Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG

Bekleidung für PflegekräfteMehr Farbe wagen!

„Hauptsache billig” ist die Vorgabe in deutschen Krankenhäusern, wenn es um die Kleidung ihrer Mitarbeiter geht – sie entscheiden sich fast immer für Unisexkleidung im klassischen Weiß. Dabei haben die jungen Pflegekräfte durchaus andere Wünsche.

Die Schwestern und Pfleger sind sichtbar stolz auf ihre neue Berufskleidung: Statt den sackartigen Hemden und Hosen aus Großmutters Zeiten präsentieren sie sich in modern designten Kasacks, deren körperbetonte Schnitte eher an Hotelpersonal erinnern. Auch mit Farbe haben die Designer nicht gespart, im Gegenteil: Dem bunten Spektrum scheinen keine Grenzen gesetzt. Neben Flieder, Magenta, Türkis und Sonnengelb sind auch Erdfarben zu sehen. Einige Taschen und Kragen sind sogar in dunkelblau und rot gehalten. Die Bilder der neuen Kollektionen, die Hersteller von Berufskleidung für Pflegepersonal in ihren Prospekten präsentieren, versprechen einiges. Die Realität in deutschen Krankenhäusern sieht dagegen anders aus.

In Kliniken, so klagen die Hersteller, spielt das Thema Farbe bei Berufskleidung nur insofern eine Rolle, dass die Pflegekräfte und Ärzte einiger Krankenhäuser ein kleines farbliches Logo ihrer Einrichtung tragen – ansonsten herrsche dort nach wie vor das klassische Weiß. „Wenn man Untersuchungen zu dem Thema betrachtet, zeigt sich, dass deren Bekleidung vor allem zweckmäßig sein muss”, bedauert Grit Hartmann, die Geschäftsführerin des Bekleidungsherstellers F. W. Kunath. Sie muss es wissen, denn schließlich hat sie bei der TU Dresden extra eine Bedarfsanalyse über Berufsmode in Auftrag gegeben. Genaue Details daraus will sie zwar nicht verraten, allerdings zeige sich, dass das Klinikpersonal durchaus eine andere Meinung zu dem Thema hat: „Wenn man die Träger befragt, muss es in erster Linie funktionelle und gut tragbare Kleidung sein. Allerdings wünschen sich vor allem die Jüngeren zunehmend Farbe und modernere Schnittmuster.”

Klinikbekleidung soll zweckmäßig sein
Auf die Frage, wieso Kliniken diesen Wünschen nicht nachkommen, hat Christian Fick, Pressesprecher der Uniklinik Heidelberg, eine klare Antwort: „Im Einkauf und der Pflegedirektion, die das entscheiden, herrschen knallharte Fakten vor. Sie schauen bei der Kleidung auf die Kosten, wie oft man sie waschen kann und wie widerstandsfähig sie sind. Alles andere spielt keine Rolle.” Die farbigen Angebote der Hersteller von Berufskleidung richten sich daher in erster Linie an die Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen. „Im Pflegeheim und der Altenpflege will man den Patienten nicht mehr den Eindruck einer Klinik vermitteln, sondern mehr den Hotelcharakter. Daher nimmt man da zunehmend Abstand von dem klassischen Weiß und trägt immer mehr Farbe”, verrät Hartmann.

Strikte Reinigungsvorgaben der Großwäschereien
Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientinnenstellen und -Initiativen (BAGP) achten auch Patienten nicht darauf, wie das Klinikpersonal gekleidet ist. Ihnen gehe es in erster Linie um ihre Gesundheit – alles andere sei Nebensache. Auch der Reinigungsprozess spielt eine Rolle bei der Kleiderwahl. Heute überlassen ihn viele Kliniken Textilserviceunternehmen, privaten Wäschereien oder Mietwäschefirmen. Und die achten darauf, ihre Kosten möglichst gering zu halten. „Bunte Kleidung ist immer schwieriger zu reinigen, denn die Farben bluten in jedem Waschvorgang aus. Schließlich sind die Waschverfahren und Waschmittel dieser Firmen so konzipiert, dass die Kleider nach dem Waschen wieder strahlend weiß sind”, so Hartmann. Selbst die Vielfalt der Schnittmuster ist im Krankenhaus ein Opfer dieser Zweckmäßigkeit geworden. „Der Klassiker für das Pflegepersonal ist Unisex. Die Vorgaben kommen meistens nicht von den Krankenhäusern, sondern von Wäschereien. Für sie wäre es schwierig zu handhaben und teurer, wenn sie die Kleidung nach dem Waschen erst aussortieren müssen”, erklärt Susanne Hoppe, die Geschäftsführerin des Textilanbieters Clinotest.

Eine Ausnahme bildet das Johanniter Krankenhaus in Bonn. Hier zeigen verschiedenfarbige Kasacks die Zugehörigkeit ihrer Träger zu den einzelnen Abteilungen an. Das diene aber nur der Orientierung und habe nichts mit Corporate Design zu tun, sagt Peter Walder, der Chefarzt des Johanniter Krankenhauses. Er wundere sich allerdings, wie aufgeschlossen mittlerweile selbst die älteren Patienten sind. „Sogar Tätowierungen und Piercings werden klaglos akzeptiert, solange die Schwester nett und zugewandt ist.” Die Krankenhäuser können also auch in puncto Berufskleidung durchaus mutiger sein und auf die Wünsche ihres jungen Personals eingehen.

Sortierung
  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Jetzt einloggen