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KlimaschutzUKHD entwickelt Treibhausgas-Rechner zur Reduktion

Im Rahmen des neuen Klima-Projekts „KliOL" am Universitätsklinikum Heidelberg werden die Lieferketten in den Blick genommen. Zusätzlich soll ein neuer Treibhausgas-Rechner zukünftig den Erfolg von Klimaschutzmaßnahmen messbar machen.

OP Mülltrennung
Universitätsklinikum Heidelberg

In Vorbereitung einer Operation fällt viel Verpackungsmüll an. Im Rahmen des Projekts KliOL soll erprobt werden, wie sich dieser praxistauglich trennen und dem Recycling zuführen lässt.

Rund zwei Drittel der Emissionen im Gesundheitssektor werden durch die in einer Klinik verwendeten Verbrauchsmaterialien, Medizinprodukte und Medikamente – angefangen bei der Herstellung, über den Transport bis hin zur Entsorgung - verursacht. Diesen Posten um mindestens 6 000 Tonnen sogenannter CO2-Äquivalente zu senken, ist Ziel des Projektes „Klimaschutz in Kliniken durch Optimierung der Lieferketten“ (KliOL) des Instituts für Global Health am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu).

Projekt wird mit 210 000 Euro gefördert

Dazu entwickeln die Projektpartner einen Treibhausgas-Rechner speziell für Krankenhäuser, der explizit die Emissionen unter anderem aus den sogenannten Lieferketten miteinbezieht. Mit Hilfe des Rechners können erfolgsversprechende Klimaschutzmaßnahmen benannt, erprobt und ausgewertet werden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit drei Jahre lang mit 210 000 Euro gefördert.

KliOL nehme erstmals für eine deutsche Klinik gezielt die Lieferketten in den Blick, so die Kaufmännische Direktorin Katrin Erk. Gemeinsam mit der neu eingerichteten Stabstelle für Nachhaltigkeit und Klimaschutz am UKHD, die aktuell besetzt würde, wolle man den Weg in Richtung „grünes Krankenhaus“ einschlagen.

240 000 Tonnen CO2-Äquvalente im Jahr 2019

Der Gesundheitssektor in Deutschland ist laut einer internationalen Studie (Health Care´s Climate Footprint) der weltweit tätigen Nichtregierungsorganisation „Health Care Without Harm“ für rund sechs Prozent des deutschen Treibhausgasausstoßes (ca. 57 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente) verantwortlich. „Der Beitrag des Gesundheitssektors zum Klimawandel entspricht weltweit in etwa dem Doppelten des Flugverkehrs“, erläutert Projektleiterin Dr. Alina Herrmann, Institut für Global Health am UKHD.

Zur Ermittlung des vollständigen Treibhausgasausstoßes des Universitätsklinikums inklusive Lieferketten und Mobilität von Mitarbeitenden, Patienten und Besuchern trägt das Projektteam zunächst die benötigten Daten aus allen Bereichen zusammen. Vorläufige Berechnungen ergeben einen durchschnittlichen Jahresausstoß von ca. 240 000 Tonnen CO2-Äquvalenten im Jahr 2019. Die Reduktion der Treibhausgase soll über Änderungen bei der Produkt-, Medikamenten und Speisenauswahl, Recycling sowie die Patienten- und Mitarbeitermobilität erreicht werden. Die Maßnahmen sind derzeit in Planung, eine Kickoff-Konferenz wird am 11. und 12. Juli 2022 stattfinden.

Pilotprojekt zur Mülltrennung im OP

„Wie erwartet, verursachen die Medikamente in Herstellung, Beschaffung und Verbrauch einen großen Anteil der Emissionen. Wir sind daher mit dem Team der Klinikumsapotheke um Dr. Torsten Hoppe-Tichy in engem Austausch. Darüber hinaus startet demnächst ein Pilotprojekt zur Mülltrennung in einem OP-Bereich, um Praxistauglichkeit und Effekte zu überprüfen“, erläutert die Projektleiterin.

Vom 23. bis 25. Juni 2022 kommen auf Einladung des Instituts für Global Health (HIGH) am Universitätsklinikum Heidelberg führende Expertinnen und Experten zu einem gemeinsamen Symposium zusammen, um sich über Strategien im Kampf gegen die beiden großen globalen Herausforderungen, Klimawandel und Pandemien, auszutauschen und gemeinsame Forschungsfragen zu definieren. Am Donnerstag, 23. Juni, ist ab 14 Uhr eine Session dem Thema „Klimaresiliente Gesundheitssysteme" gewidmet, in der unter anderem Dr. Herrmann das Heidelberger Projekt KliOL vorstellen wird.

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