Die Wiege der elektronischen Gesundheitskarte (EGK) stand in Schleswig-Holstein. Auf Betreiben eines Ärztenetzes in Flensburg entstand im März 2001 das Projekt "Gesundheitskarte Schleswig-Holstein”, bei dem alle wichtigen Akteure an Bord waren: Ärzte, Apotheker, Krankenkassen, Kartenhersteller – sogar der Datenschutzbeauftragte war eingeweiht. Die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bekam die Karte 2002 als eine der ersten in die Hand gedrückt und nutzte das System als Blaupause für die heutige EGK. Daraufhin wurde die schleswig-holsteinische Karte, die bereits mit dem E-Rezept experimentiert hatte, begraben. "Die Dialogbereitschaft der Akteure, die bei allen standespolitischen Graben- und Verteilungskämpfen die Köpfe aus den Gräben gehoben und Konzepte zusammen entwickelt haben, hat das Projekt in Schleswig-Holstein zu etwas Besonderem gemacht”, erklärt Randy Lehmann. Sie organisiert im Auftrag des schleswig-holsteinischen Gesundheitsministeriums nun bereits zum vierten Mal den Kongress "Vernetzte Gesundheit”.
Ans Schneckentempo gewöhnt
Franz-Joseph Bartmann ist jemand, der sich früh aus dem Schützengraben herausgewagt hat. Er ist Chef der Landesärztekammer Schleswig-Holstein und Telematikbeauftragter der Bundesärztekammer. Seit Jahren bezieht er Prügel von den niedergelassenen Ärzten und arbeitet dennoch beharrlich an einer Telematikinfrastruktur. "Wir wollen mit dem Kongress auch die Notwendigkeit der Telematikinfrastruktur herausstellen”, erklärt Bartmann, der an beiden Kongresstagen auf dem Podium sitzt. Das Schneckentempo bei der Umsetzung der EGK nimmt er heute zumindest teilweise mit Humor. "Von Tigern und Bettvorlegern” heißt passenderweise ein Kongressvortrag von Bartmann. Ende des Jahres sollen 70 Prozent der Karten ausgegeben sein – gut möglich, dass die Kassen das schaffen. Ab nächstes Jahr sollen Stammdatenabgleich und Notfalldaten für die Karte realisiert werden, erst dann folgt die elektronische Signatur. "Vor 2014 wird es die Signatur allerdings nicht geben”, schätzt Bartmann.
Beispiele mit Modellfunktion
Der Weg zur Vernetzung im Gesundheitswesen bleibt mühselig, der Kongress will deshalb auch positive Beispiele transportieren – auch aus Schleswig-Holstein: Das Flächenland weist mit mehr als 30 Ärztenetzen die höchste Arztnetzdichte auf und kann mehrere spannende Projekte vorweisen. Im 6K-Verbund haben sich beispielsweise sechs kommunale Häuser zusammengetan. Sie verfügen über eine gut ausgebaute telemedizinische Verbundstruktur, die ihnen etwa wöchentliche Teletumorboards ermöglicht. Auch der Klinikverbund Flensburg, in dem zwei unterschiedlich konfessionelle Häuser zusammenarbeiten, hat Modellfunktion. "Wir wollen mit dem Kongress eine Plattform schaffen – für den Blick und die Diskussion über den schleswig-holsteinischen Tellerrand hinaus. Und wir wollen Marketing für gute Ideen, Innovationen machen. Gute Beispiele sollen Schule machen”, unterstreicht Lehmann vom Ministerium.


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