Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG

Leserkommentar„Pegas Versprechen ist betriebswirtschaftlicher Nonsens”

Andreas Domeyer, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Topos, kritisiert das Klinikhaftpflichtmodell von Michael Pega, über das die kma im Artikel „Prämienexplosion” berichtet hatte. Pega schlägt den Kliniken vor, einen eigenen Haftpflichtversicherer zu gründen und so vor allem Verwaltungskosten zu sparen.

Leserbrief von Andreas Domeyer

Mit Interesse habe ich die Titelstory in der kma-Märzausgabe 2013 gelesen, wobei mir die wesentlichen Eckdaten Ihrer Darstellung als jemandem, der seit mehr als 25 Jahren mit der Versicherung von Krankenhäusern befasst ist, sehr wohl bekannt sind. Deshalb erfordern die Ausführungen im letzten Teil Ihres Artikels zum Modell des Herrn Pega doch einen Kommentar. Herr Pega geistert wohl seit etwa zehn Jahren über den Markt und versucht, Krankenhäuser dazu zu bewegen, einen eigenen Haftpflichtversicherer zu gründen. Dabei argumentiert er stets mit der schlankeren Verwaltung, denn die reine Kalkulation des Risikos kann bei einer derartigen Neugründung nicht anders aussehen als bei den am Markt bereits tätigen Versicherern. Ähnlich sieht es mit den Kosten für Rückversicherung aus. Im Gegenteil, eine kleinere Gesellschaft muss größere Beträge für Schwankungen, Unsicherheiten, Entwicklungen und so weiter einpreisen, so dass die reinen Risikokosten eher oberhalb von denjenigen der eingeführten Anbieter liegen dürften. Aber Herr Pega möchte die Einsparung ja durch eine "schlanke Verwaltung" erzielen. Sie zitieren ihn mit den Worten, "dass die großen Versicherer 30 Prozent ihrer Einnahmen für die Verwaltung und den Vertrieb aufwenden" und "diese Kostenpunkte bei einer krankenhauseigenen Versicherung "fast komplett wegfallen" würden. Diese Aussage ist einfach betriebswirtschaftlicher Nonsens.

kma-Artikel: Prämienexplosion

Auch bei den Verwaltungskosten gibt es Skaleneffekte
Die wesentlichen Verwaltungskosten des Versicherers liegen in der Bearbeitung der eingetretenen Schäden. Ein Krankenhaus der Regelversorgung mit etwa 350 Betten und 6 Fachabteilungen kommt hier auf circa 40 Schäden pro Jahr, davon 20 bis 25 Personenschäden. Die Abwicklung der meisten Personenschäden zieht sich über Jahre hin, viele füllen ganze Aktenordner. Diese Kosten der Schadenregulierung fallen selbstverständlich auch bei einer Eigengründung an und keinesfalls "fast komplett weg", es sei denn, die Krankenhäuser würden diese Bearbeitung selbst übernehmen wollen, wozu die meisten personell überhaupt nicht in der Lage sind und, was rechtlich, wenn man dann dafür einen eigenen Versicherer gegründet hat, prinzipiell auch nicht möglich ist. Die Kosten der Erstellung und Verwaltung einer Police, des Inkassos, des Einkaufens von Rückversicherungsschutz und alle erforderlichen Verwaltungsaufgaben spielen vom Volumen her sicherlich eine untergeordnete Rolle, fallen aber ebenso an. Oder soll eine Eigengründung keine Policen erstellen, keine Nachträge dokumentieren, wenn sich Dinge bei den Versicherungsnehmern verändern, keinen Rückversicherungsschutz einkaufen? Auch bei den Verwaltungskosten gibt es Skaleneffekte, die in der Regel die größeren Versicherer begünstigen, denn auch eine kleinere Gesellschaft, also z. B. Michael Pegas Eigengründung, benötigt eine gewissen Mindestanzahl von juristischen Spezialisten, einen Mindeststamm, der auch bei Krankheit und in der Urlaubszeit zur Verfügung steht etc., so dass es in der Praxis sehr schwierig sein dürfte, für eine Neugründung hier tatsächlich mit geringeren Kosten zu arbeiten.

Makler erhalten 10 bis 12 Prozent
Damit bleibt der Vertrieb. Hier wird oftmals unterstellt, ein Versicherungsmakler erhält 20 Prozent aus der Nettoprämie, weil es ihm gelungen ist, einen Vertragsabschluss zustande zu bringen. Tatsächlich liegt die durchschnittliche Vergütung in der Krankenhaus-Haftpflichtversicherung heute vielleicht noch bei etwa 10 bis 12 Prozent, wofür der Versicherungsmakler jedoch keinesfalls nur den Vertrag abschließt, sondern seinen Kunden das Jahr über begleitet, berät, Schäden aufnimmt, Fragen beantwortet, beim Risk-Management unterstützt, wenn nicht gar dieses selbst durchführt etc. Auch diese Leistungen muss jemand erbringen. Soll der Versicherungsmakler in dem Modell von Herrn Pega keine Rolle mehr spielen, müsste es angestellte Mitarbeiter geben, die den Kunden betreuen, denn die Krankenhaus-Haftpflichtversicherung ist betreuungsintensiv und kann keinesfalls mit einer im Internet abgeschlossenen Kfz-Versicherung verglichen werden. Es bleibt mithin wohl Michael Pegas Geheimnis, wie er die benannten etwa 30 Prozent Verwaltungs- und Vertriebskosten, die insgesamt wohl durchaus realistisch sind, einsparen möchte. Und dies alles sind letztlich auch die Gründe dafür, warum das Begehren von Herrn Pega schon seit Jahren bei den von ihm angesprochenen Krankenhausträgern und Geschäftsführern zu keinem Erfolg geführt hat. Auch mit einigen unserer Mandanten sind entsprechende Verhandlungen geführt worden, sobald es jedoch ins Detail ging, blieb Herr Pega die Antworten schuldig.

Gäbe es das Potenzial, würden nicht so viele abspringen
Wenn es denn tatsächlich 10, 20 oder mehr Prozent gäbe, die man irgendwo einsparen könnte, würden sich nicht immer mehr Anbieter vom Markt zurückziehen, sondern neue Gesellschaften in Erscheinung treten, die gerade in der derzeitigen Marktsituation hohes Interesse finden würden, selbst wenn sie nicht preiswerter als die Mitbewerber, sondern nur auf dem gleichen Niveau anbieten würden. Die 10, 20 oder mehr Prozent, die man angeblich einsparen könnte, könnten diese Gesellschaften dann direkt in ihren Gewinn überführen. Es muss wohl Gründe geben, warum so viele auf diese Chance freiwillig verzichten…

Sortierung

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen