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ManagergehälterWie viel bin ich wert?

Immer mehr! So lautet die einhellige Antwort der Klinikmanager. In der Realität ist die Bezahlung jedoch sehr unterschiedlich.

Verdienen Klinikchefs zu wenig? Über diese Frage lässt sich vortrefflich streiten, allein schon, weil die Spanne der Gehälter groß ist. Im Schnitt erhalten Klinikmanager 190.000 Euro jährlich, das hat eine aktuelle Umfrage der Personalberatung Kienbaum ergeben. Diese Zahl basiert zwar nur auf den Angaben von 40 Klinikchefs, dennoch dürfte sie in etwa stimmen. Die Spanne der Gehälter bewegt sich laut Szene-Kennern zwischen 120.000 und 400.000 Euro Jahressalär.

Die Vergütung der Klinkchefs ist in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen (siehe Tabelle Seite 36), und auch in Zukunft dürfen Neueinstellungen in der Regel mit 10.000 bis 20.000 Euro mehr im Jahr rechnen als ihre Vorgänger. Doch im Vergleich zu anderen Branchen bekommen Krankenhausmanager deutlich weniger. "Vielfach ist das Verhältnis 1:2”, sagt Kienbaum-Berater Thomas Thurm. Auch die zweite Ebene – also Chefs für Personal, Einkauf, Controlling oder IT – verdienen schlechter als ihre Kollegen in anderen Branchen. Einigermaßen gut verdienen die Topmanager bei den privaten Häusern – oder wie es Headhunterin Andrea Köhn ausdrückt: "Bei privaten Kliniken brauche ich bei einem 400-Betten-Haus nicht über 180.000 Euro diskutieren. Für die Aufgabe, ein kleineres, aber problematisch aufgestelltes Haus in Randlage auf Vordermann zu bringen, zahlen die Privaten für gute Leute sogar mal 250.000 Euro.” Das Problem aus Köhns Sicht: Während Aufsichtsräte von Sana, Helios und Co im Regelfall Rechtsanwälte, Steuerberater, Klinikmanager oder Unternehmer sind, kommen die Aufsichtsräte in öffentlichen Häusern überwiegend aus Politik, Verwaltung und den Gewerkschaften. "Wenn ein Bürgermeister und Landräte diskutieren, ob jemand 200.000 oder 220.000 bekommen soll, dann ist die Diskussion oft nicht sachlich begründet, sondern wird emotional geführt. Das gilt auch für viele Aufsichtsgremien der kirchlichen Kliniken”, sagt Köhn.

Die ehemalige Personalerin der Schön Klinik und heutige Beraterin bemängelt: "Wir hatten schon zähe und harte Diskussionen um das Gehalt eines Topmanagers, bei dem es um wenige tausend Euro mehr ging.” Ein Manager, der ungenannt bleiben will, erklärt dazu: "Es gibt häufig noch die Einstellung, dass ein Klinikmanager, der einen Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro verantwortet, nicht mehr verdienen darf als ein Abteilungsleiter im Rathaus.” Allerdings vergessen solche Aufsichtsräte, dass sich der einst gemütliche Sessel des Klinikchefs zum Schleudersitz wandeln kann. Die Klinikchefs müssen ihren Trägern schwarze Zahlen liefern, dürfen aber die Nachfrage nicht über Gebühr ankurbeln, sonst drohen Abschläge. Daneben erwarten Politik und Bevölkerung eine stetige Verbesserung der Behandlungsqualität. Allein Hygiene-Skandale haben in den vergangenen zwei Jahren mehreren Klinikchefs den Kopf gekostet, zuletzt Alfred Dänzer, Chef der Uniklinik Mannheim. Die Bereitschaft bei Kommunen, für einen erfahrenen Sanierer 200.000 Euro oder mehr auf den Tisch zu legen, sei allerdings gewachsen. Aufsichtsräten, die partout auf die Sparvariante setzen, bietet Köhn zumindest eine Alternative: "Wir nehmen in die Auswahl noch ein, zwei höher gehandelte Kandidaten mit rein, um zu zeigen, was mit einer höheren Investition möglich ist”. Köhn registriert außerdem, dass Manager privater Klinikkonzerne zunehmend bereit sind, in öffentliche Einrichtungen zu wechseln. Vielleicht, so vermutet Köhn, sei es für den einen oder anderen Manager attraktiver, ein kommunales Haus zu sanieren, als "im fünften Jahr infolge zwölf Prozent Rendite aus einem Helios-Haus zu quetschen”.

Durchstarter Mate Ivancic
Ein relativ neues Phänomen sind junge Klinikchefs unter 35 oder gar 30 Jahren. Vor allem Deutschlands größter Klinikkonzern Helios sorgt mit Nachwuchskräften für Aufsehen und hat so einige beachtliche Karrieren ermöglicht. Größter Aufsteiger ist Mate Ivancic (36), der nach mehreren Stationen erst Chef des Klinikums Berlin-Buch wurde – dem Flaggschiff des Konzerns – und ab 2015 die Geschäftsführung der Helios-Region Mitte übernimmt. Auf seinen Posten in Berlin-Buch wechselt der 31-jährige Sebastian Heumüller. Die jungen Manager aus den Kaderschmieden der Konzerne hätten aber noch lange nicht das Profil, einen kommunalen Maximalversorger zu steuern, sagt ein kommunaler Klinikmanager, der nicht genannt werden will: "Klinikkonzerne sind sehr zentralistisch organisiert. Die Führungskräfte müssen die Strategie, die in der Konzernzentrale ausgebrütet wird, umsetzen. Der Chef eines kommunalen Maximalversorgers muss dagegen die Unternehmensstrategie selbst entwickeln, an den Aufsichtsrat herantragen und dort durchsetzen. Dafür braucht man Erfahrung und politisches Fingerspitzengefühl. Das kann jemand, der mit 25 von der Business School kommt und mit 27 sein erstes 300-Betten-Haus führt, nicht.” Das klingt plausibel, und wohl auch deshalb gehören die Chefs der ganz großen kommunalen Maximalversorger zu den Besserverdienern. Die Gesundheit Nord in Bremen oder die Gesundheit Nordhessen in Kassel vergüten ihre Chefs ebenso wie der Berliner Klinikkonzern Vivantes mit deutlich mehr als 200.000, zum Teil mit über 300.000 Euro im Jahr.

Den zweiten Teil dieser Geschichte - ein Artikel über Gehälter in den großen Klinikkonzernen - können Abonnenten hier lesen.

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