Digital Change Managerin der Unimedizin Essen

„Wir brauchen dringend qualifizierte Informatiker“

Dr. Anke Diehl arbeitet seit Kurzem als Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Essen. Bei ihrem Job geht es um mehr als nur die Schaffung von durchgängigen digitalen Abläufen. Innovativen Ideen soll Raum gegeben und technische Konzepte sollen schnell umgesetzt werden.

A. Diehl

Dr. Anke Diehl ist Medizinerin, hat einen Master in Management, leitete ein internationales Studienzentrum am Uniklinikum Essen und danach den Fachbereich Versorgungsstruktur­entwicklung am LZG.NRW, bevor sie vor wenigen Monaten ihre neue Position als Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Essen antrat.

Frau Dr. Diehl, womit beschäftigen Sie sich aktuell?

Im Augenblick beschäftigt mich vor ­allem das Thema Fachkräftegewinnung im IT-Bereich. Die forschungsorientierte Medizin braucht dringend qualifizierte Informatiker. Das ist leider ein Riesenproblem. Wir brauchen IT-Spezialisten, um innovative Konzepte z. B. auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und des ‚Machine Learning‘ zu realisieren und den digitalen Fortschritt für die klinischen Prozesse zu nutzen. Aber im Wettbewerb um den kreativen IT-Nachwuchs tut sich die Universitätsmedizin – wie der gesamte öffentliche Dienst – ziemlich schwer.

Wir schneiden oft schlecht ab im Vergleich mit vermeintlich hippen Start-ups. Dabei ist gerade die Hochschulmedizin bei elementaren Zukunftsthemen Treiber der wissenschaftlichen Entwicklung. Das ist sicher keine schlechte Grundlage für jede weitere Karriere.

Welches ist zu Beginn Ihr spannendstes bzw. innovativstes Projekt?

Die Einrichtung eines umfassenden Patien­tenportals. Über das Portal wird es eine Vielzahl von Informations- und Inter­aktionsmöglichkeiten für unsere Patienten geben. Ziel ist, dass die Patienten direkt mit dem Krankenhaus kommunizieren können, statt sich zum Beispiel mühsam zur zuständigen Klinik oder Abteilung durchzutelefonieren. Außerdem sollen sich Wege und Wartezeiten verkürzen.

Wie würden Sie Ihr Aufgabenspektrum beschreiben?

Grundsätzlich reicht es von der Entwicklung von Applikationen (Apps) bis zur Umsetzung von elektronischen Patientenbefragungen. Sehr oft geht es um die Beurteilung der medizinischen Relevanz geplanter Maßnahmen. In einem so großen und forschungsaktiven Konzern wie der Essener Universitätsmedizin ist es außerdem wichtig, die unterschiedlichen Initiativen gut zu koordinieren. Dafür müssen die vielen Protagonisten voneinander wissen und miteinander kommunizieren. Nur dann entstehen wirkliche Synergien.

Dabei gilt für unsere digitalen Projekte, dass alle medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Anliegen mindestens gleichrangig sind mit technischen Erfordernissen.

Wo im Krankenhaus wird nach Ihren ersten Eindrücken derzeit der digitale Wandel am deutlichsten spürbar: in der Diagnostik, im OP, in der Pflege oder der Krankenhaus-Logistik?

Hier an der Universitätsmedizin in Essen betrifft dies alle Bereiche gleicher­maßen – die elektronische Patientenakte ist flächen­deckend eingeführt; Befunde werden zunehmend strukturiert erhoben und selbstverständlich digital übermittelt, und in der Logistik haben wir gerade in der ersten Klinik das ‚Real-Time Tracking‘ mit Bluetooth Low Energy ausgerollt, um Krankenhauslogistik und Bettenmanagement zu verbessern. Auch betreffen diese Prozesse alle Berufsgruppen gleichermaßen – von digitalen Verordnungen bis hin zur Erstellung eines digitalen Pflegeberichts.

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