruf gebracht. In der neuen kma-Ausgabe berichten wir über jede Menge qualitative Parameter, die sich für Zielvereinbarungen eignen.

"Die gesamte Branche ist ins Nachdenken gekommen", sagt ein Krankenhausmanager im Nachgang des Göttinger Transplantationsskandals. Von 2010 bis 2011 hatte ein Chefarzt systematisch Daten manipuliert, um mehr Transplantationen durchführen zu können. Schlagartig ist damit die fallzahlbezogene leistungsabhängige Vergütung ins Gerede gekommen. Eine Vertragsform, die seit der eingeschränkten Privatliquidation für Chefärzte an vielen deutschen Krankenhäusern gang und gäbe ist. Im Dominoeffekt distanzieren sich Verbände und Fachgesellschaften seither mitunter vehement von Bonusverträgen, die eine quantifizierbare Leistungssteigerung beinhalten. Als eine der ersten äußerte sich die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), unterstützt vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI): "Fallzahl- oder umsatzabhängige Bonusverträge verleiten Ärzte zu großzügigen Indikationsstellungen und machen sie dadurch korrumpierbar", schreiben sie in einer Pressemitteilung. Korrumpierbare Ärzte? Der Verband der Leitenden Krankenhausärzte (VLK) und die Deutsche Ophtalmologische Gesellschaft (DOG) haben sich der Kritik angeschlossen. Die DOG warnt: "In Anbetracht des wachsenden Kostendrucks steht die ärztliche Unabhängigkeit auf dem Spiel." Kritiker des Systems, die seit Jahren die Ökonomisierung der Medizin beklagen, sehen sich jetzt bestätigt. Tatsächlich ist der Göttinger Transplantationsskandal mehr als ein singuläres Ereignis ärztlichen Fehlverhaltens. Die Debatte hat längst die Publikumspresse in einer Tiefe und Ausführlichkeit erreicht, die es seit Einführung der Fallpauschalen so nicht gegeben hat. DIE ZEIT etwa lässt in ihrer Ausgabe vom 20. September die Auswirkungen der ökonomisierten Medizin, inklusive erfolgsabhängiger Bonusverträge, von vier Medizinern und einer Krankenschwester diskutieren und publiziert ein "Manifest für eine menschliche Medizin". Außerdem fordert sie ihre Leser auf, der Redaktion Missstände im Gesundheitswesen aufzuzeigen, von denen die Öffentlichkeit erfahren sollte. Keine Frage: Krankenhäuser stehen heute unter enormer Beobachtung.

Manchmal macht der Bonus 50 Prozent des Gehalts aus
Die meisten Häuser haben inzwischen erkannt, dass Verträge mit einem hohen Bonusanteil ihnen schwerwiegende Probleme bereiten können, etliche arbeiten deswegen bereits an neuen Verträgen. Der Weg ist das Ziel, könnte man meinen. Die Branche ist stark verunsichert, wie die künftigen Vertragswerke gestaltet sein sollen. Schließlich geht es auch darum, gutes, qualifiziertes Personal durch starke Anreize ans Haus zu binden. Sie sollen so wirken, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer davon profitieren. Andererseits dürfen keine Kollateralschäden entstehen wie in Göttingen. Ein schwieriges Unterfangen. Fest steht jedoch: Ohne Anreize geht es nicht. "Je höher der variable Anteil, desto höher die Motivation", erklärt Martin von Hören von der Personalberatung Kienbaum. Allerdings hat sich der gute alte Bonus als zusätzlicher Vertragsbestandteil immer mehr zu einem festen Gehaltsbestandteil entwickelt. Das unternehmerische Risiko wird vom Management auf den Arbeitnehmer verlagert. "Wenn ein Viertel des Gehalts variabel ist, kann einen das schon nervös machen", erläutert Norbert H. Müller von der Kanzlei Klostermann in Bochum. Vor allem bei den privaten Krankenhausbetreibern sind Bonuszahlungen überproportional verbreitet. Sie können schon einmal 50 Prozent des Gehalts ausmachen, erklärt ein Insider. "Fallzahlen haben in der Zielvereinbarung nichts zu suchen, sie gehören in den Wirtschaftsplan", ist Werner Hemmes aus der Geschäftsführung der Barmherzigen Brüder Trier überzeugt. "Dabei muss realistisch geplant werden. Wenn der Chirurg absieht, dass er mit der Belegung abfällt, muss eventuell der Neurologe mehr Fälle behandeln." Doch was, wenn auch in der Neurologie nichts mehr zu holen ist? Bemerkungen wie diese zeigen: Die Krankenhäuser stehen heute in einem ruinösen Wettbewerb untereinander. Entsprechend gibt es auch Befürworter für eine Fallzahlorientierung in den Verträgen. Eine von ihnen ist Andrea Köhn von Köhn & Kollegen: "Eine Fallzahlorientierung ist wichtig, weil die Geschäftsführung die Zahlen als Grundlage für ihre Personal- und Sachkostenplanung braucht." Allerdings müssen die Fallzahlen nicht zwangsläufig mittels Bonusverträgen ermittelt werden, eine reguläre Kostendeckungsbeitragsrechnung tut es auch.

kma-Ausgabe Oktober
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Den vollständigen Artikel lesen Sie in der kma-Ausgabe Oktober. Außerdem in dieser Ausgabe: Daniel Dürr von Malik Management kritisiert die Organisationsform vieler Krankenhäuser. In einem Artikel über Notfallversorgung an Kliniken beleuchten wir ein System, das aus den Fugen geraten ist: Krankenhäuser ächzen aufgrund der notorischen Unterbezahlung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen. Des Weiteren berichten wir über die Erfolge kleiner Kliniken: Sie gelten oftmals zu Unrecht als Auslaufmodell. Diese und viele weitere Themen lesen Sie in der druckfrischen kma oder auf kma-online.

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