Joachim Prölß ist Direktor für Patienten- und Pflegemanagement am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE). Er nimmt am 10. Gesundheitspflege-Kongress in Hamburg teil und fordert mehr qualifiziertes Personal für den Hygienebereich in Krankenhäusern.
Erst Bremen, jetzt auch die Berliner Charité: Immer mehr Infektionsfälle durch Krankenhauskeime. Was ist Ihrer Meinung nach da schiefgelaufen?
"Das ist ganz schwierig, aus der Ferne heraus eine Beurteilung dieser Situation in Berlin vorzunehmen. Aus meiner Sicht sind viel zu viele Menschen dabei, Statements abzugeben, ohne den genauen Sachstand zu kennen. Wichtig ist für Berlin und alle Häuser eine offene Informationspolitik zu machen und die Bürger ausreichend zu informieren, was da jetzt eigentlich passiert ist."
Ist es überhaupt möglich, ein Krankenhaus keimfrei zu halten?
"Ein keimfreies Krankenhaus kann es nicht geben. Es kann ein keimarmes Krankenhaus geben. Es kann natürlich eine korrekte Hygiene in einem Krankenhaus geben, die muss es geben, da gibt es überhaupt keine Diskussion. Trotzdem können in einem Krankenhaus natürlich Infektionen auftreten. Das sind hochgradig gefährdete Patienten, die wir im Krankenhaus betreuen. Wichtig ist, dass man nachweisen kann, dass man die notwendigen gesetzlichen und fachlichen Regeln eingehalten hat."
Was können die Krankenhäuser generell tun, um die Hygienestandards zu verbessern?
"Die Krankenhäuser müssen ihre Mitarbeiter qualifizieren und sensibilisieren. Das muss natürlich auch eingefordert werden. Im UKE haben wir die Personalausstattung deutlich angehoben. Die war vorher schon gut, die ist noch besser geworden. Und wir versuchen in die Breite zu gehen, vor Ort, auf den Stationen, beim Patienten, Hygiene erlebbar zu machen. Indem wir Multiplikatoren ausbilden, die mit viel Interesse an dieses Thema herangehen und vor Ort qualifizieren und sensibilisieren."
Die Fälle an der Charité wurden erst nach und nach bekannt. Ist es auch ein Problem, dass die Krankenhäuser mit den Fällen nicht offen umgehen?
"Ich glaube, dass es ganz entscheidend ist, wenn Fehler entstehen oder Probleme da sind, sie ganz offen zu kommunizieren. Gehäufte Infektionen auf einer Station sind nicht immer automatisch ein Zeichen, dass irgendwas falsch gemacht worden ist. Das kann auch eine Verkettung bestimmter Situationen sein."


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