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Uniklinikum AugsburgWie nachhaltig können Einweg-Endoskope sein?

Am Universitätsklinikum Augsburg wurde erstmals eine Endoskopie mit einem Einweg-Endoskop durchgeführt. Nachhaltigkeit klingt in diesem Zusammenhang wie ein Widerspruch, ist aber keiner.

Einweg-Endoskop der dänischen Firma Ambu
Ines Lehmann

Dr. Alanna Ebigbo (Mitte) zeigt das Einweg-Endoskop vor Beginn der Untersuchung den Kolleginnen und Kollegen.

Am Universitätsklinikum Augsburg fand im Mai 2022 die deutschlandweit erste Endoskopie mit einem speziellen Einweg-Endoskop statt. Das Medizinprodukt soll die Patientensicherheit um ein Vielfaches erhöhen und einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Hergestellt werden die Einweg-Endoskope von der dänischen Firma Ambu mit einer Dependence im Augsburger Innovationspark.

Lichtausbeute und Griffsicherheit

Dr. Alanna Ebigbo, Oberarzt an der III. Medizinischen Klinik, hat das Einweg-Endoskop bei einem Eingriff im oberen Verdauungstrakt eines Patienten verwendet. Die Vorteile des Endoskops lägen hierbei in der verbesserten Kamera, deren LEDs mit integriertem Weißabgleich ausgestattet sind. Schlechte Lichtverhältnisse gleicht die Kamera durch eine bessere Lichtausbeute aus, was Zeit spart und den Eingriff verkürzt. Ein weiteres Plus sei der geriffelte Griff, der bei einem Mehrweg-Endoskop glatt sein muss, um die Gefahr der Ansiedlung von Mikroorganismen zu minimieren. Für den Chirurgen bedeutet das Griffdesign beim Einweg-Modell aber eine bessere Griffsicherheit. Im Design sei man bei Mehrweg-Endoskopen insgesamt viel abhängiger von den Kriterien Haltbarkeit und Wiederaufbereitbarkeit.

Nachhaltiges Einwegprodukt

Prof. Dr. Helmut Messmann, Direktor der III. Medizinischen Klinik und Präsident der Europäischen Gesellschaft für Gastroenterologie (ESGE) kündigte die baldige Publikation eines Positionspapiers an, das sich unter anderem mit Green Endoscopy beschäftige. Was im ersten Moment widersprüchlich klinge, einweg und nachhaltig, sei durchaus vereinbar. Ein Mehrweg-Gerät benötige schließlich Personal, Waschmaschinen, jede Menge Wasser und toxische Substanzen zur Sterilisation.
 
Die Testphase der Einweg-Endoskope ist bereits abgeschlossen. Sie werden ab sofort abhängig von der Untersuchungsart, vom Patienten und von der Zeit des Eingriffs eingesetzt. Der Einsatz von Single-use-Endoskopen ist bspw. nachts definitiv ressourcenschonender, weil man die Nachtpflegekräfte dann nicht mit der aufwendigen Vorreinigung der Mehrweg-Endoskope beauftragen muss. Zur Untersuchung der Frage, welche Art von Endoskop nachhaltiger sei, hat die Firma Ambu eine eigene Arbeitsgruppe gegründet.

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