Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG

ZentralsterilisationEnde des Schattendaseins

Geschlossene OPs, gefeuerte Geschäftsführer, schärfere Kontrollen: Aufgerüttelt durch Skandale entdecken Kliniken die Bedeutung ihrer „Steri”-Abteilung.

Eine Katastrophe alleine reicht leider erfahrungsgemäß nicht aus, damit sich von Grund auf etwas ändert – zu groß sind die Widerstände, zu massiv die Interessen, zu gering der Mut zu tun, was schwierig, aber nötig ist. In den USA musste es zum vierten Mal in der Amtszeit eines Präsidenten zum Amoklauf in einer Schule kommen, ehe ein Ruck durch die Gesellschaft ging und der Leidensdruck Obama die Freiheit gab, Widerstände und Sachzwänge zur Seite zu wischen und zu handeln. Genau dieses Phänomen ist derzeit in deutschen Kliniken zu beobachten: Sterilgutabteilungen mussten von Kontrollbehörden komplett dichtgemacht werden, die erlösbringenden OPs vorübergehend stillgelegt, Klinikchefs wegen dreckigen OP-Bestecks ihre Posten verlieren, damit die Verantwortlichen der Realität ins Auge sehen und Überfälliges entschlossen angepackt wird.

Matthias Klar überAusbildungsqualität der Sterilgutfachkräfte

Kosename hier, Geringschätzung da
Die Sterilgutaufbereitung im Krankenhaus, intern oft bedacht mit dem Kosenamen "Steri”, aber genau so abqualifiziert als "Das-läuft-doch-alles-nebenher-Abteilung”, ist in jüngster Zeit sehr viel stärker als bisher in den Mittelpunkt des Interesses und Bewusstseins gerückt. Auf den Punkt bringt dies die Geschäftsführerin des Krankenhausdienstleisters Vamed, Ingrid Maßwig, wenn sie sagt: "Die Verantwortlichen sind jetzt auf Probleme aufmerksam geworden, die es schon immer gegeben hat.” Wichtige Triebfedern für den überfälligen Bewusstseinswandel liegen aber auch fernab von allen Skandalen: in den Fortschritten der operativen Medizin und der von ihr benötigten immer komplizierteren Instrumenten; in den daraus resultierenden wachsenden Anforderungen an die Qualifikation des Personals und nicht zuletzt an strengeren Hygienevorschriften und Kontrollen.

Interview mitVanguard-Chef Marcus Bracklo

In der Rubrik "Branche Kompakt” dieser Ausgabe widmet sich kma dieser produktiven Unruhe rund um die Sterilisationsabteilung im Krankenhaus. Eineinhalb Jahre, nachdem es am Klinikum Bogenhausen, dem Flaggschiff der Städtischen Kliniken München, zum Super-Gau und einem empfindlichen Image-Schaden kam, sprechen wir mit Hans-Jürgen Hennes. Der Medizinische Geschäftsführer des Klinikums kam im August 2011 ins Amt, nachdem drei von vier Geschäftsführern gefeuert worden waren. Seine Mission: alle Hebel in Bewegung setzen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Hennes berichtet von den Lehren, die Bogenhausen aus dem Fall gezogen hat, von der Zertifizierung nach der Hygienevorschrift DIN/ISO 13458 und von einem Ausfallkonzept. Hennes plädiert dafür, die Sterilgutversorgung, die als "Sekundär”-Dienstleistung in einer heiklen Grauzone rangiert zwischen dem medizinischen "Primär”- und dem "tertiären” Bereich des Facility Managements, dezidiert in Eigenregie zu betreiben. Egal, wie sie die ZSVA auch betrieben, ob in- oder outgesourct: "Aus der Gesamtverantwortung kommen Kliniken in keinem Fall heraus.”


Weg vom Image des "Hilfsarbeiter-Jobs”
Wenn die Instrumente, vor allem für die minimalinvasive Chirurgie, immer raffinierter werden, wird es auch immer diffiziler, sie zu zerlegen und wieder zusammenzubauen, was sowohl für Reinigung als auch für Sterilisation Voraussetzung ist. Wenn Personal dabei schwer zu finden ist: Können sich Krankenhäuser dann über die Bewerbungen von Kfz-Mechanikern freuen? Und wie gehen sie um mit dem Widerspruch aus Kostendruck und der Notwendigkeit, durch bessere Bezahlung qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten – schließlich ist die Fluktuation in dem oft als "Hilfsarbeiterjob” angesehenen Sektor sehr groß. Hierüber sprachen wir mit Matthias Klar: Er ist Geschäftsführer eines Instituts, das Steri-Fachkräfte ausbildet – und kämpft unbeirrbar und gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Sterilgutversorgung (DGSV) für die staatliche Anerkennung dieser Tätigkeit als Beruf. Viel Freude bei der Lektüre der nun folgenden Interviews.

Branche kompakt -Aus den Unternehmen:

BAG
Belimed
Cleanpart
Discher
Hammerlit
Miele
MMM
Webeco

Sortierung
  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Jetzt einloggen