Uniklinik Heidelberg

Forscherin bangt um Zukunft des Bluttests für Brustkrebs

Eine Forscherin hält den von ihr an der Uniklinik Heidelberg mitentwickelten Bluttest für Brustkrebs gefährdet. Das ihr am Herzen liegende Projekt sei durch das Fehlverhalten einzelner in Misskredit gekommen. Sie selbst fühlt sich ausgebootet.

Diagnostik

Fotolia (Alexander Raths)

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Nach einer umstrittenen PR-Kampagne sieht eine einst wesentlich an den Forschungen zu einem Bluttest für Brustkrebs beteiligte Wissenschaftlerin diese Methode diskreditiert und beschädigt. «Die PR-Maßnahme vor der wissenschaftlichen Veröffentlichung hat dem Test massiv geschadet, so dass dieser womöglich für die Zukunft verbrannt sein könnte», sagte Barbara Burwinkel, Professorin an der Uniklinik Heidelberg, unter deren Führung die Grundlagen für diesen Früherkennungstest über Jahre entwickelt worden waren. Bei möglichen Investoren und der Wissenschaftsgemeinde sei durch die Affäre die Glaubwürdigkeit des Ansatzes erschüttert worden, sagte die Molekularbiologin der Deutschen Presse-Agentur.

Der Chef der Heidelberger Frauenklinik, Christof Sohn, hatte den Test im Februar dieses Jahres öffentlich als fast marktreif gepriesen und die PR-Aktion initiiert. Nach Überzeugung Burwinkels dauert es aber noch mehrere Jahre bis der Test auf den Markt kommen kann. Weitere zeitaufwendige Studien seien unerlässlich.

Aus dem Projekt hinausgedrängt

Sie sei nach kritischen Fragen aus dem Projekt hinausgedrängt worden - mit dem aus ihrer Sicht fragwürdigen Argument, ihre Mitwirken an dem Test verstoße gegen das Anti-Korruptionsgesetz. Zugleich habe man die Herausgabe wichtiger Daten von ihr verlangt. Die Forscherin bezweifelt auch die Kompetenz der jetzt für den Bluttest Verantwortlichen. Denn Sohn und die von ihm eingesetzte Projektleiterin Sarah Schott hätten zu dem Thema nichts eigenständig publiziert.

Überdies befürchte sie, dass sie und ihre Kollegen als Erfinder der möglichen Früherkennungsmethode leer ausgehen. «Mein Team hat zwar Patente eingereicht, aber uns wurden nicht wie üblich Lizenzen, Optionen darauf oder Absprachen vorgelegt», sagte die Professorin.

Technologie Transfer Heidelberg mehrmals um Informationen gebeten

Adressat der Beschwerde ist die Technologie Transfer Heidelberg GmbH, die zu 90 Prozent dem Klinikum gehört und selbst wiederum mit 48,63 Prozent an der Heiscreen GmbH beteiligt ist. Diese Klinikausgründung soll die Vermarktung des Bluttests übernehmen. Sie habe die Technologie Transfer Heidelberg zweimal um Informationen gebeten, zuletzt vor einem Monat. Bislang habe sie kein Gehör gefunden. Es bestehe die Gefahr, dass Wissenschaftlern Erfindervergütungen vorenthalten würden. Insider gehen davon aus, dass eine funktionsfähiger Brustkrebstest ein Milliardengeschäft sein könnte.

Die Technology Transfer Heidelberg GmbH betonte, alle Erfinder erhielten aus den Erlösen, die durch ihre patentierten Erfindungen erzielt werden, 30 Prozent auf ihre Gehälter ausgezahlt. Im Falle des in der Evaluierung befindlichen Bluttests seien bisher keine Erlöse oder Einnahmen entstanden. Somit gebe es auch nichts zu verteilen.

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