Hauptgrund für die Prämiensteigerung ist eine Studie des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, die besagt, dass die rapide steigenden Schadenssummen für Behandlungsfehler unzureichend in den Policen eingepreist waren. Die Kosten für die Pflege der Opfer seien so schwer zu bewerten, weil sie angesichts des medizinischen Fortschritts ständig steigen. Außerdem klagen viele Patienten erst Jahre später - auch das müssen die Versicherer einpreisen. Neben der Studie ist jedoch auch der Komplettausstieg der Zurich Versicherung im vergangenen Jahr aus dem Klinikmarkt für die hohen Prämien verantwortlich. Dadurch standen mehr als 200 Häuser plötzlich ohne Haftpflicht da und mussten neue Verträge abschließen. Das haben sich die verbliebenen Versicherer zunutze gemacht. Eine wahre Prämienexplosion hat stattgefunden. "Die Prämien sind in bei vielen Häusern zwischen 12 und 40 Prozent, in einigen sogar über 100 gestiegen", so Mathias Lenschow vom Versicherungsmakler Funk Hospital. Zurich ist nicht der einzige Aussteiger, auch die Stuttgarter Sparkassenversicherung und die Westfälischen Provinzial sind dabei, sich aus dem Markt zurückzuziehen. Damit agieren nur noch sechs überregionale Versicherer am Markt: Allianz, Ergo, R+V, die Versicherungskammer Bayern, Basler und die neu in den Klinikmarkt eingestiegene HDI. Für kommunale Häuser ist die Haftpflicht in der Regel kein Problem, da sie über das umlagefinanzierte System des kommunalen Schadensausgleichs (KSA) abgesichert sind.
Selbsthilfemodell: Ein kompliziertes Konstrukt
Der Versicherungsmakler Ecclesia überlegt nun, einen eigenen Versicherer zu gründen. "Wir denken über ein alternatives Selbsthilfemodell für die Gesundheitswirtschaft nach", erklärte Ecclesia-Geschäftsführer Franz Michael Petry kürzlich auf einer Konferenz. "Wir prüfen, ob wir mit alternativen Möglichkeiten besser dastehen als mit dem, was der Markt bietet", zitiert die "Ärzte Zeitung" den Ecclesia-Chef. Vorbild für Petrys Modell sind US-Unternehmen, die angesichts rasant steigender Prämien in den 80er Jahren einen eigenen Haftpflichtversicherer gründeten. Petry ist auch nicht der erste, der im Krankenhausmarkt solche Überlegungen anstellt. Derzeit spielen wohl mehrere große Klinikkonzerne zumindest mit dem Gedanken sich selbstständig abzusichern. Auch der Ecclesia-Konkurrent Funk Hospital hat solche Planspiele angestellt. Doch die Kalkulation der wenigen aber teils hohen Risiken im Krankenhaus macht solche Konstrukte sehr komplex. Vor allem die Rückstellung für mögliche Schäden mit schwer abschätzbaren Kosten lässt die Versicherungspolicen derzeit so rapide steigen.
Haftpflicht: Bei Klinikverbänden ganz oben auf der Agenda
Die Haftpflichtkrise ist das Ergebnis der steigenden Schadenssummen, vor allem bei Personenschäden: Kinder mit Geburtsschäden leben heute deutlich länger, das schlägt ebenso auf die Schadenssummen wie die immer teurere Gerätemedizin. Die Kliniken ächzen unter dieser Situation. Der Katholische Krankenhausverband etwa hält die Haftpflichtfrage für eines der Topkrankenhausthemen 2013. Er wünscht sich ein ähnliches Modell wie den kommunalen Schadensausgleich auch für konfessionelle Häuser. Viele Klinikverbände fordern außerdem, dass der Gesetzgeber Kassen in ihren Möglichkeiten der Regressforderung einschränkt. Bis dato können die Kassen bei der Behandlung in Vorleistung gehen und die Kosten dann nachträglich von den Kliniken und ihren Versicherern zurückfordern. Im Gegensatz zu früher tun dies die Kassen mittlerweile sehr gezielt. Die Regressforderungen sind spürbar angestiegen. Laut Ecclesia gehen 25 Prozent der geleisteten Schadenzahlungen allein an die Krankenkassen. Die Politik, so fordert das Kliniklager, soll diese Regresse per Gesetz beschränken. Im Gespräch ist eine finanzielle Obergrenze. Das hieße, Kassen dürfen nur noch für Fälle bis zu einem bestimmten Betrag Regress verlangen. Ebenfalls in der Diskussion ist eine Pauschalabfindung pro Jahr – gezahlt von den Versicherern an die Kassen.
Wie Kliniken mit den steigenden Prämien umgehen, welche Alternativ-Modelle wirklich Aussicht auf Erfolg haben und was für Überlegungen die Politik zu diesem Thema verfolgt, lesen Sie in der kma-Titelgeschichte der März-Ausgabe.


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