Seit den Organskandalen in Göttingen, Regensburg und München wird heftig über Chefarztboni gestritten, die an Fallzahlsteigerungen geknüpft sind. Pauschal mit in Verruf geraten sind Zielvereinbarungen, wie sie mehr als die Hälfte der Klinikchefs und zahlreiche Chef- und Oberärzte in ihren Arbeitsverträgen haben. "Die globale Kritik an Zielvereinbarungen ist völlig falsch. Damit driftet die berechtigte Debatte um die Organvergabe in eine Richtung, die für Deutschlands Krankenhäuser kontraproduktiv ist", warnt Peter Windeck, Partner der Personalberatung Rochus Mummert. "Es ist sinnvoll und richtig, Kliniken über Zielvereinbarungen für ärztliche und kaufmännische Führungskräfte zu steuern. Unsere Krankenhäuser sind Gesundheitsunternehmen, die effizient arbeiten müssen", so Windeck weiter.
DKG:Dänzer schreibt offenen Brief an Montgomery
Kliniken brauchen den richtigen Mix
Diese Ökonomisierung des Gesundheitswesens ist von der Politik vorgegeben. Dennoch üben Politiker aller Parteien seit dem Göttinger Transplantationsskandal generelle Kritik an wirtschaftlich ausgerichteten Zielgrößen in Leistungsvereinbarungen für Mediziner. Ebenso verhalten sich die Gewerkschaft Verdi, die Bundesärztekammer sowie zahlreiche ärztliche Verbände und Fachorganisationen von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) bis zum Verband der Leitenden Krankenhausärzte (VLK), moniert Rochus Mummert in einer Mitteilung. Richtig an der Kritik sei, dass Zielvereinbarungen nicht nur ökonomisch definiert werden dürfen. Diese falsche Form führe zu Fehlanreizen, stattdessen bräuchten Kliniken einen Mix aus finanziellen, inhaltlichen und anderen Ziele.
Zu diesen Faktoren zählt zum Beispiel die Güte der Behandlung. "Die medizinische Qualität der Leistungserbringung spielt häufig eine viel zu geringe Rolle in den Zielvereinbarungen", kritisiert Windeck. Dabei sind es gerade die Folgen einer mangelhaften Behandlung, die beispielsweise durch Infekte nach Operationen längere Liegezeiten der Patienten verursachen und die Krankenhäuser teuer zu stehen kommen. "Hier sollte der Gesundheitssektor von der Industrie lernen, dass Ziele zur Produkt- und Dienstleistungsqualität perspektivisch mindestens genauso wichtig sind wie finanzielle Aspekte", fordert Peter Windeck. "Viele Klinken haben das bereits erkannt und nehmen qualitative wie ökonomische Ziele in ihre Vereinbarungen auf. Aber es gibt genügend Häuser, die es noch immer völlig falsch machen."
Die kma hat in einem ausführlichen Bericht verschiedene qualitative Parameter für Zielvereinbarungen aufgezählt.


Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!
Jetzt einloggen