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UniklinikenSpitzenmedizin in der Krise

Unikliniken fühlen sich bedroht. Immer mehr Häuser rutschen in die roten Zahlen, auch weil Maximalversorger durch Spezialisierung ins Geschäftsfeld der Klinikriesen eindringen. Jetzt kämpfen die Unikliniken um ihren Führungsanspruch.

Der Verband der Uniklinika Deutschlands (VUD) verbreitet derzeit Alarmstimmung. Im Geschäftsjahr 2012 schrieb nur noch ein Drittel der Unikliniken schwarze Zahlen, klagt er. 2013, schätzt der Verband, werden die Unikliniken zusammen über 73 Millionen Euro Miese machen. Damit sind Unikliniken nun dort angekommen, wo sich die kommunalen Häuser schon lange befinden: Im existenziellen Grabenkampf. Was einigen Unikliniken in den nächsten Jahren blühen könnte, zeigt sich derzeit in Halle. "Zwei Unikliniken auf höchstem Niveau zu finanzieren, kann sich Sachsen-Anhalt langfristig nicht leisten”, erklärte Sachsen-Anhalts Finanzminister Bullerjahn kürzlich. Er drohte, Halle den Geldhahn zuzudrehen und rückte erst nach schweren Protesten davon ab. Nun muss Halle kräftig abspecken, vor allem in der Forschung: 50 Millionen Euro der Ausgaben für die Universitätsmedizin will Sachsen-Anhalt bis 2020 kürzen. Die Eskalation in Halle mag zum Teil hausgemacht sein und liegt sicher auch an der Armut des Bundeslands Sachsen-Anhalt. Dennoch sie ist auch exemplarisch, denn Häuser im reichen Süden, wie Ulm oder Tübingen, stecken ebenfalls in der Krise. "Es können doch nicht plötzlich alle Unikliniken en bloc ins Defizit rauschen. Wir sind doch nicht zufällig alle schlecht gemanaged”, bemerkt Bettina Hailer, Kaufmännische Direktorin der Uniklinik Halle.

Albrecht ärgert sich über die Rosinenpicker
In der Tat gibt es mehrere Gründe für den Schlingerkurs der Unikliniken: Für ihre Leistungen, etwa in der Hochschulmedizin oder bei seltenen Erkrankungen, die niemand sonst im System behandeln will, bekommen Unikliniken zu wenig Geld. Die Uniklinik-Lobby, bestehend aus VUD und Medizinischem Fakultätentag (MFT), fordert daher seit Monaten vehement eine Finanzspritze des Bundes (siehe Kasten links). Tatsache ist aber auch, dass Maximalversorger durch Spezialisierung in bestimmten Fächern auf die höher vergüteten Leistungen schielen. Längst gehen die Patienten bei schweren Krebs- oder Herzoperationen nicht mehr automatisch in Unikliniken. Die Patientenströme verschieben sich, und das kratzt sowohl am Selbstverständnis als auch am ökonomischen Erfolg der Unikliniken. Michael Albrecht, Chef der Uniklinik Dresden und Präsident des VUD, räumt ein, dass auch ein Maximalversorger Spitzenmedizin liefern kann. "Die schweren, teuren Fälle landen aber immer bei den Unikliniken. Maximalversorger, zumal privat geführte, betreiben Rosinenpickerei. Nehmen wir das Beispiel Herzerkrankungen: Die Behandlung ist auskömmlich, weil sie gut bezahlt wird und relativ standardisiert abläuft. Dass jedoch ein Maximalversorger eine dermatologische Ambulanz oder eine Mukoviszidose-Station eröffnen will, ist mir nicht bekannt. Das sind besondere Leistungen der Unikliniken.” Diese Rosinenpickerei basiert nach Meinung der Unikliniken auf einer Fehlsteuerung des DRG-Systems. "Viele Einrichtungen, die eigentlich nicht so aufgestellt sind, suchen ihr Heil in der Highend-Versorgung, weil sich damit gut verdienen lässt”, bemängelt Ralf Heyder, designierter Generalsekretär des VUD. "Die Frühchenversorgung ist beispielsweise nach der DRG-Einführung massiv in die Fläche gegangen, obwohl diese Leistungen viel besser in Zentren aufgehoben sind.”

Wer ein Netzwerk führt, darf nicht elitär sein
"Der Bund muss mehr Mitverantwortung für die Finanzierung der Hochschulmedizin übernehmen”, fordert auch Hajo Kroemer, Präsident des MFT. Eine befriedigende Antwort auf die Frage, welche Rolle die Unikliniken in Zukunft spielen sollen, liefern bisher jedoch weder der Fakultätentag noch die Ministerien von Bund und Ländern oder der VUD. Da Politik und Verbände keinen Plan haben, müssen die Unikliniken selbst nach ihrer Rolle suchen. In der Krankenversorgung heißt das vor allem: abwägen. "Was bau ich aus, wo zieh ich mich zurück, diese Frage treibt mittlerweile alle Unikliniken um”, sagt Heyder vom VUD. Die Uniklinik, so die Lesart seines Verbands, müsse in jedem Fall die führende Rolle in der regionalen Versorgung spielen. Ansätze dieser Strategie findet man in Dresden. Klinikchef Albrecht hat dort eine GmbH gegründet, das Carus Consilium Sachsen, das mehrere regionale Versorgungsprojekte betreut und führt. "In einem Flächenland kann man nicht alle 20 Kilometer einen Alzheimerexperten platzieren. Aber seine Expertise muss dennoch zur Verfügung stehen”, erklärt Albrecht. Die Fachleute sitzen naturgemäß in der Uniklinik. "Wir haben in den vergangenen Jahren ein Krebs- und ein Schlaganfallzentrum eröffnet. Dort behandeln wir die schweren Fälle und geben ansonsten unseren Partnern telemedizinische Beratung. Wir stellen in Tumorboards unseren Neuropathologen zur Verfügung und verfassen Checklisten für die richtige Behandlung. Wir sorgen dafür, dass unsere Standards auch in der Region 80 Kilometer entfernt angewandt werden.” Führen heißt aber auch, über seinen Tellerrand hinausschauen. "Man muss den Elfenbeinturm verlassen”, nennt es Albrecht. "Man darf nicht elitär auftreten, wie der Kraftprotz, der alle platt macht. Wenn eine Uniklinik ein Krebszentrum eröffnet, herrscht dort häufig noch die Denke: ‚Jetzt kommen die Patienten alle zu uns, weil wir so toll sind.‘ Aber das ist falsch. Das schürt Angst bei niedergelassenen Ärzten und kleineren Krankenhäusern. Das Netzwerk funktioniert dann nicht. Wir mussten in der Umgebung über viele Jahre Vertrauen aufbauen, denn die Angst, dass wir allen die Fälle wegnehmen, war riesig. Mittlerweile vertrauen uns viele, wenn auch nicht alle.”

Lesen Sie weiter: Den vollständige Artikel lesen Sie in der kma-Juli-Ausgabe.

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