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Krankenhaus Rating Report 2017Neun Prozent der Krankenhäuser insolvenzgefährdet

Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Deutschland hat sich 2015 weiter leicht verschlechtert. Neun Prozent schrieben rote Zahlen mit erhöhter Insolvenzgefahr wie aus dem "Krankenhaus Rating Report" des Wirtschaftsinstituts RWI in Essen hervorgeht, der auf dem Hauptstadtkongress vorgestellt wurde.

Augurzky und Krolop, HSK 2017
Foto: WISO

Prof. Dr. Boris Augurzky (RWI-Leibniz-Institut) und Dr. Sebastian Krolop (Deloitte) bei der Vorstellung des Krankenhaus Rating Reports auf dem Hauptstadtkongress 2017

Zwölf Prozent waren bereits im "gelben Bereich", 79 Prozent der Krankenhäuser befanden sich demnach im "grünen Bereich". Auf Konzernebene schrieben 21 Prozent der Krankenhäuser einen Jahresverlust.

 

Nach Darstellung der Experten war die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in den neuen Bundesländern auch 2015 wieder am besten. Am schwierigsten sei sie in Bayern, Niedersachsen/Bremen, Hessen und Baden-Württemberg gewesen. Gerade in diesen alten Bundesländern seien die Krankenhausstrukturen in einigen Regionen nach wie vor ungünstig - zu viele kleine Einrichtungen, eine zu hohe Krankenhausdichte und zu wenig Spezialisierung der einzelnen Häuser. Allerdings hat der von 2016 bis 2018 eingesetzte Krankenhausstrukturfonds bereits eine gewisse Dynamik zur Strukturoptimierung entfacht und wird gut angenommen. Insgesamt entfallen 75 Prozent des Antragsvolumens auf Konzentrationsmaßnahmen und 22 Prozent auf Kapazitätsabbau.

Die Krankenhauskapazitäten haben sich gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert. Allerdings fiel die Zahl der Betten erstmals unter 500.000. Die Zahl der Krankenhäuser verringerte sich um 1,2 Prozent auf 1.956.

Alterung der Gesellschaft zentrales Thema

In den nächsten Jahren sind die geodemografische Entwicklung und die steigende Innovationsdichte zwei zentrale Trends in der Gesundheitsversorgung. Die Alterung der Gesellschaft wird zu mehr Patienten und überproportional steigenden Gesundheitsausgaben führen. Zudem sinkt mit der Zahl der jüngeren Menschen die der Erwerbspersonen. Als Folge dürfte die Finanzierungslücke in der Gesetzlichen Krankenversicherung wachsen. Darüber hinaus wird die Zahl der Fachkräfte in allen Branchen sinken. Daher dürften die Lohnkosten stärker steigen als die Preise für Gesundheitsleistungen.

Um der zunehmenden Alterung der Gesellschaft entgegenzuwirken, sollte erstens die Nachfrage pro Kopf reduziert werden, beispielsweise durch Prävention, eine effektivere Patientensteuerung, mehr Versorgungsforschung und entsprechenden Anpassungen am Vergütungssystem. Zweitens sollte die Produktivität weiter gesteigert werden, zum Beispiel indem Strukturoptimierungen fortgeführt und integrierte Gesundheitszentren gebildet werden. Darüber hinaus sollten effizienzsteigernde Innovationen einen guten Zugang zum Gesundheitswesen erhalten und Investitionsmittel für effizienzsteigernde Maßnahme zur Verfügung gestellt werden.

Der Krankenhaus Rating Report wurde gemeinsam vom RWI und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit Deloitte erstellt.

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