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OutsourcingmarktKonzentration auf das Kerngeschäft

Um am Markt bestehen zu können, müssen Kliniken Kosten sparen. Die große Mehrheit versucht derzeit, die wirtschaftliche Situation durch Restrukturierungen zu verbessern. Die externen Dienstleister rechnen damit, dass Krankenhäuser deshalb bald wieder mehr Leistungen outsourcen werden.

Krankenhäuser stehen heute unter Zugzwang, allein 30 Prozent schreiben rote Zahlen. Für das laufende Geschäftsjahr 2016 rechnen viele Kliniken sogar mit einer deutlichen Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage, schreiben die Autoren der „Krankenhausstudie 2016“ von Roland Berger. Mittelfristig gehen danach mehr als 70 Prozent von einer Eintrübung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus. Die angespannte wirtschaftliche Situation und stagnierende Fördermittel würden außerdem dazu führen, dass die Investitionsfähigkeit vieler Krankenhäuser eingeschränkt bleibe. Etwa die Hälfte aller Krankenhäuser investiere daher nicht in ausreichendem Maße.

Kostensenkung als Hauptargument
Dem steht ein stetig wachsender Markt des Facility Managements gegenüber. Die Anbieter beschäftigen mittlerweile rund 4 Millionen Menschen in Deutschland. Allein das Marktvolumen der externen Facility Services soll in diesem Jahr laut Gefma, dem deutschen Verband für Facility Management, auf rund 60 Milliarden Euro ansteigen (2009: 44 Milliarden Euro). Demnach liegt die Bruttowertschöpfung der Branche bei 112 Milliarden Euro, das entspricht einem Anteil von 5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Die Kunden der externen Dienstleister kommen vorwiegend aus der Industrie und dem öffentlichen Dienst. Auch das Gesundheitswesen hat ihr Angebot längst entdeckt – schließlich bietet das Outsourcing im Krankenhaus gleich mehrere Vorteile. Das verdeutlicht die Studie des Marktforschungsinstituts Lünendonk zur Speisenversorgung im Gesundheitswesen 2015. Von elf interviewten Kliniken, die die Speisenversorgung fremdvergeben haben, antworteten zehn, dass sie dadurch Kosten senken. Ein weiteres Hauptmotiv für die Fremdvergabe ist demnach der geringere Verwaltungsaufwand: Personalbuchhaltung, Weiterbildung, Lebensmitteleinkauf und viele weitere organisatorische Aufgaben entfallen für die Krankenhausverwaltung, wenn die Leistung ausgelagert ist.

Wäscherei ist Spitzenreiter
Die Angebotspallette der externen Dienstleister wie Bilfinger Ahr, Sodexo, Apetito, Dussmann oder KDS im Gesundheitssektor ist vielfältig. Im Krankenhaus gliedert sie sich grob in primäre, sekundäre und tertiäre Leitungsbereiche. Der Frage, in welchem Umfang diese dort mittlerweile Ausgelagert sind, hat sich zuletzt eine Umfrage unter mehr als 100 Krankenhausgeschäftsführern gewidmet, die unter der Regie des Medizintechnikunternehmens Medtronic durchgeführt wurde. Bei den primären Leitungen ist die Dialyse demnach mit 17 Prozent Spitzenreiter, gefolgt vom Herzkatheterlabor (8 Prozent) und der Endoskopie (5 Prozent). Von den sekundären Leitungen werden am häufigsten das Labor (43 Prozent), die Apotheke (39 Prozent) und die Logopädie (27 Prozent) fremdvergeben. Das größte Auslagerungspotenzial bilden laut Umfrage die tertiären Leitungen: Wäschereibetriebe (50 Prozent), Reinigungsdienste (46 Prozent) und Küche (38 Prozent) werden hier traditionell im großen Stil extern betrieben. Angesichts des wachsenden Drucks liegt die Vermutung nahe, das Kliniken derzeit verstärkt auf die Angebote der externen Dienstleister zurückgreifen, um Kosten zu senken. Schließlich verspricht das Outsourcen weitere Vorteile: „Über diese Kostentransparenz der externen Leitungen kann man eine gezieltere Budgetierung vornehmen. Kliniken haben auch eine Planungssicherheit dahingehend, dass die Verantwortung für die Umsetzung vor Ort in die Hand des Dienstleisters übergeht – das ist auch mit dem Thema der Stabilität operativer Abläufe in den Sekundär- und Tertiärprozessen verbunden“, so Andreas Krüger, Director Development and Sales bei Sodexo. „Außerdem kauft man sich natürlich auch Erfahrung und Kompetenz ein, weil Dienstleister diese Aufgaben ab einer gewissen Größe auch in vielen anderen Häusern machen. Und eine Marktübersicht hinsichtlich neuer und innovativer Leistungen, die ein einzelnes Haus so oft nicht hat“, ergänzt Christian Kleikamp, nationaler Verkaufsleiter Care bei Apetito.

Derzeit kein Outsourcing-Boom
Ein sprunghaft gestiegenes Interesse der Kliniken für das Outsourcing können die Dienstleister allerdings nicht verzeichnen. „Die Nachfrage der klassischen Outsourcing-Leistungen im Gesundheitswesen nehme ich derzeit als nahezu unverändert war“, so Andreas Krüger. Er erklärt sich das damit, dass das Hauptaugenmerk der Krankenhäuser derzeit der Optimierung medizinischer Kernprozesse gilt. Auch Christian Kleikamp sieht das so und ergänzt: „Der Schatz klassischer Outsourcing-Leistungen wurde bereits in der Vergangenheit gehoben.“ Das könnte allerdings auch daran liegen, dass es durchaus Vorbehalte gegen die Fremdvergabe gibt. Neben dem nötigen Aufwand beim Umstellungsprozess, der oft auch mit der Entlassung der eigenen Mitarbeiter einhergeht, der Abgabe von Kompetenzen und der dann anfallenden Mehrwertsteuer ist das vor allem die Furcht vieler Kliniken, sich in eine tendenzielle Abhängigkeit von den Externen zu begeben. „Wenn man Leistungen herausgibt, verliert man damit auch Kompetenzen, das ist ein Fakt. Die Frage ist, ob ich damit auch die Kontrolle abgebe und ob das ein Problem ist – das wäre es nur, wenn ich den Anbieter nicht wechseln könnte“, entgegnet Christian Kleikamp. Auch der Furcht vor mangelnden Kontrollmöglichkeiten und dem Argument, dass externe Dienstleister schlechtere Qualität liefern würden, begegnet er gelassen: „Wir tun alles dafür, dass es in unserer Qualität und Leistung keine Probleme gibt. Schließlich müssen wir uns daran messen lassen und haben ein großes Imageproblem, sollte das nicht so sein.“

Nützliche Partnerschaften
Es gibt aber durchaus auch andere Möglichkeiten, auf die Leistungen Externer zurückzugreifen. So bietet Apetito an, nur einen Teil des Prozesses aus der Klinik herauszunehmen – in diesem Fall den Kochprozess. Der Anbieter kocht an seinen eigenen Standorten, gefriert das Essen dort oder kühlt es herunter, und liefert es vor Ort zu der Klinik. Dort werden die einzelnen Menüs dann fertiggegart und den Patienten serviert. „Wir nennen das entkoppelte Prozesse – und dieser Trend prägt den Markt derzeit“, so Kleikamp. Ähnliche Mischlösungen gibt es auch in Form von Ausgründungen einzelner Leistungsbereiche in klinikeigene Servicegesellschaften, mit einer Mehrheitsbeteiligung des Trägers und einer Minderheitsbeteiligung des Dienstleisters. Dann können sogar die eigenen Mitarbeiter übernommen werden. Die gebündelte Kompetenz beider hat aber auch monetäre Vorteile, denn die hier erbrachten Leistungen können ohne Umsatzsteuer an den Träger verrechnet werden. „Das Modell kam Ende des letzten Jahrtausends auf, und zwar massiv - das habe ich damals vor allem in der Gebäudereinigung bemerkt“, so Andreas Krüger von Sodexo.

Heute hingegen habe auch dieser Trend etwas nachgelassen. Wirklich zu boomen scheint in den letzten Jahren das Model der Tochtergesellschaften, etwa in Form einer GmbH, die ohne eine externe Beteiligung zu 100 Prozent den Krankenhäusern gehören. Auch das hat oft finanzielle Gründe: neben dem Wegfall der Umsatzsteuer erlauben sie andere Tarifstrukturen und damit niedrigere Löhne. Laut Michael Jasper, Experte für den Gesundheitsmarkt bei Dussmann, kippt dieser Trend aber gerade wieder – gerade weil sich Kliniken derzeit stark auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, rechnet er damit, dass sie bald wieder mehr Leistungen outsourcen werden.

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