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Green HospitalMehr als nur Gebäude und Energie

In der Krankenhausliteratur taucht immer häufiger „Green Hospital” auf – die Definition des Begriffs ist jedoch nicht immer ganz klar.

Im allgemeinen Verständnis konzentrieren sich die Inhalte zumeist auf das Gebäude und den Energieverbrauch eines Krankenhauses. Mit den nachfolgenden Ausführungen soll deutlich gemacht werden, dass es weitaus mehr Aspekte gibt, die für ein "Green-Hospital" von Bedeutung sind und dass dies nicht nur eine Trendentwicklung ist. In der klassischen Definition spricht man von einer Managementphilosophie, die der Sicherung des langfristigen medizinischen und wirtschaftlichen Erfolgs dient und die auf einem ökologisch ausgerichteten Wachstum aufbaut. Dabei ist die Wirtschaftlichkeit noch immer oberstes Ziel, wird jedoch um die Ziele ökologischer Nachhaltigkeit ergänzt, was bedeutet, dass sich ökonomische und ökologische Ziele nicht ausschließen, sondern sich sogar komplementär zueinander ergänzen. In der Rückschau betrachtet, stammt die Idee "Green-Hospital" ursprünglich aus Kanada. Dem politischen Zeitgeist der 80er und 90er Jahre des 20. Jahrhunderts folgend, wurden in Deutschland entsprechende Gesetze und Verordnungen wie die Umweltauditgesetz-Erweiterungsverordnung erlassen, wonach Krankenhäuser ihr Umwelt-Managementsystem freiwillig prüfen lassen können. Mit dem 2001 verabschiedeten Energiedienstleistungsgesetz (EDL-Gesetz) wurde eine eindeutige Verpflichtung öffentlicher Krankenhäuser formuliert, ihre Energieeffizienz zu verbessern. Seit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) 2007 gibt es in Deutschland eine Institution, die sich ausschließlich der Nachhaltigkeit von Gebäuden verschrieben hat und in absehbarer Zeit auch ein entsprechendes Zertifizierungssystem anbieten wird.
Das erste "Green-Hospital"-Projekt in Deutschland wurde 2009 von den Asklepios-Kliniken in Hamburg mit Erfolg abgeschlossen. Dem folgten weitere öffentliche und private Leuchtturmprojekte wie zum Beipsiel das in Bau befindliche Klinikum Lichtenfels oder das Ethianum Heidelberg. Die übergreifenden Ziele von einem "Green Hospital" sind gesteigerter Patientenkomfort, zufriedene Mitarbeiter, weniger Ressourcenverbrauch, geringere Entsorgung.

Warum gerade "Green Hospital" in Krankenhäusern?
Grundlegend macht der Ausstieg aus der Kernenergienutzung eine fundamentale Neuausrichtung der Energieerzeugung und vor allem auch der Energienutzung erforderlich. Dabei soll der Anteil erneuerbarer Energie bis 2021 auf 50 Prozent gesteigert werden. Um diese Ziele zu erreichen, müssen alle gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere die größten Energieverbraucher und –abnehmer, mit einer nachhaltigen Verringerung ihres Energieverbrauchs für die notwendige Effizienzsteigerung sorgen. Mit "Grün" verbinden wir ein gesünderes Leben in einer weniger belasteten Umwelt. "Green-Hospital" steht nicht für Bäume und Wiesen in Krankenhäusern, sondern für eine Philosophie zur Sicherung des langfristigen Erfolgs, der nicht zu Lasten unserer Lebensgrundlagen und unserer Umwelt gehen darf. Das grüne Krankenhaus steht für ökologische Nachhaltigkeit - ohne dass die medizinische Versorgung darunter leidet und die Kostenstrukturen aus dem Blick verloren gehen. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz werden beide, die ökologischen und die ökonomischen Zielsetzungen, miteinander verbunden, um einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Gerade durch den kontinuierlichen 24-Stunden-Betrieb eines Krankenhauses mit höchsten technischen Anforderungen und hohem Ressourcenverbrauch kommt "grün" eine besondere Bedeutung zu. Die Ökobilanz von deutschen Krankenhäusern ist, im Vergleich zu den Büroimmobilien, unbefriedigend. Ein größeres Klinikum verbraucht schon fast die Energie einer Kleinstadt. Und dass pro Patient und Jahr fast eine Tonne Müll produziert wird, ist kaum jemandem bewusst. Daher sind auch die Krankenhäuser aufgrund ihrer betriebsbedingt hohen CO2-Emissionen aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten. So liegen die CO2-Emissionen eines Krankenhauses um das rd. 2,5 fache über vergleichbaren Bürogebäuden. Diese Potenziale auszuschöpfen, ist nicht nur unter umweltpolitischen Aspekten, sondern natürlich auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Denn: nur umweltbewusst wirtschaftende Krankenhäuser werden auch in Zukunft medizinische Spitzenleistung zu vertretbaren Kosten erbringen können. Steuert ein Krankenhaus nicht gegen diese überproportional steigenden Energiekosten und den ständig steigenden CO2 – Ausstoß, könnte dies schon bald in einer Kostenfalle enden. Der Handlungsdruck verstärkt sich auch exogen immer mehr, da zum einen die Gesellschafter und zum anderen die Kostenträger von Klinikmanagern erwarten, dass sie ihre Kosten senken. Dazu kommt das Finanzierungsproblem, dass bei bereits in die Jahre gekommenen technischen Anlagen Ersatzinvestitionen notwendig werden, die in vielen Fällen selbst finanziert oder über kostenintensive Contracting-Modelle abgewickelt werden müssen, da die duale Finanzierung, respektive die DRGs dafür nicht mehr genügend Mittel zur Verfügung stellt. Repräsentativ für andere Bundesländer kann an dieser Stelle der Freistaat Bayern erwähnt werden, der mit der sog. "Green-Hospital Initiative Bayern" flächendeckend das umweltfreundliche Krankenhaus propagiert. Dazu wurden Mittel für ein Pilotprojekt im oberfränkischen Lichtenfels zur Verfügung gestellt. Nach Schätzungen können allein in bayerischen Krankenhäusern durch energetische Verbesserungen rund eine Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, was gleichbedeutend ist mit einer Energiekosteneinsparung von rund 105 Millionen Euro pro Jahr.

Der Weg zum Green Hospital
Es gibt sechs wesentliche Bereiche der Bewirtschaftung im Krankenhaus, die Optimierungspotenziale aufweisen. Dabei genügt manchmal schon die einfache Frage: "Brauchen wir dies alles in diesem Umfang wirklich?" Dabei stehen in erster Linie die Nachhaltigkeit von Maßnahmen und die Servicequalität an den Menschen in einem Krankenhaus, ob Patienten oder Mitarbeiter, im Mittelpunkt. In den sechs vorgenannten Bereichen findet ein wesentlicher Ressourcenverbrauch eines Krankenhauses statt. Bis zu 30 Prozent beträgt der Anteil insgesamt an den Gesamtkosten, die von "Green-Hospital" tangiert werden. Die Prognosen für 2015 weisen alleine für Gebäudebewirtschaftung, Energie und Lebensmittel einen Anteil von 13 – 15 Prozent an den Gesamtkosten aus, der weiter überdurchschnittlich steigen wird. Das Optimierungspotenzial ist dann am größten, wenn möglichst viele Bereiche zusammen betrachtet werden, auch in Verbindung mit den Schnittstellen zu den Kernprozessen eines Krankenhauses. Die Krankenhausbewirtschaftung ist deswegen so bedeutend, da über Dreiviertel der Lebenszykluskosten eines Gebäudes im Betrieb und in der Nutzung entstehen; Bau- und Einrichtungskosten sind folglich von untergeordneter Relevanz. Die Bedeutung der Baukosten einer Immobilie werden dann relevant, wenn neu gebaut wird und über eine intelligente facilitäre Bauplanung die Betriebskosten optimal gestaltet werden können. Diese Selbstverständlichkeit wird leider immer noch in den Bauplanungen vernachlässigt. Bekanntermaßen werden in der Bauphase circa 80 Prozent der umweltrelevanten Bewirtschaftungskosten festgeschrieben, die anschließend kaum noch verändert werden können. Da auch die Ökonomie eine große Rolle spielt und bei ganzheitlichen Optimierungen erfahrungsgemäß 15 Prozent und mehr nachhaltig eingespart werden, ist "Green-Hospital" auch ein wesentlicher Baustein zur Kostenoptimierung, um der Kostenschere zwischen Tariferhöhungen und Erlösstagnation entgegenzuwirken.

Schwerpunkte in Küche, Labor, Apotheke und Entsorgung
Es gibt viele Beispiele, die dies belegen. So hat das Beratungsunternehmen Curatis in einem kleineren 118 Betten-Krankenhaus ein "Green-Hospital"-Projekt umgesetzt. Nach Abschluss dieses auf fünf Jahre ausgelegten Projekts wird eine jährliche Einsparung von rund 700 Tonnen CO2 sowie eine angesichts der Bettenzahl beträchtliche Kostenreduzierung von knapp 700.000 Euro pro Jahr für das Krankenhaus erzielt werden können. Die Untersuchungs- und Umsetzungsschwerpunkte lagen dabei in den Bereichen Küche, Apotheke und Labor sowie Energie und Entsorgung. Im Ergebnis werden die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Zielvorgaben deutlich übererfüllt und die Mitarbeiter und Patienten genießen eine spürbare höhere Qualität und Zufriedenheit. Dies wird über regelmäßig stattfindende Qualitätskontrollen und über ein entsprechendes Zahlenreporting und Benchmarking abgesichert.

Ottmar Graf, der Autor dieses Textes, ist ein Betriebswirt des Beratungsunternehmens Curatis.

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