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kma März-AusgabePrämienexplosion bei der Klinikhaftpflicht

Die Haftpflichtprämien steigen massiv. Kliniken, Verbände und Konzerne suchen nach Alternativen zu herkömmlichen Versicherungsmodellen.

Michael Pega war früher beim Gerling-Konzern für das internationale Haftpflichtgeschäft verantwortlich und auch heute noch arbeitet er als Versicherungsmakler. Er ist bekannt in der Krankenhausbranche, weil er seit über zehn Jahren Klinikchefs für seine Idee einer eigenen Spartenversicherung zu gewinnen versucht. Es würde sich lohnen, ist Pega überzeugt, wenn Krankenhäuser zugleich Gesellschafter als auch Kunde ihrer Versicherung wären. Viele haben sich den Vorschlag angehört, doch wirklich großes Interesse ist erst seit Herbst letzten Jahres entflammt: Große Krankenhausträger wie Helios und Wirtschaftsprüfungsunternehmen, die Kliniken beraten, nehmen vermehrt Kontakt zu Pega auf.

Was ist passiert? Bis vor 10 bis 15 Jahren war der Posten Haftpflichtversicherung für Krankenhäuser eher eine Petitesse. Viele Versicherer hatten die Kliniken als Kundenkreis entdeckt und unterboten sich mit ihren Prämienangeboten. Die Krankenhäuser zahlten deutlich unter einem Prozent ihres Kostenblocks für die Haftpflichtversicherung – in anderen Branchen sind es oft 1,5 Prozent. Doch in den letzten Jahren sind die Prämien kontinuierlich gestiegen. Kräftig draufgesattelt haben die Versicherer dann zum Jahreswechsel 2013. "Die Prämien sind bei vielen Häusern zwischen 12 und 40 Prozent, bei einigen sogar über 100 Prozent gestiegen”, erklärt Mathias Lenschow vom Versicherungsmakler Funk Hospital. Die Bettenprämie, nach wie vor die vorrangige Methode der Prämienermittlungen, ist je nach Risikostruktur eines Hauses auf 800 bis 1.000 Euro geklettert. Damit übersteigt die Prämie für ein Krankenhausbett bei Weitem die eines Kleinwagens. Vor zehn Jahren lag die Prämie noch zwischen 100 und 200 Euro.

Sechs Oligarchen machen Kasse
Die Versicherer begründen den Anstieg im Wesentlichen mit den Ergebnissen einer Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die 2012 an die Versicherer ging. Der GDV hatte 120.000 Personenschäden zwischen 1998 und 2008 untersucht und stellte eine Steigerung der Schadenaufwände für Kliniken von sieben Prozent pro Jahr fest. "Für den Zeitraum ab 2003 liegen die Steigerungen sogar bei etwa 14 Prozent”, behauptet die Allianz. Die Gründe für die Steigerung sind den Versicherern zwar bekannt, doch über die Höhe herrschte Unklarheit, weil das Risiko schwer kalkulierbar ist: Die Geschädigten benötigen als Pflegebedürftige oft über Jahrzehnte hohe Summen, und die Gerätemedizin wird immer besser – und teurer. Zudem stellen Krankenkassen mittlerweile systematisch Regressforderungen gegen die Versicherungen für Behandlungskosten, die sie früher ohne Murren gezahlt haben.

Ebenso großen Einfluss auf die Prämienexplosion wie die GDV-Studie dürfte allerdings der Rückzug einiger Versicherer aus dem Markt haben – allen voran der Komplettausstieg der Zurich Versicherung. Das Schwergewicht kündigte zum Ende 2012 seinen über 200 Klinikkunden, die daraufhin hastig Ersatz suchen mussten. Auch die Stuttgarter Sparkassenversicherung und die Westfälische Provinzial verabschieden sich gerade aus dem Markt. Damit ist ein Oligopol von nur noch sechs überregionalen Versicherern entstanden: Allianz, Ergo, R+V, die Versicherungskammer Bayern, Basler und die neu in den Klinikmarkt eingestiegene HDI. Von den US-amerikanischen Versicherern, die in den letzten Jahren in den deutschen Markt drängten, hat keiner die Haftpflichtversicherung der Kliniken überhaupt erst in sein Portfolio aufgenommen.

Seit der Zurich-Konzern ausgestiegen
ist, schlagen die Übriggebliebenen kräftig auf. Der Verhandlungsspielraum für Kliniken tendiert gegen Null. Sie rutschen in die Rolle des Bittstellers. "Es ist schön, wenn man einen Zwei-Jahresvertrag bekommt, normalerweise sind es aber Jahresverträge, und im Grunde darf man jedes Mal froh sein, wenn der Versicherer – zu höheren Preisen – verlängert”, sagt der Geschäftsführer einer kleinen westdeutschen Klinik. Nicht nur die Kleinen ächzen: Auch große Häuser, wie die Uniklinik Heidelberg, müssen derbe Prämiensteigerungen hinnehmen. Der Zurich-Kunde musste umsatteln und zahlt jetzt 70 Prozent mehr für die neue Prämie. Die Berliner DRK-Kliniken Westend zahlen sogar fast hundert Prozent mehr.

Den kompletten Artikel mit Beispielrechnungen, Informationen zur Entwicklung des kommunalen Schadenausgleichs und vieler weiterer Details lesen Sie im Artikel Prämienexplosion in der kma-März-Ausgabe.

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