Im Kreuzfeuer der Kritik

"Spiegel" macht Asklepios zum Sinnbild gnadenlosen Klinikmanagements

Pflegekräfte werden als Kostenfaktor betrachtet, Ärzte am Gewinn gemessen und Patienten als Kostenpauschale behandelt – der „Spiegel“ zeichnet in seiner aktuellen Ausgabe ein düsteres Bild des Krankenhauskonzerns Asklepios. Vor allem die Klinik St.Georg in Hamburg stehe demnach für gnadenlose Ökonomisierung. 

Eine Medizin ohne wirtschaftlichen Druck gebe es heute in keinem Krankenhaus mehr, egal ob öffentlich, privat oder gemeinnützig. Negative Folgen des ökonomisierten Gesundheitswesens in Deutschland beträfen auch andere private Klinikketten wie Sana, Helios oder die Schön Klinik, schreibt der Spiegel in seiner aktuellen Titelstory. Allerdings stehe kaum ein anderer Betreiber in dem Ruf, „das Gesundheitssystem und seine Grenzen so sehr auszureizen, seine Vorgaben so hart zu exekutieren und seine Mitarbeiter so harsch zu behandeln“ wie Asklepios – vor allem in Hamburg. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins haben Pflegekräfte dort in diesem Jahr rund 5.200 sogenannte Gefährdungsanzeigen verfasst, davon 837 allein in der Hamburger Klinik St. Georg – offenbar doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

 

Senatsvertreter im Aufsichtsrat laut Spiegel nur "Marionetten"

Der "Spiegel" nennt als weiteren Grund, dass die Senatsvertreter im Aufsichtsrat von Asklepios nur "Marionetten" seien – obwohl Hamburg mit 25,1 Prozent an den Asklepios-Kliniken in Hamburg beteiligt ist. Demnach müssten die Aufsichtsräte das Gremium verlassen, sollten sie einen von Asklepios vorgeschlagenen Geschäftsführer nicht billigen. Das sei im Paragraf 1 der geheimen Gesellschaftervereinbarung geregelt, die dem Magazin vorliege. Die Unterwerfung Hamburgs unter die Vorstellungen von Asklepios zeige sich auch darin, dass über den Wirtschaftsplan und die Gewinnziele mit einfacher Mehrheit entschieden werde.

 

Kaufvertrag mit Hamburg enthüllt

Hamburg hätte im Zuge der Privatisierung des Landesbetriebs Krankenhäuser (LBK) vor gut zehn Jahren außerdem eigentlich 318 Millionen Euro erhalten sollen, berichtet der „Spiegel“ weiter. 75 Millionen dieser 318 Millionen Euro habe Asklepios aber nicht überweisen müssen, da der Klinikkonzern in den ersten fünf Jahren nach Verkauf es nicht geschafft habe, insgesamt 408 Millionen Euro an Gewinn (Ebitda) zu erwirtschaften.

 

Thomas Wolfram: deutsche Gesundheitspolitik ist schuld

Die drei Autoren haben im Zuge des Artikels drei Stunden mit Thomas Wolfram gesprochen, der zusammen mit Kai Hankeln den Vorsitz der Konzerngeschäftsführung innehat. Laut Wolfram werde Asklepios „von Mitarbeitern und Medien für Probleme gescholten, die die deutsche Gesundheitspolitik den Krankenhäusern eingebrockt habe“. Es könne nicht sein, dass sich die Länder aus ihrer Investitionsverpflichtung verabschiedeten, „aber anschließend Krankenhausbetreiber, die keine Steuersubventionen erhalten, dafür brandmarken, dass sie das Geld verdienen um diese Lücke zu füllen“, zitiert ihn der „Spiegel“ weiter.

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