Krankenhaus 4.0

Was Kliniken vom dänischen „Super-Hospital“ lernen können

Was derzeit im Uniklinikum Aarhus entsteht, dürfte auch deutsche Krankenhausmanager aufhorchen lassen. Die Dänen machen vor, was in Sachen Digitalisierung möglich ist. Fraunhofer-Experte Wolfgang Deiters erklärt das Konzept der Planer und beschreibt, was heimische Kliniken davon lernen können.

Der Blick nach Norden lässt staunen: Elektronische Patientenakten sind in Dänemark seit zehn Jahren etabliert, technische Assistenzsysteme im Sinne der Telemedizin sind gerade auf dem Weg in die Regelversorgung. Und auch in der Krankenhaustechnik und im Bereich der Prozessinnovationen setzt das nördliche Nachbarland bemerkenswerte Impulse, sagt Wolfgang Deiters, Abteilungsleiter Digital Health am Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Dortmund. Zudem habe der dänische Staat entschieden, das Krankenhaussystem bis 2020 grundsätzlich umzubauen. Dazu entstehen fünf über das Land verteilte „Super-Hospitäler“ – eines davon in Skejby bei Aarhus.

Das Universitätsklinikum der zweitgrößten Stadt Dänemarks bekomme jetzt eine völlig neue Dimension, beschreibt Deiters. Der heutige Gebäudekomplex mit einer Größe von 160.000 Quadratmetern werde mehr als verdoppelt. Mithilfe der 220.000 Quadratmeter Neubau werde das neue „Super-Hospital“ jährlich 100.000 Patienten stationär aufnehmen können. Bereits Ende 2016 sollen die ersten Patienten im Neubaubereich behandelt werden.

 

Planer setzen auf massiven Technikeinsatz

Eine derartig große Einrichtung effizient zu bewirtschaften, ist eine enorme Herausforderung. Der begegnen die Planer in Aarhus mit einem massiven Technikeinsatz, weshalb auch zahlreiche neue technische Dienste entstehen. Liegt beispielsweise ein medizinischer Notfall vor, kann ein Dienst den nächsten verfügbaren Arzt informieren und anweisen, die Behandlung zu übernehmen.

Dem Thema Ressourcennutzung wird durch den Aufbau einer Infrastruktur Rechnung getragen, die auf einer Ortung aller Personen, Objekte und Geräte beruht (Tracking und Tracing). Innerhalb dieser Infrastruktur gibt es Dienste, die es beispielsweise erlauben, medizinische Geräte, etwa ein mobiles Ultraschall-Gerät, zu lokalisieren und entweder zeitnah an den gewünschten Einsatzort zu bringen oder die Behandlung eines Patienten direkt in dem Raum zu planen, in dem sich das Gerät befindet. Auch die Verteilung, Wartung und Reinigung der Geräte können hierüber organisiert werden: So wird ein Bettenmanagement aufgebaut, das freie Betten lokalisiert, ihre Reinigung und Desinfektion steuert und Wartungsprozesse organisiert.

 

Was Deutschland lernen kann

Die dänischen Erfahrungen und Ergebnisse lassen sich sicher nicht 1:1 nach Deutschland übertragen, schränkt Wolfgang Deiters ein. Als kleines Land falle es den Dänen leichter, neue Strukturen mit kurzen Entscheidungswegen aufzubauen. Der Neubau des Hauses in Aarhus als Bestandteil eines staatsweiten strategischen Programms erlaube ein Denken im Großen. Darüber hinaus zeigten sich kulturelle Unterschiede: Obwohl es in beiden Ländern hohe Datenschutzanforderungen gebe, würden in Dänemark einige Aspekte wie etwa die Ortung von Personen weniger kritisch gesehen.

Dennoch sei der Weg zu einem stark IT-gesteuerten, auf dem „Internet of Things“ basierenden Prinzip zur Organisation und Steuerung von Krankenhäusern auch für deutsche Kliniken ohne Zweifel der richtige, ist Seiters überzeugt. Deshalb sei es interessant, Best-Practice-Beispiele aus anderen Ländern zu beobachten und die Aspekte zu übernehmen, die sich auf deutsche Verhältnisse adaptieren lassen.

 

Tracking und Tracing für Betten

Ein Beispiel sieht Deiters im Bettenmanagement: Auch in deutschen Klinken bestehe der Bedarf nach Transparenz bezüglich der Lokalisierung, Nutzungsintensität und Wartung von Betten. Existiere eine entsprechende Datenbasis, könnten etwa Standzeiten von Betten identifiziert werden, und der Bestand an Betten könne entsprechend angepasst werden. Das Universitätsklinikum Aachen habe diesen Bedarf erkannt und ein Pilotprojekt gestartet, das die Entwicklung eines Tracking-und-Tracing-Konzepts für Betten zum Ziel habe. Dadurch solle eine Rückverfolgung der Bettenbewegung im Gebäude ermöglicht und somit eine Effizienzsteigerung der Klinikprozesse erreicht werden.

 

Den gesamten Expertenbeitrag von Wolfgang Deiters lesen Sie im aktuellen Magazin kma krankenhaustechnik, das der September-Ausgabe der kma beiliegt. Die gesamte Ausgabe befasst sich schwerpunktmäßig mit der Digitalisierung.

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