Georg Thieme Verlag KG

126. Deutscher ÄrztetagMaßnahmenkatalog gegen Kommerzialisierungsdruck

Im Rahmen des 126. Deutschen Ärztetages fordert die Ärzteschaft eine grundlegende Reform der Krankenhauslandschaft. Konkrete Anliegen an den Bund und Klinikleitungen wurden in einem Maßnahmenkatalog festgehalten.

Ärztin
Aldeca Productions/stock.adobe.com

Symbolfoto

Zum 126. Ärztetag, der vom 24. bis 27. Mai 2022 in Bremen stattfand, wurde ein Maßnahmenkatalog gegen den Kommerzialisierungsdruck in der ambulanten und stationären Versorgung beschlossen. Darüber hinaus fordert die Ärzteschaft eine grundlegende Reform der Krankenhauslandschaft in Deutschland. Bund und Länder sollten sich künftig gemeinsam der Krankenhausfinanzierung und -planung widmen.

Im beschlossenen Maßnahmenkatalog fordert die Ärzteschaft unter anderem, die Gründung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) durch Krankenhäuser an einen fachlichen, räumlichen und regionalen Bezug zu deren Versorgungsauftrag zu koppeln.

Öffentliches MVZ-Register für mehr Transparenz

In einem weiteren Beschluss forderte der Ärztetag den Gesetzgeber dazu auf, dem fortschreitenden Aufkauf des ambulanten medizinischen Sektors durch Private Equity und börsennotierte Aktienunternehmen Einhalt zu gebieten. „Bisherige Gesetzesänderungen verhindern nicht, dass zunehmend aus dem Solidarsystem gespeiste Ressourcen der gesundheitlichen Daseinsvorsorge zu den Shareholdern abfließen und nicht sichergestellt ist, dass die Gewinne in Deutschland versteuert werden“, kritisierten die Abgeordneten.

Für mehr Transparenz für Patientinnen und Patienten würde nach Auffassung des Ärztetags ein öffentliches und frei zugängiges MVZ-Register sorgen. Zusätzlich sollten die MVZ dazu verpflichtet werden, die Trägerschaft auf dem Praxisschild auszuweisen.

Zu wenig Fokus auf der Patient*innenversorgung

An die Klinikleitungen adressierte der Deutsche Ärztetag die Forderung, den ökonomischen Druck auf die Ärzteschaft sowie bürokratische Aufgaben zu reduzieren. Ökonomische Überlegungen dürften sich nicht auf die Qualität der Patientenversorgung auswirken, stellte das Ärzteparlament klar. Ärztinnen und Ärzten hätten zu wenig Zeit für die Gesundheitsversorgung, heißt es in dem Beschluss. In Kombination mit der chronisch zu hohen Wochenarbeitszeit senke dies nachhaltig die Attraktivität des Arztberufes.

Die Ärzteschaft hat außerdem eine grundlegende Reform der Krankenhauslandschaft in Deutschland gefordert. Die Orientierung am Bedarf und die Fokussierung auf die Patient*innen sei zunehmend einem Verdrängungswettbewerb gewichen. Bund und Länder müssen ihre Aufgaben für die Daseinsvorsorge durch eine aktive Krankenhausplanung und eine darauf ausgerichtete Neustrukturierung der Finanzierung wahrnehmen, heißt es in einem Beschluss des Ärzteparlaments. Eine zentrale Rolle komme dabei der Strukturqualität der Kliniken und der Personalausstattung zu.

Bei der Krankenhausplanung gehe es darum, eine patienten- und bedarfsgerechte Versorgung mit leistungsfähigen, digital ausgestatteten Krankenhäusern sicherzustellen. Die Planungsbereiche müssten flexibilisiert werden, um auch die dem jeweiligen Bundesland angrenzenden Krankenhäuser zu berücksichtigen. Die Länder rief das Ärzteparlament dazu auf, ihrer Verpflichtung zur Finanzierung der Investitionskosten für die Krankenhäuser in vollem Umfang nachzukommen.

Bestehendes Vergütungssystem sei starr und kontraproduktiv

In einem weiteren Beschluss forderte die Ärzteschaft den Bund dazu auf, eine grundlegende Reform des Vergütungssystems für Kliniken in Angriff zu nehmen. Diese müsse sich prioritär an Kriterien wie tatsächlich erbrachten Leistungen, tatsächlichem Personalbedarf, Personalentwicklung, Flächendeckung und Vorhalteleistungen ausrichten.

Das bestehende Vergütungssystem nach Fallpauschalen kritisierten die Abgeordneten als bürokratieextensiv, zu starr im Hinblick auf das tatsächlich erforderliche Leistungsgeschehen und häufig kontraproduktiv für die berufliche Zufriedenheit der Beschäftigten.

Der Ärztetag begrüßte die vom Bundesgesundheitsministerium im Zuge der Krankenhausreform geplante „Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“. Gleichzeitig riefen die Abgeordneten des Ärztetages das Ministerium dazu auf, die in der stationären und ambulanten Patientenversorgung tätigen Ärztinnen und Ärzte stärker als bisher beabsichtigt in die Arbeit der Kommission zu integrieren.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!