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Universitätsklinikum ErlangenIndividuelle Arzneimittelanamnese vor OPs

Von Patientinnen und Patienten, die im Universitätsklinikum Erlangen operiert werden sollen, wird seit kurzem zusätzlich eine explizite Arzneimittelanamnese aufgenommen.

Pharmazeutische Aufnahme Uniklinikum Erlangen
Michael Rabenstein/Uniklinikum Erlangen

Gemeinsam mit ihrem ärztlichen Kollegen Timur Buniatov bespricht Julia Reiher den Medikationsplan und was während der stationären Behandlung beachtet werden muss.

Vor anstehenden Operationen war es im Universitätsklinikum Erlangen bisher üblich, dass die Patientin bzw. der Patient ein Aufnahmegespräch mit einer Chirurgin bzw. einem Chirurgen und ein sogenanntes Narkosegespräch mit einer Anästhesistin bzw. einem Anästhesisten führt. In der Chirurgie haben nun allerdings auch die Apothekerinnen Julia Reiher, Marina Schmid und Isabell Andrae ihren festen Arbeitsplatz. Jeweils eine von ihnen nimmt sich einige Tage vor der OP Zeit für ein persönliches Gespräch, in dem sie gemeinsam mit Patient*innen alle Medikamente ausführlich bespricht. „Dabei achten wir nicht nur auf potenzielle Wechsel- und Nebenwirkungen“, erläutert Prof. Frank Dörje, Chefapotheker des Universitätsklinikums. „Bestimmte Arzneimittel müssen vor einem operativen Eingriff pausiert werden: einige Antidiabetika beispielsweise.“

Die Pharmazeutinnen erfassen die einzelnen Medikamente – wie eingenommene Tabletten, Tropfen oder benötigte Inhalatoren – auch deshalb, um die spätere Versorgung auf Station nahtlos sicherzustellen. Im Idealfall bringen Patient*innen zum pharmazeutischen Aufnahmegespräch einen ausgefüllten Medikamentenplan mit. Sind die Angaben nicht eindeutig oder lückenhaft, halten die Expertinnen des Uniklinikums ggf. Rücksprache mit der Hausärztin bzw. dem Hausarzt oder den niedergelassenen Fachärztinnen und -ärzten.

Medizin und Pharmazie Seite an Seite

Wichtig ist für Prof. Dörje, der gemeinsam mit Prof. Robert Grützmann, Direktor der Chirurgischen Klinik, die Idee für diese verstärkte Zusammenarbeit zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit hatte, dass die Pharmazeutinnen die Chirurg*innen mit diesem Aufnahme- und Arzneimittelanamnese-Service deutlich entlasten: „Die Entscheidungen, welche Medikamente verordnet oder abgesetzt werden, treffen auf der Basis des pharmazeutischen Konsils nach wie vor die Ärzt*innen“, betont der Chefapotheker. „Wir sind sehr dankbar für diese Beratung und Unterstützung, denn gerade bei den Neben- und Wechselwirkungen haben die Kolleginnen und Kollegen aus der Apotheke eine sehr große fachliche Expertise“, sagt Prof. Grützmann. „Das Geld, das wir in dieses Projekt investieren, ist extrem gut angelegt – die Sicherheit unserer Patientinnen und Patienten steht für uns an oberster Stelle!“

Die nahtlose medikamentöse Patientenversorgung zwischen ambulantem und stationärem Sektor ist in anderen Ländern bereits etablierter als in Deutschland. „An jeder Schnittstelle droht ein Informationsverlust“, berichtet Prof. Dörje. Manchmal wisse die Hausärztin oder der Hausarzt nichts von den Medikamenten, die die Neurologin bzw. der Neurologe verschrieben habe und gerade ältere Menschen verlören schließlich selbst den Überblick. „Wir decken sowohl die Schnittstelle ‚stationäre Aufnahme‘ als auch die ‚Entlassung‘ ab und nehmen auf Basis der individuellen Angaben sowie der Laborwerte eine gründliche Medikationsanalyse vor“, erklärt der Chefapotheker. „Das ist auch deshalb wichtig, da wir die Medikation nach bestimmten Operationen vorübergehend oder dauerhaft auf eine eingeschränkte Organfunktion anpassen müssen.“

Frank Dörje ist stolz, wie gut das Pilotprojekt seit April 2020 in der Chirurgischen Klinik läuft und dass die wissenschaftliche Evaluation der Zusammenarbeit bisher sehr gute Ergebnisse liefert. Mittlerweile wurde der Service auch in weiteren chirurgischen Kliniken und selbstständigen Abteilungen des Uni-Klinikums Erlangen erfolgreich etabliert. Ziel ist es, mit diesem Service einen wichtigen und dauerhaften Beitrag zur Erhöhung von Patienten- und Arzneimitteltherapiesicherheit zu leisten.

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