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Krankenhaus-Controlling„Viele Kliniken arbeiten ohne Standardprozesse”

Wie sieht es aus mit dem Controlling an Krankenhäusern? Diese Frage untersuchen Wissenschaftler erstmals in einer Langzeitstudie und liefern Klinikmanagern damit kostbares Entscheidungswissen. Ein Gespräch mit einem der Autoren.

Demnächst startet die dritte Etappe einer Langzeitstudie zum Krankenhauscontrolling, die vom Deutschen Verein für Krankenhaus-Controlling (DVKC), der Universität Wuppertal und der Managementberatung zeb/Münster durchgeführt wird. Durch die jährlich wiederholte Befragung werden die Erkenntnisse von Jahr zu Jahr aussagekräftiger. Ein kma-Gespräch mit Nils Crasselt, Professor für Controlling, über die bisher gewonnenen Ergebnisse und über Antworten, auf die er diesmal besonders gespannt ist.

Interview mit Nils Crasselt

Das Controlling in deutschen Krankenhäusern ist nie zuvor so umfassend untersucht worden wie in Ihrer Studie. Was ist denn die Quintessenz der bisherigen zwei Forschungsrunden seit dem Start der Studie 2011?
Die Studie zeigt, dass das Controlling deutscher Krankenhäuser bei den Standardaufgaben, insbesondere im Berichtswesen und in der Kosten- und Erlössteuerung, schon recht weit entwickelt ist. Allerdings gibt es auch hier Schwachpunkte wie die geringe Verbreitung mehrstufiger Deckungsbeitragsrechnungen. Weitaus heterogener sind die Ergebnisse zur Liquiditäts­planung, zum Risiko-Controlling und auch zur Steuerung in Krankenhauskonzernen beziehungsweise -verbünden. Unser Eindruck ist, dass Standardprozesse für diese Themen vielfach noch nicht definiert sind oder sich erst im Aufbau befinden.

Welches Entscheidungswissen können Sie zur Verfügung stellen, das es bisher so nicht gab?
Unsere Studie gibt den Verantwortlichen in Krankenhäusern ein klares Bild davon, wo sie mit ihren eigenen Controlling-Systemen im Vergleich zu anderen Krankenhäusern stehen. Ein solches Benchmarking kann die Aufmerksamkeit auf Bereiche lenken, denen in anderen Einrichtungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Unsere Auswertung der Einflussfaktoren ermöglicht dabei eine differenzierte Analyse, ob diese Unterschiede aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen begründbar sind, oder ob Nachholbedarf besteht. Jedes Krankenhaus muss ein Controlling-System finden, das zu den eigenen Rahmenbedingungen passt.

Auf Kongressen wie dem Krankenhaus-Controller-Tag tauschen Sie sich intensiv mit Fachleuten aus dem Krankenhaussektor aus. Welches Feedback haben Sie schon auf Ihre Studie bekommen? Und welche Controlling-Themen beschäftigen denn die Praktiker im Moment besonders?
Die Studienschrift erfreut sich großer Beliebtheit und wird mit Interesse nachgefragt. Die Ergebnisse der Studie werden in den Gesprächen bestätigt, aber auch teilweise kontrovers diskutiert, was die Machbarkeit im eigenen Haus angeht. Vor allem die identifizierten Handlungsfelder in Bezug auf das ökonomische Risiko-Controlling, die Liquiditätssteuerung, die anreizorientierte Steuerung und Vergütung sowie fachabteilungsbezogene Deckungsbeitragsrechnungen sind Gegenstand interessanter Diskussionen. Dabei spielt immer auch die Verbesserung der Kommunikation im Controlling zwischen Ärzten und Kaufleuten eine zentrale Rolle. Viele Controller wünschen sich eine Fortführung der Studie, um Entwicklungslinien noch stärker erkennen zu können. Sicherlich auch, um im einen oder anderen Fall in der eigenen Einrichtung für die Verbesserung der Transparenz und die Einführung neuer Instrumente werben zu können.

Den Fragebogen, den Sie den Krankenhäusern demnächst zuschicken, haben Sie in diesem Jahr erneut erweitert und modifiziert. Welche Fragestellungen oder Fragenkomplexe haben Sie denn in der diesjährigen Untersuchung neu aufgenommen?
Wir haben einen Fragenkomplex speziell für Psychiatrien aufgenommen, bei denen wir aufgrund der anstehenden PEPP-Einführung eine hohe Dynamik erwarten. Unsere Fragen konzentrieren sich in diesem Abschnitt vor allem auf die Maßnahmen im Zuge der Einführung des neuen Entgeltsystems. Darüber hinaus haben wir zusätzliche Fragen zur Organisation des Controllings, also zum Beispiel zur Verteilung der Verantwortlichkeit für das kaufmännische und das medizinische Controlling, aufgenommen.

Sie betreiben eine Langzeitstudie. Welche Entwicklungen haben Sie seit deren Start ausmachen können? Und auf welche Ergebnisse sind Sie diesmal am meisten gespannt?
Wir haben feststellen können, dass sich der im ersten Jahr vor allem bei der Gestaltung der Kostenrechnung beobachtete Vorsprung der InEK-Kalkulationshäuser im zweiten Jahr verringert hat. Wir sind gespannt, ob sich diese Entwicklung fortsetzt. Ebenso interessant ist es, die Entwicklung bei der Liquiditätsplanung und beim Risiko-Controlling zu beobachten. Wir vermuten, dass sich hier die größten Veränderungen im Zeitablauf einstellen werden. Auch die Veränderung der Controlling-Organisation und -abläufe haben wir im Fokus. Und spannend werden auch die ersten Analysen zur Wirkung der PEPP-Einführung auf das Controlling speziell in Psychiatrien sowie die Entwicklung bei den Ziel- und Anreizsystemen sein, deren Einsatz ja oftmals sehr kritisch kommentiert wird.


Einladung zur Teilnahme
Im Juni bekommen alle deutschen Krankenhäuser und Psychiatrien Post: Dann erhalten sie zum dritten Mal den Fragenbogen der Langzeitstudie zum Thema "Krankenhaus-Controlling”. Adressaten sind die Kaufmännischen Geschäftsführer oder Direktoren, die sie an die Abteilung Controlling zur Beantwortung weiterleiten können. Für die Beantwortung bleiben vier Wochen Zeit. Die Ergebnisse werden im Herbst präsentiert. Krankenhäuser, die an der Befragung teilnehmen, bekommen die Ergebnisse dann automatisch zugeschickt und erhalten beim 21. Krankenhaus-Controller-Tag 2014 in Berlin ermäßigten Eintritt. Eine Teilnahme ist auch online möglich unter www.dvkc-umfrage.de.

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