Interview mit Markus H. Bracklo
Wie hat sich der Wiederaufbereitungsmarkt im Jahr 2012 entwickelt? Wo wird es im kommenden Jahr hingehen?
Der Wiederaufbereitungsmarkt ist im Jahr 2012 stark gewachsen. Dies gilt sowohl für die Spezialaufbereitung (sogenannte Einmalprodukte) mit zweistelligen Wachstumsraten als auch für die Aufbereitung von Mehrwegprodukten durch spezialisierte Dienstleister, mit rund 10% Wachstum über Vorjahr und mehreren großen ZSVA-Projektausschreibungen. Diese Entwicklung wird sich auch in 2013 fortsetzen. Es werden richtigerweise immer höhere Qualitätsanforderungen gestellt, die in vielen Fällen nur spezialisierte Dienstleister erfüllen können.
Was kommt durch die gesetzgeberische Entwicklung auf EU- und Bundesebene auf die Hersteller einerseits und die Krankenhäuser andererseits zu?
In 2012 hat es in diesem Zusammenhang zwei wesentliche Entwicklungen gegeben. Zum einen wurde Ende des Jahres die neue KRINKO-Empfehlung (Robert Koch/BPharm bzw. Anm. d. Red.) zur Wiederaufbereitung verabschiedet. Die bisherigen Richtlinien und die hohen Qualitätsstandards für besonders kritische Produkte wurden weiter entwickelt und präzisiert. Desweiteren wurde im September 2012 der Entwurf der neuen EU-Richtlinie ((Anm./Link Medical Device Directive)) veröffentlicht, der Artikel 15 auch eine Regulierung für die Aufbereitung von sogenannten Einmalprodukten enthält. Es werden von Aufbereitern von sogenannten Einmalprodukten die gleichen Zulassungsstandards erwartet wie sie gegenüber Herstellern gelten, sprich die CE-Kennzeichnung. Diese Standards werden nur von spezialisierten Dienstleistungsunternehmen erfüllt werden können. Die Vanguard AG hat ihre Verfahren bereits weiterentwickelt und für die ersten aufbereiteten Produkte auch schon ein CE-Mark erhalten.
Worauf muss die Klinikführung beim Thema Sterilgutaufbereitung besonders achten?
Klinikentscheider müssen in diesem hochsensiblen Bereich die Qualitätsstandards ihrer Dienstleister sehr genau prüfen. Nur wenige Anbieter sind in der Lage, die für die Aufbereitung von Einmalprodukten geforderten validierten Verfahren nachzuweisen, oder gewährleisten eine Proteinanalytik bei englumigen Produkten auf Einzelproduktbasis. Ein nachhaltiger Aufbereitungspartner sollte nachweisen können, dass er die anstehenden Anforderungen der neuen Richtlinien auch tatsächlich erfüllen kann.
Auf welcher Basis sollte die Klinikführung hier Entscheidungen fällen?
Mit einem Aufbereitungsunternehmen geht das Krankenhaus eine strategische Partnerschaft ein. Zur Bewertung einer solchen Partnerschaft gehört die Bewertung des Qualitätssicherungskonzeptes des Partners, die Bedeutung der Prozessentwicklung des Dienstleistungspartners sowie die Möglichkeiten des Partners auch Notfallversorgungen darzustellen. Ein Audit des Partners und eine Begehung der Aufbereitungsstätten ist in jedem Fall zu empfehlen.
Welche Vorteile ergeben sich für Kliniken durch die Wiederaufbereitung? Ab wann und wie "rechnet" sie sich?
Eine Klinik kann durch eine strategische Partnerschaft mit einem spezialisierten Dienstleistungsunternehmen ein vom Klinikum bestimmtes hohes Qualitätsniveau sicherer und ökonomischer erreichen und nachhaltig sicherstellen. In der Spezialaufbereitung lassen sich zudem signifikante Wirtschaftlichkeitsreserven heben. Von diesen Vorteilen können grundsätzlich alle Kliniken profitieren, die über chirurgische Abteilungen verfügen.
Ihr Unternehmen ist Marktführer und Vorreiter für die Wiederaufbereitung auf Spitzenniveau. Wie kann eine Klinik durch diese Qualitätsführerschaft profitieren?
Unser Unternehmen hat in den letzten 10 Jahren kontinuierlich in Prozess und Anlagenentwicklung investiert. Damit können wir beispielsweise die Aufbereitung von sogenannten kritisch C Produkten anbieten, die in einer klassischen ZSVA nicht entsprechend aufbereitet werden können. Jedes Jahr kommen neue Produkte aus unserer Prozess F&E auf den Markt, die weder von unseren Kunden noch von unseren Wettbewerbern validiert aufbereitet werden können. Eine Klinik kann mit uns im Bereich dieser Spezialaufbereitung zusammenarbeiten oder auch die gesamte Aufbereitungsdienstleistung an uns vergeben. Auch in der Aufbereitung von Mehrwegprodukten sind die Anforderungen und die Qualitätsstandards gestiegen. Wir bieten unseren Kunden eine nachhaltige und qualitätsgesicherte Dienstleistung.


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