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Schleudersitz?Geschäftsführung in Kliniken wird alle vier Jahre umbesetzt

Ist die Position des Krankenhausgeschäftsführers ein Schleudersitz? Das haben DKI, VKD und BDO untersucht und 558 Geschäftsführer im Rahmen der Krankenhausstudie 2021 befragt. Das Ergebnis: Häufige Wechsel gehören zum Alltag.

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Häufige Stellenwechsel, kurze Verweildauer - kaum ist eine neue Klinikgeschäftsführung gefunden, dreht sich schon wieder das Personal-Karussell. Doch kann in diesem Zusammenhang vom „Schleudersitz Krankenhausgeschäftsführer“ gesprochen werden?

Untersucht haben dies das Branchencenter Gesundheitswirtschaft der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (BDO) und das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) in Kooperation mit dem Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD).

Ihre Erkenntnis aus der Befragung von rund 558 Krankenhausgeschäftsführern zu Qualifikation und beruflichem Werdegang, Vertragsmodalitäten und Vergütung, Fluktuation und Gründe für den Stellenwechsel: häufig sind Geschäftsführungsstellen in der Tat Schleudersitze. Wirft man einen Blick auf die Zahlen, so gibt es im Mittel in einer Dekade ca. 2,5 Geschäftsführer pro Krankenhaus; also alle vier Jahre. Zu beachten ist hier, dass jedoch in 41 Prozent aller befragten Kliniken drei oder sogar noch mehr Geschäftsführer tätig waren, wobei die aktuelle Geschäftsführung bereits mitzählt. Nur knapp unter einem Drittel aller Häuser war in etwas ruhigerem Fahrwasser unterwegs (28 Prozent) und arbeitete in den letzten zehn Jahren mit nur einem einzigen Geschäftsführer zusammen.

Prof. Dr. Nürnberg, Partner bei BDO und Co-Autor der Studie wies am 6. Oktober 2021 bei der virtuellen Vorstellung der Ergebnisse darauf hin, dass die Fluktuation unter den Geschäftsführern stark variiere, mit langjährigen „Platzhirschen“ auf der einen und „Job-Hoppern“ auf der anderen Seite.

Die Gründe für die fliegenden Wechsel sind vielfältig: hauptsächlich sind jedoch Differenzen mit dem Aufsichtsrat und mangelnder wirtschaftlicher Erfolg (gemessen an den Rentabilitätszielen) ausschlaggebend. 37 Prozent der Befragten gaben allerdings auch an, dass sie von vornherein einen befristeten Vertrag abgeschlossen hatten.

Geschäftsführer-Position ist eine Männerdomäne

Die groß angelegte Studie liefert auch interessante genderspezifische Aufschlüsse. Die meisten Krankenhaus-Geschäftsführer sind Männer, nur 18 Prozent sind weiblich, in größeren Häusern sogar gerade mal sieben Prozent. Dieses Geschlechterverhältnis erstreckt sich über alle Altersgruppen hinweg: Bei der Gruppe der älteren Klinikgeschäftsführer (53 Jahre oder älter) sind 21 Prozent weiblich, bei den Jüngeren sogar nur 16 Prozent.

Im Kontrast dazu arbeiten in deutschen Krankenhäusern vor allem Frauen: 80 Prozent der Angestellten sind weiblich, etwa als Krankenschwestern oder als Ärztinnen tätig. BDO Gesundheitsexperte Prof. Volker Nürnberg: „Man könnte in diesem Fall sagen: Gesundheit wird von Frauen gemacht und von Männern geleitet.“

Je größer das Haus, desto besser die Verdienstmöglichkeiten

Auch auf die Gehaltsstrukturen blickte die Umfrage. Im Durchschnitt verfügen die Krankenhausgeschäftsführer über ein Jahresfestgehalt von knapp 180 000 Euro. Die Gehälter nehmen mit der Größe der Häuser merklich zu“, berichtete Dr. Karl Blum, Vorstand des DKI und ebenfalls Co-Autor der Studie.

Doch wie kann ein erfolgreiches Krankenhausmanagement gelingen? Hierfür gab es bei der virtuellen Konferenz Tipps für die praktische Arbeit von Geschäftsführern. Wilfried Jacobs, Aufsichtsratsvorsitzender des Rheinland Klinikum Neuss GmbH, betonte beispielsweise die Wichtigkeit „weicher“ Führungskompetenzen: „Geschäftsführer müssen Zahlen verstehen, aber die Menschen lieben.“ Auch wurde intensiv debattiert, ob die Geschäftsführerposition besser durch Mediziner oder durch Kaufleute zu besetzen sei. Impulsgeber Prof. Dr. med. Jochen A. Werner, der als Ärztlicher Direktor auch den Vorstandsvorsitz des Universitätsklinikums Essen innehat, hält eine interprofessionelle Besetzung in der Krankenhausleitung für unverzichtbar.

Die Ergebnisse der Studie gibt es hier.

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