Wissenstransfer bei klinischen Studien

„Die Ärzteschaft von Beginn an mit ins Boot holen“

Damit klinische Studien im akademischen Umfeld erfolgreich starten können, sind die Wissenschaftler auf die Unterstützung der behandelnden Ärzte und Studienzentren angewiesen. Studienleiter sollten daher auch innerhalb der Ärzteschaft Kommunikationsmaßnahmen einplanen.

Forschung

Fotolia (WavebreakmediaMicro)

Aktuellen Umfragen zufolge scheitert jede dritte öffentlich finanzierte klinische Studie, noch bevor sie richtig begonnen hat, da die notwendige Zahl an Probanden nicht zustande kommt. Was häufig fehlt, ist nicht etwa die Bereitschaft zur Teilnahme, sondern der Informationsfluss in Richtung der behandelnden Ärzte und damit der infrage kommenden Patienten. „Die behandelnden Ärzte müssen von der Studie nicht nur erfahren, sondern auch die Studienziele und die für den Patienteneinschluss wesentlichen Studienmerkmale möglichst schnell erfassen. Das erfordert gezielte Kommunikationsarbeit“, erläutert Frederik Giesel, Nuklearmediziner am Universitätsklinikum Heidelberg.

Giesel ist Studienleiter der klinischen „PSMA Multicenter-Studie“, des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK). Ziel der bundesweit durchgeführten Studie ist es, ein neues hochsensitives Diagnose-Verfahren für Prostatakrebspatienten in der klinischen Versorgung zu etablieren. „Beteiligt sind Ärzte und Wissenschaftler aus der Nuklearmedizin, Urologie, Radiopharmazie und Pathologie an 11 großen Kliniken“, sagt Frederik Giesel.  

Infomaterialien sollen Wissenswertes auf den Punkt bringen

Um so viele Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen von Beginn an mit ins Boot zu holen und langfristig für die Unterstützung des Forschungsvorhabens zu gewinnen, planten die Wissenschaftler spezifische Infomaterialen für Fachveranstaltungen der Kliniken und Studienzentren ein. „Es hat einige Sitzungen gebraucht, um aus dem sehr umfangreichen Studienprotokoll die für Ärzte wesentlichen Infos und Botschaften zu extrahieren und in einem Flyer auf den Punkt zu bringen“, sagt Claus Zippel, Wissenschaftsmanager im DKTK. Wie sich Forschungsziel, die Einschlusskriterien und das Design der klinischen Studie für die Ärzteschaft in Form eines Flyers visualisieren und kompakt vermitteln lassen, haben er und die Pressestelle des DKTK jetzt in einem Kommunikationsleitfaden veröffentlicht.

Für die zielgruppengerechte Texterstellung und Gestaltung sollte man sich in jedem Fall Hilfe von den Pressestellen oder einer Agentur holen, empfiehlt Alexandra Moosmann, Pressereferentin des DKTK: „Die richtigen Schlagworte, das passende Bildmaterial und zielgruppengerechte Texte entscheiden, ob Infomaterialien gelesen werden oder in der täglichen Flut der Informationsangebote untergeht.“

„Um unsere Kommunikationsmittel für klinische Studien künftig noch besser gestalten und verbreiten zu können, ist nun eine Befragung unter den Studienärzten geplant“, ergänzt Claus Zippel. „Letztendlich profitieren auch die Patienten, wenn genauer erforscht wird, wie der Wissensaustausch bei medizinisch-klinischen Neuerungen in der Ärzteschaft verbessert werden kann.“

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  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
  • Frederik Giesel

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