Georg Thieme Verlag KG

Beleuchtung im KrankenhausVermeidung der typischen Flur-Atmosphäre

Joachim Straub, Projektmanager bei Trilux erläutert, welche neuen Lichtkonzepte in Krankenhäusern eingesetzt werden und wie Licht den Genesungsprozess und das Wohlbefinden von Patienten fördern kann.

Joachim Straub, Projektmanager bei TRILUX
Foto: TRILUX

Joachim Straub, Projektmanager bei TRILUX

Lichtkonzept im Krankenhaus der Firma TRILUX
Foto: TRILUX

Lichtkonzept im Krankenhaus der Firma TRILUX

Licht ist nicht nur lebensnotwendig, sondern es steuert auch den Schlaf- Rhythmus, beeinflusst den Hormonhaushalt und hat Auswirkungen auf unsere Stimmung. Deshalb sollte auch künstliches Licht mehr leisten, als nur "hell zu sein". Welche Anforderungen versuchen Sie im Umgang mit Licht umzusetzen?

Unser Ziel ist es, den Anwender mit genau dem richtigen Licht in seiner jeweiligen Lebenssituation zu unterstützen. Bei der Entwicklung unserer Beleuchtungslösungen berücksichtigen wir bzw. nutzen wir gezielt den aktuellen Stand der Forschung, der die Zusammenhänge zwischen Licht und endogenen Prozessen wie Schlaf- Wachrhythmus, Konzentrationsfähigkeit und Wohlbefinden klar belegt. Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickeln wir intelligente HCL-Lösungen (Human Centric Lighting), also Lichtlösungen, die das Wohlbefinden des Menschen in den Mittelpunkt stellen. Die Lösungen können beispielsweise circadiane Tagesverläufe abbilden oder gezielt warm- oder kaltweißes Licht zur Förderung von Konzentration bzw. Entspannung spenden. Darüber hinaus gewinnen RGBW Leuchten als unterstützende und stimmungsprägende Elemente zunehmend an Bedeutung.

 

Gerade im Krankheitsfall hat Licht eine besondere Bedeutung, denn der Aufenthalt in einem Krankenhaus erzeugt bei den meisten Menschen Unbehagen. Wie gelingt es Ihnen, Licht so einzusetzen, dass Patienten sich gut aufgehoben fühlen?

Hier spielen atmosphärische und funktionale Kriterien wie Lichtstärke, Lichtfarbe und Blendung eine wichtige Rolle. Alle Parameter sollten optimal auf die jeweiligen Zonen im Krankenhaus abgestimmt werden. Der erste Kontakt zwischen Patient und Klinik findet im Eingangsbereich statt. Deshalb ist hier eine angenehme und freundliche Lichtatmosphäre von besonderer Bedeutung. In den Gängen und Fluren steht dagegen eine blendfreie Orientierung im Vordergrund, die sich sehr gut durch kaltweiße Lösungen mit homogenem Licht von oben realisieren lässt. Gezielte Lichtakzente, beispielsweise auf Bilder oder Pflanzen sind dabei eine gute Möglichkeit, um die typische Krankenhaus- Flur-Atmosphäre zu vermeiden. In den Aufenthaltsbereichen wird gerne warmweißes Licht eingesetzt, das den Besucher beruhigt, so dass er sich während der Wartezeit besser entspannen kann. Und ideal für die Patientenzimmer ist eine individuell steuerbare Lichtlösung, bei denen das Licht anlassbezogen durch voreingestellte Lichtszenarien angepasst werden kann, beispielsweise leicht gedimmtes warmweißes Licht in den Ruhezeiten und helleres kaltweißes Licht während der Visite oder bei Versorgungsarbeiten wie Verbandswechsel. Patienten schätzen es darüber hinaus sehr, wenn sie das Beleuchtungsniveau individuell nach ihren Wünschen dimmen können.

 

Angenehm gestaltetes Licht kann das Befinden positiv beeinflussen. In welchen Kliniken ist das Ihrer Meinung nach besonders gut gelungen und warum?

Das MediClin Zentrum für Psychische Gesundheit in Donaueschingen nutzt Licht zur Unterstützung in der Behandlung von Depressionen, wenn Antidepressiva und Psychotherapie alleine nicht helfen. Bei der damit verbundenen Lichttherapie werden die Patienten nach einem vorgegebenen Therapieplan mit Licht unterschiedlicher Lichtfarbe und Intensität behandelt. Die Beleuchtungslösung ist unter anderem in den Patientenzimmern installiert, so dass die Patienten in ihrer „normalen“ Umgebung behandelt werden. Darüber hinaus lassen sich in den Patientenzimmern individuelle Lichtszenarien einrichten und bedarfsgerecht abrufen. Zur Stabilisierung des Biorhythmus setzt das MediClin Zentrum zudem klinikweit auf circadianes Licht.

Licht wird des Weiteren auch als flankierende nichtmedikamentöse Maßnahme bei der Alzheimer-Therapie eingesetzt, beispielsweise als Pilot- Projekt in einem Altenpflegeheim der französischen ORPEA-Gruppe, die mehr als 730 Einrichtungen in Europa betreibt. Die in dem Heim in Valenton installierte ganzheitliche TRILUX Beleuchtungslösung wurde speziell auf die Bedürfnisse der Alzheimerpatienten zugeschnitten. Mit Erfolg: Eine begleitende wissenschaftliche Studie belegt den positiven Einfluss der Lichttherapie auf Schlafstörungen sowie auf die Angstzustände der Alzheimerpatienten. Zum einen wird ihr Biorhythmus durch circadianes Licht stabilisiert, was die mit Erkrankung einhergehenden Begleiterscheinungen wie nächtliches Aufwachen deutlich reduziert. Darüber hinaus werden raum- und situationsabhängig gezielt aktivierende und beruhigende Lichtszenarien eingesetzt, um die Konzentration bzw. Entspannung der Patienten zu unterstützen. Ein weiteres Beispiel: Nachts wird das Beleuchtungsniveau im Flurbereich abgesenkt und über Anwesenheitssensoren geregelt. Betritt ein Bewohner den Erfassungsbereich, fährt das Licht langsam hoch – und zwar so, dass die Lichtstärke in Richtung des Wachbereichs zunimmt. Der Patient wird so über die Lichtwirkung automatisch in den Wachbereich gelenkt, wo ihn das Pflegepersonal in Empfang nehmen und versorgen kann.

 

In welchen Operationssälen hat Trilux beispielsweise die Beleuchtung konzipiert und warum auf diese Art?

Wir haben die OP Umfeldbeleuchtung bereits in zahlreichen Kliniken umgesetzt, beispielsweise im Klinikum Crailsheim und im neugebauten Endoskopiebereich der Helfenstein Klinik in Geislingen. In der Helfensteinklinik werden die Patienten beispielsweise vor der Narkose im OP gefragt, bei welcher Lichtfarbe sie gerne einschlafen möchten. Männer wählen hier bevorzugt blau, Frauen dagegen rot. Wichtiger als diese Wohlfühl- bzw. Komfort-Funktionen ist jedoch der hohe medizinische Zusatz- Nutzen. So wurde die Arbeit in der Endoskopie bislang am Monitor in einem abgedunkelten Raum durchgeführt. Mit der neuen TRILUX RGBW-Lösung wird blaues Licht mit ein wenig Rot gemischt. Das Ergebnis ist ein erhöhter Kontrast und eine deutlich verbesserte Sichtbarkeit kleinster Veränderungen bei der Schleimhautbeurteilung. Darüber hinaus sind auch feinste Instrumente und Führungsdrähte für das Fachpersonal sehr viel besser sichtbar. Ein weiterer Vorteil: Die Arbeit im farbig beleuchteten Raum ist deutlich weniger ermüdend, als im abgedunkelten Operationssaal.

 

Der Artikel ist aus der kma Ausgabe 02/17, die am 08.02. erscheint.

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