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Green IT im GesundheitswesenWie können wir nachhaltige Klinik-IT umsetzen?

Energiebedarf und Energiepreise steigen. Konzepte der Nachhaltigkeit sind deshalb die Aufgabe der kommenden Jahre. Inwiefern ist „Green IT“ bereits in den Krankenhäusern angekommen? Was braucht es dafür noch? kma Online hat dazu zwei Experten aus der deutschen Kliniklandschaft befragt.

 

Dr. Peter Gocke
Scott MacDonald

Dr. Peter Gocke ist seit 2017 Leiter der Stabsstelle „Digitale Transformation“ an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Herausgeber der kma.

Armin de Greiff
Privat

Armin de Greiff ist technischer Direktor der zentralen IT der Universitätsmedizin Essen (UME) und „Herr über drei Rechenzentren“, in denen über 1000 Server ihren Dienst verrichten.

Green IT
Parradee/stock.adobe.com

Symbolfoto

Digitale Technologie hat in den letzten Jahren den Weg für kostenreduziertes, effizienteres und papierloses Arbeiten im klinischen Betrieb geebnet. Doch zum nachhaltigen, klinischen Wirtschaften und damit zu einem vorzeigbaren, ökologischen Fußabdruck der Krankenhäuser hat diese Technologie bislang nur wenig beigetragen. Das soll sich jetzt ändern.

Mit dem fortschreitenden Klimawandel wird es heute zunehmend wichtig, dass Kliniken ihre „energiehungrigen“ IT-Systeme gezielt einsetzen, um klimaschonend oder sogar klimafreundlich zu arbeiten. Welche Nachhaltigkeitskonzepte für eine bessere Öko-Bilanz können, trotz oder gerade erst durch IT, im Klinik-Betrieb inzwischen umgesetzt werden?

Die beiden IT-Spezialisten Armin de Greiff von der Universitätsmedizin Essen und Dr. Peter Gocke von der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben mit kma Online darüber diskutiert, wo die Stellschrauben für nachhaltiges klinisches Wirtschaften liegen – und was es jenseits bestmöglicher, medizinischer Leistungen IT-seitig dafür braucht. Von der Reduktion des Ressourcen-, Wasser- und Energieverbrauchs über Verbesserungen bei Logistik, Abfall- und Speise-Management bis hin zu innovativer Kommunikationstechnologie für Ärzte und Patienten – diese IT-Strategien setzen „Green Hospitals“ heute bereits ein, um ihre Energiebilanz zu optimieren.

Was ist umweltfreundliche IT im Krankenhaus überhaupt?

De Greiff: Die Frage sollte vielleicht eher lauten: Was ist nachhaltige IT im Krankenhaus? Viel zu oft wird umweltfreundliche IT ausschließlich mit sparsamen Endgeräten und Servern in Verbindung gebracht.

Dr. Gocke: Dabei betrifft sie nicht nur das Management von Hardware-Endgeräten, sondern auch Energieeinsparungen durch klinische Software-Systeme und mobile IT-Anwendungen.

Wie können Krankenhäuser ihre Hardware nachhaltiger verwalten?

Dr. Gocke: Man kann zum Beispiel Energie einsparen, indem man die Endgeräte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg nutzt und nicht zu früh ersetzt. Aus Nachhaltigkeitsgründen ist eine längere Betriebsdauer von bis zu fünf Jahren nicht nur bei PCs und Laptops, sondern auch bei Smartphones sinnvoll – und sogar darüber hinaus, wenn kein Defekt auftritt.

De Greiff: Gerade mobile Endgeräte sind zwar oftmals sehr energieeffizient, jedoch wenig nachhaltig, wenn sie alle zwei Jahre ausgetauscht werden. Natürlich legen wir in der Universitätsmedizin Essen auch Wert auf energieeffiziente Netzteile und auf den Verzicht kritischer Bestandteile – wie es auch der Gesetzgeber vorgibt. Es ist aber nicht realistisch zu erwarten, dass wir zugunsten sparsameren Verhaltens auf Leistung verzichten können. Spitzenmedizin und datengetriebene Forschung wie z.B. Genanalysen und künstliche Intelligenz erlauben nur wenig Kompromisse.

Dr. Gocke: Beim Drucker-Management im Krankenhaus empfiehlt es sich, Geräte zu reduzieren und Gerätetypen zu vereinheitlichen, d.h. Standarddrucker einzuführen. So spart man auch Verbrauchsmaterialien. Idealerweise lassen sich Krankenhäuser Verbrauchsmaterialien wie Tonerkartuschen nur auf Bedarf liefern. Bis heute legen sich viele Kliniken große Vorräte an solchen Verbrauchsmaterialien an – die dann verfallen, wenn andere Gerätetypen als Nachfolgemodelle angeschafft werden. Das sind nicht nur erhebliche Finanzwerte – es ist auch eine Umweltbelastung. Hier können wir viel zum Nachhaltigkeitsmanagement beitragen. In der Charité haben wir dafür, wie viele Krankenhäuser, mittlerweile sogar eine eigene Stabsstelle.

De Greiff: Man muss sich, angesichts der immer schnelleren Innovation und der damit einhergehenden, kürzeren Nutzungsdauer, über das sogenannte Life-Cycle-Management der Systeme ernsthaft Gedanken machen: Wir versuchen uns zum Beispiel mit resilienten, herstellerunabhängigen, verteilten Speichersystemen unabhängiger von den zeitlich limitierten Garantien der Hersteller zu machen.
Server, die u.U. nicht mehr für die Spitze der Forschung geeignet sind oder mangels Herstellersupport nicht mehr für sensible Systeme eingesetzt werden können, werden als sogenannte Terminalserver eingesetzt, bei denen ein Ausfall weniger schlimm ist.

Wo sehen Sie noch Einsparpotenziale in der Krankenhaus-IT hinsichtlich des Energieverbrauchs?

Dr. Gocke: Der Rechenzentrumsbetrieb stellt einen hohen Verbrauchsfaktor dar. Der in Watt gemessenen Energieaufwand, den man benötigt, um Server in einem Krankenhaus-Rechenzentrum zu betreiben, verdoppelt sich, wenn man hinzurechnet, dass diese Räumlichkeiten gekühlt werden müssen, damit die Geräte funktionsfähig bleiben. Ansonsten verkürzt sich die Lebensdauer, je wärmer der Server betrieben wird.

De Greiff: Eine entscheidende Frage für große Rechenzentren ist, wie die enorme Abwärme abtransportiert und gegebenenfalls sekundär genutzt werden kann. Nicht nur die Server verbrauchen Energie, auch die Kühlung. Diese Wärmeenergie ließe sich selbstverständlich für die Gebäudeheizung nutzen.

Dr. Gocke: Wer heute moderne Rechenzentren betreibt oder baut, kann deshalb bautechnisch viele Verbesserungen bewirken, z.B. indem man Kühlgänge einbaut, welche die warme Luft abführen, so dass die Rechenzentren mit weniger Kühlung auskommen. Das ist natürlich nur möglich, wenn man gerade ein neues Rechenzentrum baut. Solche Investitionen kann sich nicht jedes Krankenhaus leisten.

De Greiff: Man muss ehrlicherweise zugeben: wir können hier kaum von Einsparpotenzialen reden, sondern eher davon, die Zunahme des Energieverbrauchs zu verlangsamen. Das, was wir vermeintlich am Endgerät an Energie einsparen, investieren wir in den Serverräumen. Die mittlerweile fast omnipräsente Diskussion um Big Data und Künstliche Intelligenz heizt den Energieverbrauch weiter an.

Sind Cloud-Services eine „grüne“ Lösung für diese Herausforderung?

Dr. Gocke: Ja. Klinische Rechenleistungen in Cloud-Betriebe zu überführen, ist ein möglicher Weg für die Zukunft. Cloud-Dienstleister, die professionelle Rechenzentren betreiben, bieten den Vorteil, dass sie ganz anders skalieren. Sie können sich beispielsweise wesentlich effizientere Kühlmaßnahmen und Systeme leisten.

De Greiff: Ich stelle die These auf, dass Energieeinsparung nur auf großen Skalen funktioniert - also in großen zentralen Rechenzentren. Krankenhäuser die sich gegen eigene, lokale Rechenzentren auszusprechen und in die Cloud migrieren, können möglicherweise vom effizienten Design moderner Rechenzentren profitieren.

Dr. Gocke: Jedes Rechenzentrum hat gewisse Serverleistungen in der Hinterhand, die mitbetrieben werden – für den Fall, dass einmal Lastspitzen abgefangen werden müssen. Dabei sind Cloud-Dienstleister effizienter. So mancher Cloud-Dienstleister, wie z.B. Microsoft, nutzen die Abwärme aus den Rechenzentren mittlerweile auch, um damit Fernwärme für städtische Betreiber zu liefern. Das schafft man mit einem Krankenhaus-Rechenzentrum natürlich nicht.

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