
Bei den Altenpflegeeinrichtungen sind es sogar über 90 Prozent. Seit dem Beginn der BWKG-Indikator-Befragungen im Jahr 2010 war es noch nie so schwierig, freie Stellen in der Pflege zu besetzten. Auch bei den Ärzten wachsen die Probleme: 72 Prozent der Rehakliniken und 64 % der Krankenhäuser haben aktuell Schwierigkeiten, Ärztinnen und Ärzte zu finden. Bereits jetzt sind rund 400 Stellen bei den Ärzten und 1200 Stellen bei den Pflegefachkräften in den Krankenhäusern im Land unbesetzt.
„Der Bundesgesundheitsminister hat sehr schnell sein Eckpunktepapier für das Sofortprogramm Kranken- und Altenpflege vorgelegt. Das Problem des Fachkräftemangels ist also erkannt und soll angegangen werden. Das begrüßen wir ausdrücklich“, unterstreicht der BWKG-Vorstandsvorsitzende, der gleichzeitig Landrat des Kreises Heilbronn ist.
Krankenhäuser zahlen schon jetzt überdurchschnittliche Löhne
„Auch eine gute Bezahlung ist zweifellos ein wichtiger Beitrag zur Arbeitszufriedenheit. Um überhaupt noch Fachpersonal zu finden, zahlen die Krankenhäuser im Land schon jetzt überdurchschnittliche Löhne“, macht der BWKG-Hauptgeschäftsführer, Matthias Einwag, deutlich. Dass das Lohnniveau in der Krankenhausvergütung nach wie vor nicht berücksichtigt wird, hat direkte Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse: Nach den Ergebnissen des BWKG-Indikators 1/2018 haben rund 50 Prozent der Krankenhäuser im Land das Jahr 2017 mit roten Zahlen abgeschlossen.
Und der Druck wird nicht geringer: Die boomende Wirtschaft führt zu einem generellen Fachkräftemangel und die Krankenhäuser konkurrieren mit vielen finanzstarken Branchen um qualifizierte Mitarbeiter und den Nachwuchs. Zusätzlich werden Pflegekräfte mit hohen Vergütungen aus der Schweiz abgeworben.
Krankenkassen verschärfen finanzielle Situation der Kliniken
„Und die finanzielle Situation der Krankenhäuser wird durch Vergütungskürzungen der Krankenkassen noch weiter verschärft“, so Einwag. Dabei berufen sich die Kassen auf Urteile des Bundessozialgerichts und fordern oft nach Jahren Vergütungen für Leistungen zurück, obwohl sie zum Zeitpunkt der Behandlung mit der Art der Behandlung und der Abrechnung völlig einverstanden waren.
„Für die Unterfinanzierung der Krankenhäuser sind natürlich nicht nur die unzureichend finanzierten Betriebskosten verantwortlich. Auch die Investitionskosten spielen eine wichtige Rolle. Hier besteht auch beim Land Baden-Württemberg Nachholbedarf, auch wenn es aktuell deutlich mehr macht als andere Länder“, stellt Einwag klar.





Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen