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Mein StandpunktKümmert euch um Honorarärzte!

Viele, vor allem kleinere Krankenhäuser könnten ohne Honorarärzte dichtmachen. Dabei ist ihr Einsatz nicht immer nur aus der Not geboren. Meist stecken handfeste Managementdefizite dahinter. Häuser, die das erkannt haben, können die Honorarärzte als Vollzeitkräfte gewinnen.

Das Deutsche Krankenhausinstitut berichtet im aktuellen Krankenhausbarometer 2011, dass 71 Prozent aller Kliniken im Jahr 2010 Honorarärzte beschäftigt haben. Dies trifft insbesondere auf kleinere Häuser mit weniger als 300 Betten zu. Sie beschäftigen immerhin 65 Prozent aller Honorarärzte – und das, obwohl sie nur 23 Prozent von rund 140.000 angestellten Ärzten im Krankenhaus stellen.

Der Einsatz von Honorarärzten ist auf zwei Phänomene zurückzuführen. Erstens: Es gibt ein Angebot! Hier muss hinterfragt werden, warum gut ausgebildete bis dato fest angestellte Ärzte Honorarärzte werden? Sie haben einfach keine Lust mehr auf die Strukturen in ihrer Klinik, suchen immer wieder die Herausforderung, lernen sehr unterschiedliche Klinik- und Führungsstrukturen kennen, arbeiten in der Regel sehr effizient und sind dafür bereit, eine hohe Unsicherheit in Kauf zu nehmen. Wo arbeite ich morgen? Dies kostet Kraft, da sie immer wieder ihre Qualität unter Beweis stellen müssen. Sie können sich aber auch aus internen Querelen heraushalten, müssen sich nicht anpassen, und wenn es ihnen nicht gefällt, sind sie schnell wieder verschwunden. Zudem können sie Bedingungen stellen wie beispielsweise die Befreiung von Diensten. Ein weiterer Vorteil: Sie können sich die Zeit über das Jahr sehr frei einteilen. Viele von ihnen sind froh, nicht immer in die gleiche Tretmühle zu müssen und genießen die Abwechslung.

Zweitens: Die Kliniken schaffen es nicht, rechtzeitig und in entsprechender Qualität eigene Ärzte fest anzustellen. Als Ursachen gelten insbesondere bei kleineren Häusern auf dem Land unattraktive Führungskultur, keine strukturierte Weiterbildung, hohe Dienstbelastung, kein proaktives Personalmanagement. Dass ein Einsatz von Honorarärzten bei Engpässen verursacht durch Krankheit oder Mutterschutz und Erziehungsurlaub sinnvoll ist, versteht sich von selbst. Alle anderen Einsätze sind auf hausgemachte Führungs- und Personalmanagement-Defizite zurückzuführen. Beispielsweise wenn ein Haus seine Standortnachteile nicht kennt. Hier ist "Kümmern” sowohl bei den Chefärzten als auch in der Personalabteilung gefragt.

Die Vermittlungen von Honorarärzten arbeiten sehr unterschiedlich – meistens fast nur online und mit relativ wenig Kontakt zu den Honorarärzten. Die Klinik kauft also häufig die Katze im Sack. Es sei denn, es gibt auch hier einen stringenten Recruitingprozess. Dazu gehören eine genaue Prüfung der Zeugnisse, ein ausführliches Telefoninterview mit dem potenziellen Honorararzt, eventuell sogar per Skype, und bei Bedarf ruhig auch ein Anruf und die Frage nach einer Referenz. Ist ein Honorararzt gefunden, stellt sich die Frage: Wird er als Fremdkörper wahrgenommen, oder erzeugt er Neidgefühle? Dies liegt nicht nur am Honorararzt, sondern meistens daran, wie dieser in der Klinik aufgenommen wird. Gibt es immer wieder Honorarärzte im Haus, macht es auch aus der Personalabteilung heraus Sinn, eine Einarbeitungscheckliste mit Leben zu füllen. Dazu gehören eine Einführung in die Behandlungsweise der Klinik, die Teilnahme an Besprechungen, Weihnachtsfeiern und Betriebsausflügen, Einholung von aktivem Feedback in beide Richtungen und ein Feedback mit Informationen an die Personalabteilung und die Agentur nach Abschluss des Einsatzes. Im Übrigen haben sich schon sehr viele Ärzte entschieden, in den Häusern wieder in eine Festeinstellung zu gehen, wenn Kultur und Inhalte stimmen. Dies sollte auch das Ziel der Personalabteilung und der Chefärzte sein, gute Honorarärzte langfristig an sich zu binden.

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